Sonntag, 25. September 2011

C'mon you boys in blue

Es ist die Melodie von "Ihr könnt nach hause fahrn", wenn man es denn eine Melodie nennen möchte. Mit ihr werden die "Jungs in blau" gefeiert, das Gaelic Football Team der Dubliner. Betrunken liegen sich die Fans sowohl der Dubs als auch des Teams Kerry in den Armen, die ganze Stadt riecht nach Alkohol und ich sehe zu, dass ich so schnell wie möglich das Hostel erreiche, denn schon beginnen die Spaßkämpfe auf der Grafton Street, lachend wälzen sich drei Leute auf dem Boden. Sogar der Himmel leuchtet verheißungsvoll über der Stadt der Sieger.


Aber bei aller Sympathie möchte ich doch lieber in Sicherheit sein, für den Fall, dass die Menschen aus Kerry doch noch merken, dass sie die Meisterschaft verloren haben.

Die folgende Woche entwickelt sich zur ödesten seit meiner Ankunft in Dublin. Jessica fliegt am Mittwoch in die Heimat und ich sitze gelangweilt im Kindergarten. Natürlich sind die Kinder immer noch eine helle Freude, aber die Unfähigkeit der lieben Betreuer bereitet mir mehr und mehr Kopfschmerzen. Nachdem Sarah es eine Woche lang geschafft hatte, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen, hat sie wohl beschlossen, sich diese Mühe nun wieder zu sparen. Als ich ihr einmal mitteile, dass unser deutsches Kind Phil heftige Schimpfwörter gebraucht hat und das doch bitte seiner Mutter mitzuteilen wäre, bekommt sie es nicht einmal hin, mir in die Augen zu schauen, als ich mit ihr rede. Mein Verständnis für derartige Allüren beginnt sich allmählich aufzulösen. Ich frage Aishling, warum eigentlich alle Angst vor Sarah haben, sie weiß es aber selbst nicht. Jeder wartet nur darauf, dass sie in den Schwangerschaftsurlaub geht.

Die Tage tröpfeln also so vor sich hin, draußen wird es langsam unerträglich kalt und nass, in meiner Mittagspause verkrieche ich mich im Shoppingcenter.

Am Freitag treffe ich mich mit Isaidi, die aus Spanien zurück ist und noch bis Ende September in Irland bleiben wird. Wir wollen die Culture Night besuchen, eine Nacht der Kultur, an der sich viele Museen, Kneipen und Veranstaltungsorte beteiligen. Wo man sonst horrenden Eintritt bezahlt, ist an diesem Abend alles kostenlos. Also besuchen wir zunächst die Ausstellung in der City Hall und schauen uns an, wie es früher in den Straßen Dublins aussah. Dann geht es zum Dublinia. Dort kann man sich auf drei Etagen anschauen, wie die Vikinger gehaust und gelebt haben, eine aufwendige und unterhaltsame Ausstellung, für die man sonst zwanzig Euro Eintritt bezahlen muss. In den Gängen überraschen uns immer wieder Schauspieler, die als Vikinger verkleidet Geschichtsunterricht geben.

In einem Medizinschränkchen eröffnen einem Schubladen die Heilmethoden des Mittelalters.


Und überhaupt darf alles angefasst, geöffnet und sogar angezogen werden. Wir schreiben unsere Namen in Furthark Runen, unterhalten uns mit den Darstellern und verkleiden uns. Kurzum, wir haben viel Spaß in der Vikingerhochburg.



Aus dem Dublinia stolpern wir munter weiter durch die Straßen, sehen uns eine Fotoausstellung nur an, weil man dort auch Gratis Getränke serviert, entdecken den Hinterhof unserer Träume, wandeln durch Dublin Castle, wo wir der Königin selbst begegnen, bekommen einen Auszug aus Oscar Wildes "The Importance of Being Earnest" dargeboten und landen zum Abschluss bei einer Reihe von Musikgruppen, die Irish Folk und Jazz zum Besten geben. 


Das alles ist wirklich schön, aber meine Begeisterung hält sich dennoch in Grenzen. Ich bin leider nicht in der besten Verfassung und warte nur noch sehnsüchtig darauf, heim fliegen zu können. Dublin ist wirklich eine tolle Stadt, aber nach zwei Monaten Hostel, Kindergarten und Zulassungsarbeit kommt mir meine Energie langsam abhanden. Deshalb zähle ich die Tage, bis ich wieder in der Heimat bin und korrigiere zwischenzeitlich kleine und grobe Schnitzer in der Zulassungsarbeit, die ich nun sehr bald abliefern muss. 

Noch eine Woche, dann heißt es Mama, I'm coming home!

2 Kommentare:

  1. Yeah... Die Museums-Sache klingt klasse und die Fotos sehen auch echt überzeugend aus. Trotzdem stimme ich zu, dass es Zeit wird heim zu kommen. Noch 5 mal Schlafen. Ich warte schon. Der Musik-Link funktioniert von hier aus nicht...
    Bis dahin.

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  2. ... und jetzt nur noch 3 x schlafen...

    Diesen Blog werden wir allerdings schon vermissen ;-(

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