Montag, 5. September 2011

Sandkastenliebesdreieck

Ihr Name ist Ella, sie ist vier, sie ist blond, sie ist schüchtern, sie ist süß. Und ihr machen jetzt schon zwei Jungen den Hof. "Ella, du kannst mit mir spielen!", ruft es da aus der Lego-Ecke. "Ella, ich les dir was vor!", kommt es dagegen vom Bücherregal, wobei lesen bedeutet, dass beim Umblättern des Buches eine Fantasiegeschichte ersonnen wird, die zumindest ungefähr zu den Bildern passt. 

Faye mit ihrem jeden Tag auf's Neue originell verzopft und gestyltem Haar, Lia mit ihren exotischen Augen - sie haben keine Chance. Es muss die Art sein, mit der Ella verschüchtert ihren Daumen anknabbert, die hier die Herren fasziniert. Aber wer macht das Rennen?

Sean-Felipe hat den Prominentenbonus, sein Onkel moderiert die LateLateShow am Freitag Abend auf RTÊ ONE. Außerdem hat er Humor - und den schätzen Frauen ja angeblich so sehr. 

Andreas hingegen hat griechisches Blut in den Adern, repräsentiert das ferne, warme Land mit seinen Oliven und dem vielbesungenen Wein. Dazu ist er ein Träumer, ein Phantast, und denen liegen doch die Mädchen angeblich zu Füßen. 

Ich male mir aus, wie das weitergeht: Sean-Felipe später selbst als Talkmeister, wohlhabend und eloquent, Andreas als Rockstar, der nach den Sternen greift und mitten drin Ella, wählend zwischen Galanterie und Romantik, zwischen Charme und Verwegenheit. Schlimmer Kitsch.

Ella entscheidet sich aber kein bisschen. "Solange sie jemanden zum Spielen hat, ist alles okay. Ob das jetzt Sean-Felipe oder Andreas ist, kümmert sie da wenig.", sagt Aishling amüsiert. Die beiden Herren interessiert das aber sehr wohl, die reißen sich nämlich um den Platz neben Ella während der Fernsehzeit und schubsen sich  in unbeobachteten Momenten schon mal gegenseitig aus dem Sitzkissen. Wenn Andreas Ella "vorliest", bla-bla-blaht Sean - Felipe laut dazwischen. Wenn der aber versucht, mit Legosteinen zu brillieren, blockiert Andreas das Blickfeld. Es ist zum piepen. Meine kleine Elefantin, umstritten wie der Sängerpreis zu Nürnberg. Ich finde es Jammerschade, dass ich nicht die Chance haben werde, ihr einmal davon zu erzählen, wenn sie älter ist.

In solch kleinen Daily Soap Episoden gestaltet sich der Tag im Kindergarten, fasziniert schaue ich dabei zu, wie sich am Nachmittag ein paar Jungs um ein Puppenstubenbett streiten. Die eine Liga möchte es ins Piratenschloss stellen, die andere Fraktion natürlich in die dafür vorgesehene Puppenstube. Da wird sich ordentlich gebalgt und in unbeobachteten Momenten stiehlt man das eben erst verlorene Bett aus dem anderen Lager zurück - ganz so wie bei den Pfadfindern die Fahne. Sarah und Aishling sind im Nebenraum beschäftigt und ich denke gar nicht daran, einzugreifen. Das ewige "Sharing is Caring" hängt mir zum Halse raus und viel lieber möchte ich sehen, wie die Kinder allein klar kommen. Und tatsächlich rufen sie nicht greinend um meine Partei, sondern verfahren mit dieser Fuchs-du-hast-die-Gans-gestohlen Strategie munter weiter. Sollen sie doch selbst mal lernen, wie man sich behauptet. 

So beobachte ich weiter passiv das Geschehen, schaue Jack dabei zu, wie er schüchtern auf die Spielgruppen schaut, in die er sich noch nicht einzugliedern wagt, wie Faye und Sean ein Auto hin und her rollen lassen, wie Lia und Andreas zum ersten Mal ein Puppenspiel mit richtiger Handlung wagen und wie Garreth quietschvergnügt von einem zum anderen springt, mal hier und mal da mitspielt, dann wieder alles fallen lässt und etwas Neues ausprobiert.

Ein kleiner Kosmos ganz für sich.  

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