Was man in Dublin so machen kann, wenn man schon mal da ist. Ein Nachtrag für Mademoiselle Groth.
Wenn man mal eben durch Dublin reist und sich überlegt, was man denn auf der Durchreise fix machen könnte, dann gibt es hier ein paar Vorschläge für Menschen mit geringem Budget.
1. Museum
Viele Museen in Dublin sind kostenlos, so zum Beispiel die National Museen. Dazu gehören das Archäologie Museum und das, naja, Naturkundemuseum. Letzteres ist aber nur eine Zurschaustellung ausgestopfter Tiere und ein wenig gruselig als solche. Das Archäologie Museum in der Kildare Street 2 ist aber wirklich interessant und wenn man die Muße hat, sich mit den Texttafeln zu befassen, erfährt man so einiges über die Vorfahren der Iren.
2. Stadtführung
Sowohl um 11.00 Uhr als auch noch einmal um 13.00 Uhr Ortszeit beginnt an der City Hall die kostenlose Walking Tour von "Sandemans New Europe". Die geht zwar drei bis vier Stunden, aber man kann sich ja erstens jederzeit heimlich abseilen und zweitens ist die Tour wirklich empfehlenswert. Die Guides arbeiten auf Spendenbasis und legen sich dementsprechend ordentlich ins Zeug um am Ende ein wenig Geld zu bekommen. Ich wurde prächtig unterhalten und die fünf Euro, die ich dann gespendet habe, sind nichts im Vergleich zu den 16 €, die eine professionelle Tour verlangt.
3. Parks
Schön zentral liegt der Stephens Green Park. Wenn das Wetter schön ist und man sich ein wenig ausruhen möchte, kann man sich dort auf einer Parkbank niederlassen und den Schwänen auf dem See beim rumalbern zuschauen. Manchmal gibt es auch seltsame Veranstaltungen im Park, dann flöten fünf Indianer Pan oder die Araber tanzen was vor. Das ist auch...nett.
4. Essen
Hier muss ich von der Low Budget Schiene runter, denn für wenig Geld gibt es in Dublin leider kein gutes Essen, sondern nur Fritten. Wer aber mal den ungelogen besten Burger der Welt mampfen will, der steckt sich fünfzehn Euro in die Hosentasche und geht zu Jo' Burger in der Lower Rathmines Road. Nicht nur ist die Einrichtung dem Kopf eines Edelpunks entsprungen, auch legt ein DJ Musik auf, während man mit dieser Burgerperle konfrontiert wird. Man darf zwischen drei Sorten Fleisch wählen, dann den Zubereitungsstil bestimmen und findet dann noch so tolle Sachen wie selbstgemachte Limonaden, Curly Fries und Knoblauchmayo in der Karte, die übrigens in einem alten Comicbuch dargereicht wird. Diese Investition lohnt sich.
5. Einkaufen
Einkaufen kann man in Dublin gut, denn ständig beginnt irgendwo ein Schlussverkauf. Es gibt eine Menge Einkaufzentren, wie etwa das Stephens Green gleich neben dem Park. Über die Grafton Street sollte man auch mindestens einmal drüber gelaufen sein, nicht nur wegen Marks & Spencers und dem Disney Laden, auch wegen den Millionen von Kleinkünstlern, die auf der Straße ihre Talente beweisen: Lebende Statuen, Sandbildner, Seifenblasenmacher und natürlich die vielen, vielen Musiker, die auf Wunsch auch "Falling Slowly" nachspielen können.
Wer neben dem Mainstream einkaufen gehen möchte, geht in die Charity Shops. Der einschlägigste, aber auch teuerste, ist natürlich der Oxfam Laden, aber es gibt noch viele, viele mehr und ein geübtes Auge erkennt sie auch schnell. Diese Läden erhalten ihre Ware (Kleidung, Bücher, DVDs, Schallplatten und Schnickschnack) aus Spenden und verkaufen sie zu geringem Preis. Der Erlös kommt dann guten Zwecken zugute. Da hat also jeder was davon und nicht selten findet man in so einem Laden ein echtes Juwel.
Wer mehr Geld ausgeben möchte und dafür schönes Design wünscht, der sollte sich im Avoca in der Suffolk Street umschauen. Hübsche Mitbringsel, süße Bücher, Tassen, Kannen, Regenmäntel - es ist ein buntes Gemisch in schöner Aufmachung, welches hier feilgeboten wird. Dafür leider etwas teurer als die gleichfalls schönen Dinge aus dem Penneys, dafür von höherer Qualität.
6. Sehenswürdigkeiten
Wer unbedingt die typischen Attraktionen anschauen möchte, der schnappt sich einfach eine der kostenloses Stadtpläne, die in jeder Toursiteninfo herumliegen und arbeitet ab, was darauf zu sehen ist: City Hall, Dublin Castle, Post Office, etc.. Wenn man dazu noch etwas erfahren will, lädt man sich einen der Podcasts herunter und läuft mit diesem kostenlosen Audioguide durch die Straßen Dublins. Vorher sollte man allerdings den Weg genau auf der Karte anschauen, sonst muss man immer den Podcast anhalten und schauen, wo es überhaupt lang geht - das kann etwas frustrierend sein. Aber hey, it's for free!
Das ist nun alles, was mir für Kurzaufenthalte einfällt. Wer bis zum Abend und sogar über Nacht bleibt, der sollte im Abraham House in der Gardiner Street ein Bett im Schlafsaal buchen und nicht unweit davon in der Talbot Street im Celts einen Cider trinken, wo ab neun Uhr auch Musik gemacht wird.
Dienstag, 8. November 2011
Donnerstag, 29. September 2011
Eine Welt, eine Wolke
"Sarah, please, stop it!"
Wow. Ich habe mich getraut.
Sarah tut so, als hätte sie mich nicht gehört, aber anstatt dem kleinen Jack das Essen jetzt in den Mund zu zwingen, setzt sie sich auf Augenhöhe zu ihm und schafft es durch gutes Zureden und Scherze, ihn von Kartoffeln zu überzeugen. Weil sie dann doch kein Monster sein will. Ich gönne ihr den Erfolg, aber ich bin fertig mit dem Laden. Die spinnen doch alle.
Dublin wird sonnig, Dublin wird warm. Auf die letzten Tage noch und trotzdem huste ich wieder. Meine Mandeln sind etwas überstrapaziert. Egal. Es ist Donnerstag. Es ist Nachmittag. In meinem Rucksack ist ein Brief von Alice, ein Arbeitszeugnis. Ich bin frei.
Meine 54 Seiten dünne Zulassungsarbeit liegt seit gestern und Dank meinem Heimathelden auf dem Schreibtisch einer hoffentlich gnädigen Dozentin. Und morgen geht es heim. Ich. Bin. Frei.
Danke für's Mitlesen.
Danke für's Mitmachen.
Ihr seid die Besten.
Das war nun das.
Eine Welt, eine Wolke.
The END.
Wow. Ich habe mich getraut.
Sarah tut so, als hätte sie mich nicht gehört, aber anstatt dem kleinen Jack das Essen jetzt in den Mund zu zwingen, setzt sie sich auf Augenhöhe zu ihm und schafft es durch gutes Zureden und Scherze, ihn von Kartoffeln zu überzeugen. Weil sie dann doch kein Monster sein will. Ich gönne ihr den Erfolg, aber ich bin fertig mit dem Laden. Die spinnen doch alle.
Dublin wird sonnig, Dublin wird warm. Auf die letzten Tage noch und trotzdem huste ich wieder. Meine Mandeln sind etwas überstrapaziert. Egal. Es ist Donnerstag. Es ist Nachmittag. In meinem Rucksack ist ein Brief von Alice, ein Arbeitszeugnis. Ich bin frei.
Meine 54 Seiten dünne Zulassungsarbeit liegt seit gestern und Dank meinem Heimathelden auf dem Schreibtisch einer hoffentlich gnädigen Dozentin. Und morgen geht es heim. Ich. Bin. Frei.
Danke für's Mitlesen.
Danke für's Mitmachen.
Ihr seid die Besten.
Das war nun das.
Eine Welt, eine Wolke.
The END.
Sonntag, 25. September 2011
C'mon you boys in blue
Es ist die Melodie von "Ihr könnt nach hause fahrn", wenn man es denn eine Melodie nennen möchte. Mit ihr werden die "Jungs in blau" gefeiert, das Gaelic Football Team der Dubliner. Betrunken liegen sich die Fans sowohl der Dubs als auch des Teams Kerry in den Armen, die ganze Stadt riecht nach Alkohol und ich sehe zu, dass ich so schnell wie möglich das Hostel erreiche, denn schon beginnen die Spaßkämpfe auf der Grafton Street, lachend wälzen sich drei Leute auf dem Boden. Sogar der Himmel leuchtet verheißungsvoll über der Stadt der Sieger.
Aber bei aller Sympathie möchte ich doch lieber in Sicherheit sein, für den Fall, dass die Menschen aus Kerry doch noch merken, dass sie die Meisterschaft verloren haben.
Die folgende Woche entwickelt sich zur ödesten seit meiner Ankunft in Dublin. Jessica fliegt am Mittwoch in die Heimat und ich sitze gelangweilt im Kindergarten. Natürlich sind die Kinder immer noch eine helle Freude, aber die Unfähigkeit der lieben Betreuer bereitet mir mehr und mehr Kopfschmerzen. Nachdem Sarah es eine Woche lang geschafft hatte, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen, hat sie wohl beschlossen, sich diese Mühe nun wieder zu sparen. Als ich ihr einmal mitteile, dass unser deutsches Kind Phil heftige Schimpfwörter gebraucht hat und das doch bitte seiner Mutter mitzuteilen wäre, bekommt sie es nicht einmal hin, mir in die Augen zu schauen, als ich mit ihr rede. Mein Verständnis für derartige Allüren beginnt sich allmählich aufzulösen. Ich frage Aishling, warum eigentlich alle Angst vor Sarah haben, sie weiß es aber selbst nicht. Jeder wartet nur darauf, dass sie in den Schwangerschaftsurlaub geht.
Die Tage tröpfeln also so vor sich hin, draußen wird es langsam unerträglich kalt und nass, in meiner Mittagspause verkrieche ich mich im Shoppingcenter.
Am Freitag treffe ich mich mit Isaidi, die aus Spanien zurück ist und noch bis Ende September in Irland bleiben wird. Wir wollen die Culture Night besuchen, eine Nacht der Kultur, an der sich viele Museen, Kneipen und Veranstaltungsorte beteiligen. Wo man sonst horrenden Eintritt bezahlt, ist an diesem Abend alles kostenlos. Also besuchen wir zunächst die Ausstellung in der City Hall und schauen uns an, wie es früher in den Straßen Dublins aussah. Dann geht es zum Dublinia. Dort kann man sich auf drei Etagen anschauen, wie die Vikinger gehaust und gelebt haben, eine aufwendige und unterhaltsame Ausstellung, für die man sonst zwanzig Euro Eintritt bezahlen muss. In den Gängen überraschen uns immer wieder Schauspieler, die als Vikinger verkleidet Geschichtsunterricht geben.
In einem Medizinschränkchen eröffnen einem Schubladen die Heilmethoden des Mittelalters.
Und überhaupt darf alles angefasst, geöffnet und sogar angezogen werden. Wir schreiben unsere Namen in Furthark Runen, unterhalten uns mit den Darstellern und verkleiden uns. Kurzum, wir haben viel Spaß in der Vikingerhochburg.
Aber bei aller Sympathie möchte ich doch lieber in Sicherheit sein, für den Fall, dass die Menschen aus Kerry doch noch merken, dass sie die Meisterschaft verloren haben.
Die folgende Woche entwickelt sich zur ödesten seit meiner Ankunft in Dublin. Jessica fliegt am Mittwoch in die Heimat und ich sitze gelangweilt im Kindergarten. Natürlich sind die Kinder immer noch eine helle Freude, aber die Unfähigkeit der lieben Betreuer bereitet mir mehr und mehr Kopfschmerzen. Nachdem Sarah es eine Woche lang geschafft hatte, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen, hat sie wohl beschlossen, sich diese Mühe nun wieder zu sparen. Als ich ihr einmal mitteile, dass unser deutsches Kind Phil heftige Schimpfwörter gebraucht hat und das doch bitte seiner Mutter mitzuteilen wäre, bekommt sie es nicht einmal hin, mir in die Augen zu schauen, als ich mit ihr rede. Mein Verständnis für derartige Allüren beginnt sich allmählich aufzulösen. Ich frage Aishling, warum eigentlich alle Angst vor Sarah haben, sie weiß es aber selbst nicht. Jeder wartet nur darauf, dass sie in den Schwangerschaftsurlaub geht.
Die Tage tröpfeln also so vor sich hin, draußen wird es langsam unerträglich kalt und nass, in meiner Mittagspause verkrieche ich mich im Shoppingcenter.
Am Freitag treffe ich mich mit Isaidi, die aus Spanien zurück ist und noch bis Ende September in Irland bleiben wird. Wir wollen die Culture Night besuchen, eine Nacht der Kultur, an der sich viele Museen, Kneipen und Veranstaltungsorte beteiligen. Wo man sonst horrenden Eintritt bezahlt, ist an diesem Abend alles kostenlos. Also besuchen wir zunächst die Ausstellung in der City Hall und schauen uns an, wie es früher in den Straßen Dublins aussah. Dann geht es zum Dublinia. Dort kann man sich auf drei Etagen anschauen, wie die Vikinger gehaust und gelebt haben, eine aufwendige und unterhaltsame Ausstellung, für die man sonst zwanzig Euro Eintritt bezahlen muss. In den Gängen überraschen uns immer wieder Schauspieler, die als Vikinger verkleidet Geschichtsunterricht geben.
In einem Medizinschränkchen eröffnen einem Schubladen die Heilmethoden des Mittelalters.
Und überhaupt darf alles angefasst, geöffnet und sogar angezogen werden. Wir schreiben unsere Namen in Furthark Runen, unterhalten uns mit den Darstellern und verkleiden uns. Kurzum, wir haben viel Spaß in der Vikingerhochburg.
Aus dem Dublinia stolpern wir munter weiter durch die Straßen, sehen uns eine Fotoausstellung nur an, weil man dort auch Gratis Getränke serviert, entdecken den Hinterhof unserer Träume, wandeln durch Dublin Castle, wo wir der Königin selbst begegnen, bekommen einen Auszug aus Oscar Wildes "The Importance of Being Earnest" dargeboten und landen zum Abschluss bei einer Reihe von Musikgruppen, die Irish Folk und Jazz zum Besten geben.
Das alles ist wirklich schön, aber meine Begeisterung hält sich dennoch in Grenzen. Ich bin leider nicht in der besten Verfassung und warte nur noch sehnsüchtig darauf, heim fliegen zu können. Dublin ist wirklich eine tolle Stadt, aber nach zwei Monaten Hostel, Kindergarten und Zulassungsarbeit kommt mir meine Energie langsam abhanden. Deshalb zähle ich die Tage, bis ich wieder in der Heimat bin und korrigiere zwischenzeitlich kleine und grobe Schnitzer in der Zulassungsarbeit, die ich nun sehr bald abliefern muss.
Noch eine Woche, dann heißt es Mama, I'm coming home!
Dienstag, 20. September 2011
Westlich vom Mond, östlich der Sonne
Die letzte Milk & Cookies Geschichte - und nur dabei, weil es meine Lieblingsgeschichte ist.
Westlich vom Mond, östlich der Sonne
Eine junge Dame ist nun am Mikrofon, sie gehört zum Organisationsteam der Milk&Cookies Events und sie hat uns ein Märchen mitgebracht:
„Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten viele Kinder, darunter schöne Töchter und tüchtige Söhne, doch sie waren sehr arm. Jeden Tag fragten sie sich, wie sie den Tag überstehen sollten, denn sie hatten wenig Geld und kaum etwas zu essen. Eines schönen Tages klopfte es an der Tür, und als der Vater ging, um sie zu öffnen, da fand er einen Eisbär davor stehen. Und er dachte sich: „Was zur Hölle will jetzt der Eisbär von mir?“ Da begann der Eisbär zu sprechen und er sagte: „Ich bin verliebt in deine älteste Tochter und wenn du sie mir gibst, dann werde ich dich reich beschenken und du sollst nie wieder Geldsorgen haben.“ Das beeindruckte den Vater und so rief er nach seiner ältesten Tochter und fragte sie, ob sie den Eisbären zum Manne haben wolle. Sie antwortete ihm: „Nee, also bei aller Liebe nicht. Papa, ich hab dich ja echt gern und so, aber das ist n‘ Eisbär, ich bitte dich.“ Der Vater sprach daher zum Eisbären: „Komm in ein paar Tagen wieder, ich regel das schon.“
Der Eisbär ging und der Vater sprach mit seiner Tochter: „Kind, ich weiß ja, das ist jetzt nicht so der Bringer, aber denk doch mal an deine Familie und so schlimm ist es ja jetzt auch nicht und der ist ja auch reich, da hast du schöne Klamotten im Schrank und immer gutes Essen, denk doch mal nach...“ Schließlich lies sich die Tochter überreden und als der Eisbär wiederkehrte, da ging sie mit ihm von dannen. Auf seinem Rücken ritt sie viele Tage lang, bis sie zu einem Schloss kamen. Und es war, wie ihr der Vater gesagt hatte, sie hatte die schönsten Kleider und Schmuck und konnte essen, was immer sie wünschte. Der Eisbär hatte ihr eine Glocke gegeben und sobald sie damit läutete, erhielt sie alles, was sie sich wünschte. Der Eisbär selbst ließ sie tun, was auch immer sie wollte. Nur des Nachts, als sie schlief, da war es ihr im Traume, als ob ein Mann neben ihr liege. So verging nun die Zeit und bald wurde es ihr langweilig, da fragte sie der Eisbär eines Tages, ob es ihr wohl erginge und sie zufrieden war. Sie sagte: „Ja schon, ist alles toll, nur eine Sache: Ich hab meine Familie jetzt schon ewig und drei Tage nicht gesehen, können wir sie nicht einmal besuchen?“ Der Eisbär antwortete ihr: „Das können wir wohl tun, aber du musst mir eines Versprechen: Hör auf nichts, was dir deine Mutter rät. Das ist übrigens ein guter Tipp für alle von euch!“
Die Wissenden kichern.
Das Mädchen versprach es also und zusammen reisten sie zu ihrer Familie, der es mittlerweile gut erging und die sich sehr freute, die älteste Tochter wieder zu sehen. Sie feierten und aßen und tranken, doch als alle sich schlafen legten, da nahm die Mutter ihre Tochter beiseite und fragte: „Jetzt mal Butter bei de Fische – die Sache mit dem Eisbär, was ist da los?“ Und die Tochter antwortete: „Es ist alles bestens und der Eisbär behelligt mich nicht, nur manchmal in der Nacht, da ist mir so, als ob ein Mann neben mir läge.“ Daraufhin gibt ihr die Mutter eine Kerze in die Hand. „Nimm diese Kerze mit, mein Kind, und in der Nacht, entzünde sie und wirf einen Blick auf den, der da neben dir liegt.“ Die Tochter, welche die Warnungen des Bären vergessen hatte, nahm also jene Kerze an sich und verließ am nächsten Tage mit dem Eisbären ihre Familie, um zum Schloß zurückzukehren. Und als es Nacht wurde und sie spürte, das jemand neben ihr lag, da entzündete sie die Kerze und schaute, wer es wohl sei. Da sah sie neben sich den schönsten Prinzen liegen, den sie jemals gesehen hatte und augenblicklich war sie in ihn verliebt – wie das halt immer so ist.
Sie konnte sich nicht von ihm abwenden, sondern beugte sich über ihn um ihn zu küssen, als ein Tropfen des heißen Kerzenwachses herunter tropfte und den Prinzen weckte. Dieser war sehr erschrocken: „Verdammt, was hast du angerichtet? Hättest du bis zum Ende des Jahres gewartet, dann wäre der Bann gebrochen gewesen und wir hätten für immer zusammen leben können!“ Es stellte sich heraus, dass seine Mutter, eine furchtbare Frau, ihn verhext hatte. „Jetzt war alles umsonst und ich muss diese hässliche Oger Prinzessin heiraten!“ Das Mädchen war sehr erschrocken. „Wo wird man dich hinbringen?“, fragte sie. „In das Schloss westlich vom Mond und östlich der Sonne.“ „Aber ich liebe dich!“, rief das Mädchen, „Ich werde dir folgen!“ „Ja, das ist ja ganz nett gemeint“, antwortete ihr der Prinz, „aber westlich vom Mond, östlich der Sonne, da weiß doch keine Sau, wo das ist, wie willst du das finden?“
Als am nächsten Tag die Sonne aufging, da war der Prinz nicht mehr da. Aber das Mädchen wollte nicht aufgeben. Sie lief querfeldein durchs Land und fragte jeden, den sie traf, nach dem Schloss westlich des Mondes und östlich der Sonne. Eines Tages traf sie einen Raben der in einem Baum saß und als sie ihn nach dem Wege fragte, da sagte er: „Das weiß ich leider nicht, aber geh doch diesen Weg entlang, da triffst du einen anderen Raben, vielleicht kann er dir helfen. Nimm dieses goldene Armband mit, du kannst es wohl gebrauchen.“ Sie ging also und traf den zweiten Raben. Der riet ihr dasselbe: „Weiß nicht, aber geh da lang, da gibt’s noch einen Raben und nimm doch den goldenen Kamm, kannste bestimmt brauchen.“ Und sie ging und traf den dritten Raben: „Ja, nee, aber hier is’n goldener Apfel und überhaupt, frag doch den Ostwind, der war doch schon überall!“
Sie ging also und fand den Ostwind: „Hey, Kleine, wie gehts, alles klar? Westlich vom Mond, östlich der Sonne, hab ich noch nie gehört, aber ich bring dich zu meinem Bruder Westwind, der hat schon mehr gesehen als ich.“ Und der Ostwind trug sie zum Westwind hinüber, welcher ein wenig bereister und auch wilder war: „Waaaaaas geht? Westlich vom Mond, Östlich der Sonne? Keinen Plan, Kleine, aber komm, wir gehen zum Südwind.“ Sie reisten also weiter zum Südwind: „Hey, jo, howz it hanging, wo solls hingehen? Westlich vom Mond, östlich der Sonne, hab ich noch nie gehört, aber wenn das einer weiß, dann ist es der Nordwind!“ Und alle drei Brüder sahen sich an und nickten: „Der Nordwind, der alte Weltenbummler, der war schon überall, der weiß es sicher!“ Und tatsächlich, als sie den Nordwind erreichten, da sagte er: „Westlich vom Mond und östlich der Sonne? EINMAL war ich dort, da habe ich ein Blatt hinüber geweht und musste mich dann drei Tage lang ausruhen. Wenn’s unbedingt sein muß, bring ich dich da hin.“ Und weil es unbedingt sein mußte, reiste das Mädchen viele Tage auf dem Rücken des Nordwindes, bis sie schließlich ein großes Schloss erreichten. „Bitteschön“, keuchte der Nordwind erschöpft, „da ist es und jetzt lass mich bloß in Ruhe.“
Da war das Mädchen also, doch das Schloss war bewohnt von der furchtbaren Oger Prinzessin, die ein hässliches Ungetüm war. Sie hatte grüne,schleimige Beulen am ganzen Körper und eine Nase, die drei Armlängen maß und die sie um ihren rechten Arm gewickelt trug. Sie hielt den Prinzen, der sie heiraten sollte, in ihrem Schloss gefangen. Was also tun? Das Mädchen setzte sich in den Garten und begann, mit ihrem goldenen Armreif zu spielen. Da wurde die Prinzessin neidisch: „Gib mir diesen Armreif.“, verlangte sie. „Das werde ich nicht tun, doch ich biete dir einen Tausch an. Wenn du den Armreif bekommst, darf ich eine Nacht lang zu dem Prinzen, den du gefangen hältst.“ Die Prinzessin willigte ein, doch sie gab dem Prinzen einen Schlaftrunk, so dass alles Flehen und Rütteln des Mädchens nichts nutzte, er wachte nicht auf. Am nächsten Tag dasselbe Spiel, diesmal mit dem goldenen Kamm. Der Prinz bekommt einen Schlaftrunk, die Nacht ist verschenkt. Am nächsten Tag spielt das Mädchen mit dem Apfel und tauscht ihn wieder ein, doch diesmal ist der Prinz schlau und überlegt sich: Wie kann das sein, dass ich die letzten Nächte so unglaublich tief geschlafen habe? Das muss an dem Wein liegen, den die Schlampe mir immer gibt! Deshalb spuckt er den Trunk heimlich aus und ist wach, als das Mädchen zu ihm kommt. Große Freude!
„Aber was machen wir jetzt?“, fragt das Mädchen. „Ich weiß eine List“, sagt der Prinz. Er besitzt ein Hemd, welches nur, wenn es von einem Mädchen mit reinem Herzen gewaschen wird, auch sauber wird. Der Wahnsinn!
Am nächsten Morgen geht er also damit zur Prinzessin und sagt: „Hier, pass mal auf, die willst ja unbedingt heiraten. Hier ist der Deal: Ich heirate keine Frau, die meine Wäsche nicht sauber bekommt. Wenn du also dieses Hemd rein waschen kannst, is hier Hochzeit.“ Die Prinzessin denkt sich, ha, is ja’n Witz, das bekomm ich hin und beginnt, das Hemd in einem Zuber zu waschen. Doch wo sie es auch berührt, da wird das Hemd schwarz und schwärzer, bis es schließlich ganz und gar dunkelschwarz ist. Die Prinzessin schrubbt und schrubbt, aber es hilft alles nichts. Da lacht der Prinz und sagt: „Das gibt es ja nicht, du bist so unfähig! Ich wette, diese einfache Magd da drüben bekommt das ohne Probleme hin!“ Dabei deutet er auf das Mädchen im Garten. Man lässt sie also rufen und sie taucht das Hemd nur einmal ins Wasser, da wird es blitzeblank und strahlend weiß. „Schau, so muss das aussehen, die kann ich heiraten!“, sagt der Prinz und die abscheuliche Oger Prinzessin ist darüber so wütend, dass sie verpufft.
In Märchen geht so was.“
Wir spenden lachend Applaus, dankbar auch dafür, mal wieder an die wahren Aufgaben der Frau erinnert zu werden...
Sonntag, 18. September 2011
How to get to Miami on low budget
Zu dieser Geschichte fehlen mir leider einige Details, da der Sprecher einen Mörderdialekt hatte. Grob lässt sich das Ganze nacherzählen, mehr geht nicht. Wäre heute sowieso alles nicht mehr möglich...
How to get to Miami on low budget
Er ist schon etwas betagt, der Mann, der als Erster die Bühne betritt. Ein wenig untersetzt, klein, mit einer spiegelnden Halbglatze gesegnet, in seiner Bärtigkeit grau meliert. Ich verstehe nicht alles, was er sagt, aber was ich verstehe, ist beeindruckend:
"Well, you know, it was back in my days, when music was still about to change the world and it was all about love and peace that I have heard about the heart master. You probably know people that are head masters, people that control it all with their head and not the heart. That man I've heard about, he was a heart master. He was living in the United States and I was living here, up in the country of North Ireland and I heard about his ways and it amazed me. You know, back then I was miserable, I didn't have any money or a job and I was madly in love with a woman I couldn't have. She was married, it was a terrible marriage and she had about five kids. When she finally got divorced, she said, she wasn't ready for a new relationship and there I was, heartbroken and messed up and I heard about this heart master's philosophy. And one of my friends told me, that this heartmaster would be in Miami the next week, giving lessons and presentations and everything. And I said, yeah, so, I have no money. My friend said, yeah, so, so you got no money! Well, and then I thought, I mean, I was very young and naive, yeah? I thought, maybe someone can give me a lift."
Das Publikum kichert.
"So I went to the airport in Dublin, but there weren't any planes going to Miami that day, so I started thinking and I realized that there were at the moment cheap flights to Shannon, about 15 bugs or something, so I went to Shannon and they had flights going to the States. Now I did try a lot to get on the plane, folks, please don't ever try this, today you'd end up in a very bad place. I tried to just walk through the gates, but they held me back. Then I told them that I'd like to talk to the pilot, and they did let me talk to the pilot. I did ask him if he could give me a lift, but he said, no man, that's more than my job is worth, I'm sorry. What was I to do, I wanted to go to Miami. People started talking about me already. So there was one guy, he said, I'll see what I can do for you, and he walked around with me and opened some doors and suddenly, I was in the Duty Free area.
Augen und Münder stehen uns speerangelweit offen. [Anm. Wie genau der Mann in die Duty Free area gekommen ist, habe ich nicht verstanden]
"Still, how could I get on the plane? I still needed a boarding ticket. So I asked everyone, I asked the Stewardess if she could arrange for me to get on the jump seat and she went and had a look on one plane and came back and said, I'm sorry sir, but in this plane, there are only old people, you'd stick out, they'd question me about this, I can not do this. And I went on trying to get on a plane, but it got late, and I needed a place to sleep, so that one guy told me, he knew a place for me to sleep and took me out of the Duty Free area."
Bedauerndes Seufzen.
"So on the next day I was waiting for that guy, I was waiting by the elevators, then he came and he wouldn't look at me, he just passed by and I followed him, then he turned slightly and whispered, man, I can not even look at you, down there there's the rumor that I'll get you to Miami, people are looking at me with a strange look. But I managed to get back into the Duty Free area [Anm. Keine Ahnung wie, wirklich nicht] and I still needed a boarding ticket, so I thought, why not just use my boarding ticket for Shannon? You know, so I took my pen and changed the flight number and went to board and told them, yeah, they made a mistake when printing the ticket and had to correct it, and I filled in the imigration form for the states - and they let me pass! They let me pass, isn't that amazing?"
Wir schauen ihn mittlerweile an wie das achte Weltwunder.
"So I got on the plane and I went to the toilet and locked myself in, I thought I could hide there til the plane started, but they came for me. They had been counting passengers at the entrance and they were now counting again and figured, there was something wrong with the numbers, so they went and looked for me and I got out and they asked me where my seat was. Now luckily, the other passengers had found their seats already and I could spot a free seat and said, that's mine. So the Stewardess said, then please sit down sir, and that was it!"
Das achte Weltwunder, das erste Auto, Superman persönlich, wir schauen uns gegenseitig an um uns zu vergewissern, dass wir alle die selbe unglaubliche Geschichte anhören.
"Now the plane started, I really couldn't believe it. Nowadays you'd get arrested for even trying what I did then. So that plane was going to New York but had to stop in Philadelphia also, so I asked the others if it's better to go to New York or to Philadeplphia to go on to Miami and they said, better go from Philadelphia, because New York Airport was to big, to many terminals, it would take longer to get to the gate and everything. And then I remembered something and I took out my adress book, because I realized that my elder sister, who was living in the states, had moved to Philadelphia. So I got out in Philadelphia, but then security suddenly took me out. And I was worried because of my boarding pass and thought, damn, they've got me! But it turned out I had filled out the imigration form wrong, so they corrected it and let me go. Then I went to my sister and borrowed some money to get to Miami and then I was there. And when that heart master heard what I've done to get there, he was simply amazed. I stayed in the States for three more months before I got back and...you see, that story is for those who give up too easily and think they can't do anything. When you really want something, you can do a lot about it. Yeah. Just don't try that plane thing anymore, seriously, that's impossible to do now. Thank you."
Sprach.Los.
How to get to Miami on low budget
Er ist schon etwas betagt, der Mann, der als Erster die Bühne betritt. Ein wenig untersetzt, klein, mit einer spiegelnden Halbglatze gesegnet, in seiner Bärtigkeit grau meliert. Ich verstehe nicht alles, was er sagt, aber was ich verstehe, ist beeindruckend:
"Well, you know, it was back in my days, when music was still about to change the world and it was all about love and peace that I have heard about the heart master. You probably know people that are head masters, people that control it all with their head and not the heart. That man I've heard about, he was a heart master. He was living in the United States and I was living here, up in the country of North Ireland and I heard about his ways and it amazed me. You know, back then I was miserable, I didn't have any money or a job and I was madly in love with a woman I couldn't have. She was married, it was a terrible marriage and she had about five kids. When she finally got divorced, she said, she wasn't ready for a new relationship and there I was, heartbroken and messed up and I heard about this heart master's philosophy. And one of my friends told me, that this heartmaster would be in Miami the next week, giving lessons and presentations and everything. And I said, yeah, so, I have no money. My friend said, yeah, so, so you got no money! Well, and then I thought, I mean, I was very young and naive, yeah? I thought, maybe someone can give me a lift."
Das Publikum kichert.
"So I went to the airport in Dublin, but there weren't any planes going to Miami that day, so I started thinking and I realized that there were at the moment cheap flights to Shannon, about 15 bugs or something, so I went to Shannon and they had flights going to the States. Now I did try a lot to get on the plane, folks, please don't ever try this, today you'd end up in a very bad place. I tried to just walk through the gates, but they held me back. Then I told them that I'd like to talk to the pilot, and they did let me talk to the pilot. I did ask him if he could give me a lift, but he said, no man, that's more than my job is worth, I'm sorry. What was I to do, I wanted to go to Miami. People started talking about me already. So there was one guy, he said, I'll see what I can do for you, and he walked around with me and opened some doors and suddenly, I was in the Duty Free area.
Augen und Münder stehen uns speerangelweit offen. [Anm. Wie genau der Mann in die Duty Free area gekommen ist, habe ich nicht verstanden]
"Still, how could I get on the plane? I still needed a boarding ticket. So I asked everyone, I asked the Stewardess if she could arrange for me to get on the jump seat and she went and had a look on one plane and came back and said, I'm sorry sir, but in this plane, there are only old people, you'd stick out, they'd question me about this, I can not do this. And I went on trying to get on a plane, but it got late, and I needed a place to sleep, so that one guy told me, he knew a place for me to sleep and took me out of the Duty Free area."
Bedauerndes Seufzen.
"So on the next day I was waiting for that guy, I was waiting by the elevators, then he came and he wouldn't look at me, he just passed by and I followed him, then he turned slightly and whispered, man, I can not even look at you, down there there's the rumor that I'll get you to Miami, people are looking at me with a strange look. But I managed to get back into the Duty Free area [Anm. Keine Ahnung wie, wirklich nicht] and I still needed a boarding ticket, so I thought, why not just use my boarding ticket for Shannon? You know, so I took my pen and changed the flight number and went to board and told them, yeah, they made a mistake when printing the ticket and had to correct it, and I filled in the imigration form for the states - and they let me pass! They let me pass, isn't that amazing?"
Wir schauen ihn mittlerweile an wie das achte Weltwunder.
"So I got on the plane and I went to the toilet and locked myself in, I thought I could hide there til the plane started, but they came for me. They had been counting passengers at the entrance and they were now counting again and figured, there was something wrong with the numbers, so they went and looked for me and I got out and they asked me where my seat was. Now luckily, the other passengers had found their seats already and I could spot a free seat and said, that's mine. So the Stewardess said, then please sit down sir, and that was it!"
Das achte Weltwunder, das erste Auto, Superman persönlich, wir schauen uns gegenseitig an um uns zu vergewissern, dass wir alle die selbe unglaubliche Geschichte anhören.
"Now the plane started, I really couldn't believe it. Nowadays you'd get arrested for even trying what I did then. So that plane was going to New York but had to stop in Philadelphia also, so I asked the others if it's better to go to New York or to Philadeplphia to go on to Miami and they said, better go from Philadelphia, because New York Airport was to big, to many terminals, it would take longer to get to the gate and everything. And then I remembered something and I took out my adress book, because I realized that my elder sister, who was living in the states, had moved to Philadelphia. So I got out in Philadelphia, but then security suddenly took me out. And I was worried because of my boarding pass and thought, damn, they've got me! But it turned out I had filled out the imigration form wrong, so they corrected it and let me go. Then I went to my sister and borrowed some money to get to Miami and then I was there. And when that heart master heard what I've done to get there, he was simply amazed. I stayed in the States for three more months before I got back and...you see, that story is for those who give up too easily and think they can't do anything. When you really want something, you can do a lot about it. Yeah. Just don't try that plane thing anymore, seriously, that's impossible to do now. Thank you."
Sprach.Los.
Freitag, 16. September 2011
Tante Joan soll sterben
Und hier kommt die zweite Wunschgeschichte.
Tante Joan soll sterben
Tante Joan soll sterben
Sie wird sehr herzlich angekündigt, denn sie war wohl schon
oft zugegen, eine Profi Geschichtenerzählerin sozusagen. Unter großem Applaus
betritt eine Dame mit kastanienbraunem, kurzen Haar die Bühne und hat eines
dieser Gesichter, dazu eine dieser Stimmen, die Menschen sofort sympathisch
machen. Aus ihrer Kindheit erzählt sie uns etwas: Die Geschichte von Tante
Joan:
„Es war an meinem Geburtstag. Meine Mutter machte gerade
meine Geburtstagstorte fertig, für die Feier am Nachmittag und als ich in die
Küche kam, um zu schauen, wie sie vorankam, da sah ich, dass sie einen rosa
Zuckerguss auf die Torte machte. Rosa! Ich war so glücklich! Meine Mutter
glaubte nicht wirklich an rosa für Mädchen, aber das sie mir gestattete, rosa
Zuckerguss auf meine Geburtstagstorte zu bekommen, das war für mich das
Höchste. In diesem Moment läutete es an der Tür und Mutter schickte mich, um zu
öffnen. Ich öffnete also die Tür, und da stand meine Tante Joan. Ich hatte sie
erst einmal gesehen, für vielleicht fünf Minuten. Die Sache ist die, ich hatte
eine Menge Onkel und Tanten, zwölf väterlicherseits und sicher genauso viele
mütterlicherseits. Diese Tante Joan war die Frau des ältesten Bruders meiner
Mutter. Da stand sie also. Sie war schon sehr, sehr alt und ihr Mann war
bereits gestorben, sie hatte außerdem Arthritis und konnte ihre Finger kaum
bewegen. Da stand sie und sagte: „Ich muss mit deiner Mutter sprechen.“ „Mutter
ist in der Küche!“, antwortete ich und so begab sich Tante Joan in die Küche.
Dort begann sie mit meiner Mutter zu flüstern und zu flüstern, ich versuchte
angestrengt, vor der Tür zu lauschen, aber sie waren zu leise. Ich ging also in
den Garten um zu spielen und nach einer Weile kam ich zurück, um zu sehen, ob
sich etwas getan hatte. Meine Mutter war gerade dabei, etwas auf den Kuchen zu
schreiben und Tante Joan stand hinter ihr und sagte ihr ins Ohr:
„Haaaaaa…..peeeeee….peeeeee…..ypsiloooooon…. Beeeeeee….“, da wurde meine Mutter
wütend: „Verdammt nochmal, Joan, ich weiß, wie man Happy Birthday schreibt!“
Ich verschwand also lieber wieder.
Am Nachmittag war also meine Feier und alles
war schön, die rosa Geburtstagstorte schmeckte wunderbar und alles war vorbei,
als mein Vater von der Arbeit heimkam. Zu dritt begannen die Erwachsenen nun wieder
das Flüstern und irgendwann kam meine Mutter nun zu mir und sagte mit einem
breiten Lächeln: „Tante Joan wird jetzt bei uns wohnen!“ Ich erkannte an der
Art ihres Lächelns, dass das keineswegs ein Grund zur Freude war. Die Sache war
also die, Joan hatte nach dem Tod ihres Mannes eine Weile bei ihrem Bruder
gewohnt, doch der hatte sie nun herausgeworfen. Eine traurige Geschichte,
dachte ich, bis ich merkte, warum er sie hinausgeworfen hatte. Lasst es mich so
sagen: Tante Joan war keine besonders angenehme Person. Sie kam , und sie wurde
nie müde, das zu betonen, aus einer guten Familie aus Cork und da konnten wir
einfach nicht mithalten.
Wir waren einfach nicht gut genug, egal, was wir
taten, es war verkehrt. Irgendwann stellte sie fest, dass meine Eltern keine
Ahnung von guter Erziehung hätten und nahm mich beiseite, um mir Manieren
beizubringen. Wie ihr euch vorstellen könnt, war ich sehr glücklich darüber.
Drei Probleme hatte ich, so sagte sie mir. Mein erstes Problem, und es gab
nichts, dass ich hätte dagegen tun können, war, dass ich zu kräftig. Nicht zu
dick, nein, dagegen hätte man etwas unternehmen können. Ich hätte hungern
können. Aber nein, mein Problem waren meine Knochen, die waren zu dick. Frauen,
so erklärte mir Tante Joan, müsste Vogelknöchelchen haben. So wie sie und all
ihre Schwestern und Tanten, sie alle waren zarte Vogelweibchen.
Mein zweites
Problem war mein Haar, denn es war glatt und, so meinte Joan, glattes Haar ist
ein Zeichen von Gewöhnlichkeit. Lockiges Haar war nicht viel besser, aber sie
und alle ihre Schwestern und Tanten hatten leicht gewelltes Haar und das zeige
Noblesse. Zu dieser Zeit gab es eine Läuseepidemie in der Schule, es war
wirklich schlimm. Wenn man Läuse hatte, wurden einem alle Haare abgeschnitten
und eine rote, stinkende Tinktur wurde einem auf den kahlen Kopf gegeben.
Allerdings ging das Gerücht, dass einem danach die Haare in Locken wuchsen. Ich
war also sehr bemüht, da ja mein glattes Haar so furchtbar gewöhnlich war, mir
Läuse einzufangen. Als die Nachbarskinder Läuse bekamen, stand ich stundenlang
unter ihrem Fenster und rief: „Schüttelt euer Haar, schüttelt es!“ Und sie
schüttelten es, doch es war vergeblich und meine Haare sind bis heute noch
glatt, wie ihr sehen könnt.
Mein drittes Problem war, dass ich einen zu großen Mund hatte. Frauen aus gutem Hause
hatten schmale, kleine Münder. Mit großen Stolz erzählte sie, dass der Zahnarzt
ihr die Wange aufschlitzen musste, um ihre Backenzähne zu behandeln, weil er
durch den kleinen Mund nicht mit seinen Instrumenten hindurch kam. Das sie
keine Narbe hatte, hielt sie nicht davon ab, mir diese Geschichte aufzutischen.
Das waren also meine drei Probleme, erzählte mir Tante Joan, und es wird euch
jetzt sicherlich ganz furchtbar überraschen, dass ich diese Frau hasste. Ich
hasste sie mit einer solchen Inbrunst, mit einer solchen Leidenschaft! Jeden
Abend betete ich dafür, dass sie stirbt. Aber sie starb nicht, sondern sie kam
in ein Krankenhaus.
Ihr gesundheitlicher Zustand hatte sich sehr
verschlechtert, also musste sie stationär behandelt werden. An dem Tag an dem
sie eingeliefert wurde, war die ganze Familie glückselig. Es war eine solche
Erleichterung zu spüren! Natürlich musste ich sie immer noch einmal die Woche
besuchen und musste mir anhören, wie schlimm alles war. Die Krankenschwestern
waren böse Bestien und die Medikamente waren die Falschen, die Ärzte waren
inkompetent und ich war ein ganz, ganz furchtbares Mädchen und das Brownbread,
der Kuchen, alles, was ich mitbrachte, war nicht gut. Sie bestand darauf, dass
ich die komplette Besuchszeit bei ihr absaß, um mir zu erzählen, wie schlecht
ich war. Eines Tages kaufte sie
Lotterielose. Das war an sich nichts besonders, denn sie kaufte immer Lose. Sie
wollte gerne nach Lourdes reisen, dass war ihr Traum. Aber diesmal hatte sie
nicht nur ein paar Lose gekauft, sie hatte zehn Stapel Lose gekauft. Und sie
erzählte mir: „Weißt du, als ich gestern den Rosenkranz betete, da kam mir der
Gedanke, und ich glaube, es war die die heilige Mutter Maria, die zu mir
sprach. Ich sage dir, ich werde gewinnen, ich werde nach Lourdes gehen, ich
werde geheilt werden und dann werde ich zurück kommen und bei euch leben.“ Mir
wurde furchtbar übel bei diesem Gedanken. Den ganzen Heimweg betete ich – nicht
zur Mutter Maria, denn die hatte offensichtlich schon an der Seite meiner Tante
Stellung bezogen, nein, ich musste mit der Obrigkeit sprechen. Ich ging auf dem
Heimweg in die Kirche und betete und betete: „Lass sie nicht gewinnen! Lass sie
nicht gewinnen!“
Aber sie gewann. Sie gewann und sie reiste nach Lourdes. Und
doch kam es alles etwas anders, als sie gedacht hatte. Sie wurde nicht geheilt
und nach ihrer Reise kam sie ins Krankenhaus zurück. Stattdessen war aber etwas
anderes geschehen: Tante Joan war wie ausgewechselt. Die Krankenschwestern
waren jetzt Engel und die Ärzte so gut und geduldig und ich, ich war jetzt so
ein schlaues Mädchen! „Das!“, flüsterten meine Eltern ehrfurchtsvoll, „Das ist
das wahre Wunder!“
Tante Joan wurde also nicht gesund und bald starb sie unter
großen Schmerzen, was auch in Ordnung war. Als ich aber nun vor einiger Zeit
überlegte, ob ich die Geschichte aufzuschreiben, da versuchte ich einmal, mich
in sie hineinzufühlen. Ihr wisst sicher, dass man als Autor gerne versucht, in
die Haut eines Charakters zu schlüpfen und das versuchte ich nun. Ich hielt es
nicht aus. Stellt euch das einmal vor, hochbetagt, verwitwet, ohne jegliches
Vermögen bei der Schwägerin, die einen nicht einmal ausstehen kann, leben zu
müssen, weil man von der eigenen Familie verstoßen wurde. Und dann immerzu
diese Schmerzen, keinen Finger bewegen zu können! Ich hab die Geschichte nicht
aufgeschrieben. Aber darüber nachzudenken, hat mir etwas gebracht. Ich hasse
Tante Joan nicht mehr."
Ein Moralseufzen geht durch das Publikum, bevor es tosenden Applaus für die Dame mit den drei Problemen gibt.
Donnerstag, 15. September 2011
Geister, Hornissen und Löcher in den Wänden
In der Reihenfolge, in der sie gewünscht wurden, kommt nun jeden Tag eine der Geschichten zu euch ( Wer noch nicht gevotet hat, darf das noch nachholen...) Wir starten mit:
Geister, Hornissen und Löcher in den Wänden
Ein junges Fräulein betritt die Bühne der Milk & Cookie Szenerie. Ihre Haare sind braun und gerade so lang, dass sie ihren Hals berühren, ein wenig nach Bob sieht das schon fast aus. Sie ist nervös, nein, das ist es nicht. Aufgedreht, ein wenig fahrig. Beim Sprechen überschlägt sich ihre Stimme leicht. Sie erzählt:
"Also, meine Geschichte...das ist nicht wirklich eine Geschichte, aber das Thema heute ist ja Reisen, da passt das ganz gut... ich hab drei Wochen nicht geschlafen, oder so gut wie gar nicht, ich bin also ziemlich fertig mit den Nerven. Warum habe ich nicht geschlafen? Ich war in Frankreich, ähm... weiß jemand von euch, was Wwoofing ist? Das ist so eine Freiwilligengeschichte. Na, jedenfalls, die Unterkünfte in die man da kommt, also, die sind teilweise ganz schön beschissen. Ist leider wahr. Eines der Zimmer...", sie hält ihre Hand auf Hüfthöhe, "...das war gerade mal so hoch. Und von der Decke hing so ein Netz über den Betten, und an einer Seite des Zimmers war ein Hornissen-Nest. Ohne Scheiß. Nachts dachten wir einmal, hey, das klingt nach Regen, waren dann aber doch die Hornissen, die gegen die Wand flogen und auf dem Netz herumkrabbelten. Außerdem waren die Betten...", sie hält ihre Handflächen zueinander gerichtet auf einen Zentimeter Abstand, "...ungefähr so weit voneinander entfernt, ich hab also quasi mit einer mir fremden Person in einem Bett geschlafen, das war auch mal spannend. Und dann war da ein großes Loch in der Wand, mit einer Decke drüber, und ich frag mich so, was ist hinter dem Loch, was ist da? Und dann erzählt mir jemand, ja, da nebenan wohnt der Besitzer. Ach? Na, jedenfalls konnte wir dann hören, was da so los war, wie er mit seiner Frau intim wurde und so, ich glaub, das war nicht so besonders toll..."
Das Publikum lacht schallend, auch die Erzählerin muss lachen, sie fährt sich durch die Haare.
"Ja, also, da habe ich schon mal eher wenig geschlafen, dann kamen wir das nächste Mal in so eine alte Burg, in der man Zimmer vermietete und ich bin so blöd und frag erst mal, hey, gibt's hier Geister? Ich hoffe mal, die Antwort ist nein, du Idiot! Aber die so: Oh, ja, viele Geister! Klasse. Ich muss sagen, ich hab Angst vor so was, ich weiß, das ist dumm. Ich hab dann in so einem Turmzimmer geschlafen, und so die ersten zwei Stunden schlaf ich auch, dann bin ich aber aufgewacht und hab mir gedacht, hoffentlich kommen jetzt keine Geister! Und dann geht das los, ich hör so Schritte und dann auch so ein Kratzen an der Wand, ich hab kein Auge zugetan. Es stellte sich dann heraus, dass die Schritte...also, ich hab ja schon gesagt, die Unterkünfte sind ziemlich beschissen...also, das waren Ratten, die sind da lang gekrabbelt, und ich, ich muss zugeben, ich bin etwas schlampig, ich hatte meine Klamotten und alles einfach so auf den Boden geworfen, da sind die Ratten durch gekrabbelt, das war nett...Und das Kratzen an der Wand, also... das waren die Wände selbst, die da irgendwie aus dem Leim gegangen sind, war ja eine Burg, da kamen immer mal so kleine Bröckel herunter. In einer anderen Nacht, ich muss zugeben, ich war ziemlich betrunken...wir waren mit den Franzosen was trinken. Sind hier Franzosen? Ihr da vorne habt doch französisch gesprochen?"
Ein paar Franzosen geben sich zu erkennen.
"Also, wir hier in Irland sind irgendwie immer der Meinung, Franzosen betrinken sich nicht. Ich hab immer gedacht, ihr trinkt mal was zum Essen oder so, so ein gesellschaftliches Trinken. Is aber Blödsinn, hab ich gemerkt. Zumindest die Franzosen, mit denen ich da unterwegs war, also, die haben sich schon ordentlich betrunken. Jedenfalls hatte die Besitzerin der Burg so gemeint, ja, jede Nacht um drei Uhr hört man ein Schlagen gegen das Tor. Dreimal schlägt das dann, danach hört man auch Stimmen, das sind die Geister. Mmh. Ich wach also nachts auf und hab keine Ahnung, wie spät das ist, ich will auch nicht auf die Uhr schauen, weil, also, um euch mal zu zeigen, wie ängstlich ich bin, also, ich hatte Angst, dass ich im Licht meines Handys einen Geist sehe. So bekloppt bin ich. Ich schau also nicht auf die Uhr, da schlägt das plötzlich gegen das Tor draußen, viele Male, und ich höre Stimmen und denke, nein! Geister! Mit mir im Raum hat eine geschlafen, die war aus Neuseeland, ich hab überlegt, ob ich die wecke. Ich selbst wär ja komplett nutzlos, also, wenn mich einer weckt und sagt, Geister! Ich wär keinen Penny wert, is klar. Aber das Mädchen, da hätte es Sinn gemacht, die war nämlich Exorzistin. In ihrer Freizeit, so."
Der Saal feiert.
"Die war auch schon mal da, in der Burg, weil, jetzt kommts, in dem Turm neben unserem spukt nämlich der Geist einer Frau. Die sollte mal den Burgherren heiraten, dann ging der aber in den Krieg und man hat sie in der Burg eingesperrt, was weiß ich warum, damit sie nicht in die Stadt geht und sich mit der Pest ansteckt oder irgendwie so was. Der Mann ist im Krieg gestorben und die Frau hat man eingesperrt gelassen. Die hat sich dann, ... na, also, die hat sich dann quasi umgebracht da drin und spukt jetzt da. Und meine Zimmernachbarin war schon mal hier, um die zu exorzieren, aber sie war offensichtlich nicht so erfolgreich, weil der Geist immer noch da ist. Hat dann auch die Besitzerin erzählt, dass schon viele Besucher die mal gesehen haben. Wahnsinn. Na, wie dem auch sein, es schlägt da ans Tor und ich bin total verstört, un die Stimmen sind so laut und ich denk mir: Man! Diese Geister machen aber echt einen drauf! Ich schlaf also wieder nicht und am nächsten Morgen erzählen mir dann die Leute, ja, das waren nur Gäste, die waren ausgesperrt und wollten rein. Fanden alle lustig, außer mir, ich denk natürlich an Geister und hab Schiss. Du bist so'n Idiot! Sagen die anderen zu mir. Ja, also, warum erzähl ich das? Ich wollte nur los werden: Das Wwoofing hat mir total Spaß gemacht. Und diese ganzen Geschichten, das mit der beschissenen Unterkunft und den Geistern und Hornissen und Löchern in den Wänden und das ich nicht schlafen konnte - das ist alles scheißegal, wenn man eine gute Zeit hat, und die hatte ich. Dankeschön."
Es hagelt Applaus.
Geister, Hornissen und Löcher in den Wänden
Ein junges Fräulein betritt die Bühne der Milk & Cookie Szenerie. Ihre Haare sind braun und gerade so lang, dass sie ihren Hals berühren, ein wenig nach Bob sieht das schon fast aus. Sie ist nervös, nein, das ist es nicht. Aufgedreht, ein wenig fahrig. Beim Sprechen überschlägt sich ihre Stimme leicht. Sie erzählt:
"Also, meine Geschichte...das ist nicht wirklich eine Geschichte, aber das Thema heute ist ja Reisen, da passt das ganz gut... ich hab drei Wochen nicht geschlafen, oder so gut wie gar nicht, ich bin also ziemlich fertig mit den Nerven. Warum habe ich nicht geschlafen? Ich war in Frankreich, ähm... weiß jemand von euch, was Wwoofing ist? Das ist so eine Freiwilligengeschichte. Na, jedenfalls, die Unterkünfte in die man da kommt, also, die sind teilweise ganz schön beschissen. Ist leider wahr. Eines der Zimmer...", sie hält ihre Hand auf Hüfthöhe, "...das war gerade mal so hoch. Und von der Decke hing so ein Netz über den Betten, und an einer Seite des Zimmers war ein Hornissen-Nest. Ohne Scheiß. Nachts dachten wir einmal, hey, das klingt nach Regen, waren dann aber doch die Hornissen, die gegen die Wand flogen und auf dem Netz herumkrabbelten. Außerdem waren die Betten...", sie hält ihre Handflächen zueinander gerichtet auf einen Zentimeter Abstand, "...ungefähr so weit voneinander entfernt, ich hab also quasi mit einer mir fremden Person in einem Bett geschlafen, das war auch mal spannend. Und dann war da ein großes Loch in der Wand, mit einer Decke drüber, und ich frag mich so, was ist hinter dem Loch, was ist da? Und dann erzählt mir jemand, ja, da nebenan wohnt der Besitzer. Ach? Na, jedenfalls konnte wir dann hören, was da so los war, wie er mit seiner Frau intim wurde und so, ich glaub, das war nicht so besonders toll..."
Das Publikum lacht schallend, auch die Erzählerin muss lachen, sie fährt sich durch die Haare.
"Ja, also, da habe ich schon mal eher wenig geschlafen, dann kamen wir das nächste Mal in so eine alte Burg, in der man Zimmer vermietete und ich bin so blöd und frag erst mal, hey, gibt's hier Geister? Ich hoffe mal, die Antwort ist nein, du Idiot! Aber die so: Oh, ja, viele Geister! Klasse. Ich muss sagen, ich hab Angst vor so was, ich weiß, das ist dumm. Ich hab dann in so einem Turmzimmer geschlafen, und so die ersten zwei Stunden schlaf ich auch, dann bin ich aber aufgewacht und hab mir gedacht, hoffentlich kommen jetzt keine Geister! Und dann geht das los, ich hör so Schritte und dann auch so ein Kratzen an der Wand, ich hab kein Auge zugetan. Es stellte sich dann heraus, dass die Schritte...also, ich hab ja schon gesagt, die Unterkünfte sind ziemlich beschissen...also, das waren Ratten, die sind da lang gekrabbelt, und ich, ich muss zugeben, ich bin etwas schlampig, ich hatte meine Klamotten und alles einfach so auf den Boden geworfen, da sind die Ratten durch gekrabbelt, das war nett...Und das Kratzen an der Wand, also... das waren die Wände selbst, die da irgendwie aus dem Leim gegangen sind, war ja eine Burg, da kamen immer mal so kleine Bröckel herunter. In einer anderen Nacht, ich muss zugeben, ich war ziemlich betrunken...wir waren mit den Franzosen was trinken. Sind hier Franzosen? Ihr da vorne habt doch französisch gesprochen?"
Ein paar Franzosen geben sich zu erkennen.
"Also, wir hier in Irland sind irgendwie immer der Meinung, Franzosen betrinken sich nicht. Ich hab immer gedacht, ihr trinkt mal was zum Essen oder so, so ein gesellschaftliches Trinken. Is aber Blödsinn, hab ich gemerkt. Zumindest die Franzosen, mit denen ich da unterwegs war, also, die haben sich schon ordentlich betrunken. Jedenfalls hatte die Besitzerin der Burg so gemeint, ja, jede Nacht um drei Uhr hört man ein Schlagen gegen das Tor. Dreimal schlägt das dann, danach hört man auch Stimmen, das sind die Geister. Mmh. Ich wach also nachts auf und hab keine Ahnung, wie spät das ist, ich will auch nicht auf die Uhr schauen, weil, also, um euch mal zu zeigen, wie ängstlich ich bin, also, ich hatte Angst, dass ich im Licht meines Handys einen Geist sehe. So bekloppt bin ich. Ich schau also nicht auf die Uhr, da schlägt das plötzlich gegen das Tor draußen, viele Male, und ich höre Stimmen und denke, nein! Geister! Mit mir im Raum hat eine geschlafen, die war aus Neuseeland, ich hab überlegt, ob ich die wecke. Ich selbst wär ja komplett nutzlos, also, wenn mich einer weckt und sagt, Geister! Ich wär keinen Penny wert, is klar. Aber das Mädchen, da hätte es Sinn gemacht, die war nämlich Exorzistin. In ihrer Freizeit, so."
Der Saal feiert.
"Die war auch schon mal da, in der Burg, weil, jetzt kommts, in dem Turm neben unserem spukt nämlich der Geist einer Frau. Die sollte mal den Burgherren heiraten, dann ging der aber in den Krieg und man hat sie in der Burg eingesperrt, was weiß ich warum, damit sie nicht in die Stadt geht und sich mit der Pest ansteckt oder irgendwie so was. Der Mann ist im Krieg gestorben und die Frau hat man eingesperrt gelassen. Die hat sich dann, ... na, also, die hat sich dann quasi umgebracht da drin und spukt jetzt da. Und meine Zimmernachbarin war schon mal hier, um die zu exorzieren, aber sie war offensichtlich nicht so erfolgreich, weil der Geist immer noch da ist. Hat dann auch die Besitzerin erzählt, dass schon viele Besucher die mal gesehen haben. Wahnsinn. Na, wie dem auch sein, es schlägt da ans Tor und ich bin total verstört, un die Stimmen sind so laut und ich denk mir: Man! Diese Geister machen aber echt einen drauf! Ich schlaf also wieder nicht und am nächsten Morgen erzählen mir dann die Leute, ja, das waren nur Gäste, die waren ausgesperrt und wollten rein. Fanden alle lustig, außer mir, ich denk natürlich an Geister und hab Schiss. Du bist so'n Idiot! Sagen die anderen zu mir. Ja, also, warum erzähl ich das? Ich wollte nur los werden: Das Wwoofing hat mir total Spaß gemacht. Und diese ganzen Geschichten, das mit der beschissenen Unterkunft und den Geistern und Hornissen und Löchern in den Wänden und das ich nicht schlafen konnte - das ist alles scheißegal, wenn man eine gute Zeit hat, und die hatte ich. Dankeschön."
Es hagelt Applaus.
Mittwoch, 14. September 2011
Get the story
Heute will ich mal meine Kommentatoren belohnen. Wer mitgerechnet hat, der weiß, dass gestern ein Milk&Cookie Story Abend war und demzufolge habe ich einige schöne Geschichten im Gepäck. Jeder Kommentator darf sich eine der folgenden Geschichten wünschen (dazu noch, ob sie auf Englisch oder Deutsch schreiben soll), dann werde ich versuchen, die betreffende Geschichte so gut wie es mir möglich ist, nachzuerzählen. Hier sind die Nominierten:
1. Wie man günstig nach Miami reist
2. Frozen Weasley
3. Die Kuh im Schlamm
4. Er verlief sich wie geplant
5. Tante Joan soll sterben
6. Geister, Hornissen und Löcher in den Wänden
7. Westlich vom Mond, östlich der Sonne
8. Die nackte Schaufensterpuppe
9. Habe ein Handwerk, dann wird alles gut
Trefft eure Wahl gut, meine Lieben!
Zum Rest des Tages:
Ich wohne jetzt in einem Sechsbettschlafzimmer im Keller und der Running Gag ist das Schloss der Tür, welches nicht leicht zu schließen ist. Da knarzen und drücken die späten Heimkehrer sich wund, bis sich mal jemand erbarmt, aufsteht, un die Tür öffnet. Bis jetzt habe ich zum Glück nie länger als fünf Minuten gebraucht, um die Tür zu öffnen, aber ein kleines Miststück ist das Schloss, das muss auch ich zugeben. Meine zweite Heimat ist die Bibliothek und die kann ganz angenehm sein, wenn gerade mal keiner Chips mampft oder wie ein Schlammbad riecht. Ich habe mir vorgenommen, fünf Seiten pro Tag zu schaffen und dementsprechend langweilig wird mein Tagesverlauf. Es kann also vorkommen, dass die spannenden Blogeinträge ausbleiben...vorerst.
Aber noch dürft ihr ja Geschichten auswählen, also, ran an die Tastatur!
1. Wie man günstig nach Miami reist
2. Frozen Weasley
3. Die Kuh im Schlamm
4. Er verlief sich wie geplant
5. Tante Joan soll sterben
6. Geister, Hornissen und Löcher in den Wänden
7. Westlich vom Mond, östlich der Sonne
8. Die nackte Schaufensterpuppe
9. Habe ein Handwerk, dann wird alles gut
Trefft eure Wahl gut, meine Lieben!
Zum Rest des Tages:
Ich wohne jetzt in einem Sechsbettschlafzimmer im Keller und der Running Gag ist das Schloss der Tür, welches nicht leicht zu schließen ist. Da knarzen und drücken die späten Heimkehrer sich wund, bis sich mal jemand erbarmt, aufsteht, un die Tür öffnet. Bis jetzt habe ich zum Glück nie länger als fünf Minuten gebraucht, um die Tür zu öffnen, aber ein kleines Miststück ist das Schloss, das muss auch ich zugeben. Meine zweite Heimat ist die Bibliothek und die kann ganz angenehm sein, wenn gerade mal keiner Chips mampft oder wie ein Schlammbad riecht. Ich habe mir vorgenommen, fünf Seiten pro Tag zu schaffen und dementsprechend langweilig wird mein Tagesverlauf. Es kann also vorkommen, dass die spannenden Blogeinträge ausbleiben...vorerst.
Aber noch dürft ihr ja Geschichten auswählen, also, ran an die Tastatur!
Montag, 12. September 2011
Ein Fall für Alexander Hartdegen
"Wenn ihr heute heim geht und nur gelernt habt, dass weder Guiness, noch Kobolde das Nationalsymbol Irlands sind, dann war das ein erfolgreicher Tag für mich. Vergesst die Geschichte, die erfinde ich nur zum Spaß.", sagt Dave und wir lachen. Dave arbeitet für new europe, er führt uns beinahe vier Stunden lang durch Dublin, kostenlos. Ein Trinkgeld zum Ende der Führung ist alles, was wir zahlen dürfen, wenn wir möchten. Wir ziehen durch die Stadt, zur City Hall, zum Dublin Castle. Hier erfuhr man damals vom Aufstand der Iren, der am Ostersonntag stattfinden sollte, aber nicht kam. Daraufhin gab man am Ostermontag allen Soldaten frei und deshalb schafften es neunzehn irische Rebellen, die beiden Bauwerke im Nu zu besetzen. Aber das Glück war ihnen nicht lange hold. Großes Blutvergießen. Sechzehn Todesurteile.
Dave erzählt von Swifts bescheidenem Vorschlag (a modest proposal) an die Aristokraten, die Iren mögen doch ihre Kinder essen. Von der kurzen Zeit, in der Irland ein wohlhabendes Land war und in der Geld auf Bäumen wuchs. Er wettert gegen die Bebauung der Stadt, gegen die hässlichen Bauten des Brutalismus, die einfach neben klassische Perlen der Architektur gepflanzt wurden. Er weiß, wo das schönste Buch der Welt zu finden ist und schüttelt den Kopf über die Vernichtung einer gigantischen Ausgrabungsstätte, die plattgewalzt wurde, um ein nichtssagendes neues Gebäude zu errichten. Er erklärt uns, warum die Justitia vor dem Schloss keine Augenbinde trägt und erzählt, dass eine lange Weile lang nicht einmal ihre Waagschalen ausgeglichen waren, weil der Niederschlag sie aus der Balance gebracht hatte. Die Führung ist spannend und sie muss es sein, denn wer von Trinkgeldern lebt, muss sich den Wolf reden.
Es ist mein letztes Wochenende im Touristenstyle. Ab Montag ist nur noch die Zulassungsarbeit von Bedeutung, da gibt es kein entspanntes Schlendern mehr. Dafür ist dieses Wochenende mit Perlen bestickt. Die vierstündige Führung, Abendessen bei Jo'Burger, wo es die besten Burger der Stadt gibt. Am nächsten Tag ein Ausflug mit der DART nach Howth, Dublins Halbinselchen, wo es famose Fish&Chips und einen Leuchtturm gibt, nicht zu vergessen das Meer, die Schiffe und die Angler. Von denen fängt einer sich aus Versehen keinen Fisch, sondern eine Seemöve, die gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Sie an Land zu ziehen und zu entknoten wird zu einem Kraftakt für den armen der Angler, der schließlich sogar seine Angelschnur zerreißen muss, um das Vogelvieh zu befreien. Der Sonntag Abend dann im "Celts", einem Pub gleich in der Nähe des Abrahams, wo eine Band zwischen traditionellem Liedgut und neueren Songs gekonnt hin-und her wechselt. Es wird ein wunderbares Wochenende und es ist viel zu schnell vorüber.
Ehe ich mich versehe, sitze ich wieder in der Bibliothek und tippe mir die Finger wund. Neben mir, wie könnte es anders sein, sitzt ein schlecht riechender Mann. Nicht mein Kumpel von letzter Woche, aber die geben sich offensichtlich die Klinke in die Hand, nur, um mir auf den Keks zu gehen.
Ach, hätt' ich doch Hartdegens Zeitmaschine, ich würde die Uhren galant zurückdrehen und mein Wochenende immer wieder und wieder erleben, durch Dublins Straßen hopsen und singen von Molly Malone, vom betrunkenen Schotten und von Whiskey im Krug...
Psychotest! Was seht IHR in diesen Wolken???
Dave erzählt von Swifts bescheidenem Vorschlag (a modest proposal) an die Aristokraten, die Iren mögen doch ihre Kinder essen. Von der kurzen Zeit, in der Irland ein wohlhabendes Land war und in der Geld auf Bäumen wuchs. Er wettert gegen die Bebauung der Stadt, gegen die hässlichen Bauten des Brutalismus, die einfach neben klassische Perlen der Architektur gepflanzt wurden. Er weiß, wo das schönste Buch der Welt zu finden ist und schüttelt den Kopf über die Vernichtung einer gigantischen Ausgrabungsstätte, die plattgewalzt wurde, um ein nichtssagendes neues Gebäude zu errichten. Er erklärt uns, warum die Justitia vor dem Schloss keine Augenbinde trägt und erzählt, dass eine lange Weile lang nicht einmal ihre Waagschalen ausgeglichen waren, weil der Niederschlag sie aus der Balance gebracht hatte. Die Führung ist spannend und sie muss es sein, denn wer von Trinkgeldern lebt, muss sich den Wolf reden.
Es ist mein letztes Wochenende im Touristenstyle. Ab Montag ist nur noch die Zulassungsarbeit von Bedeutung, da gibt es kein entspanntes Schlendern mehr. Dafür ist dieses Wochenende mit Perlen bestickt. Die vierstündige Führung, Abendessen bei Jo'Burger, wo es die besten Burger der Stadt gibt. Am nächsten Tag ein Ausflug mit der DART nach Howth, Dublins Halbinselchen, wo es famose Fish&Chips und einen Leuchtturm gibt, nicht zu vergessen das Meer, die Schiffe und die Angler. Von denen fängt einer sich aus Versehen keinen Fisch, sondern eine Seemöve, die gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Sie an Land zu ziehen und zu entknoten wird zu einem Kraftakt für den armen der Angler, der schließlich sogar seine Angelschnur zerreißen muss, um das Vogelvieh zu befreien. Der Sonntag Abend dann im "Celts", einem Pub gleich in der Nähe des Abrahams, wo eine Band zwischen traditionellem Liedgut und neueren Songs gekonnt hin-und her wechselt. Es wird ein wunderbares Wochenende und es ist viel zu schnell vorüber.
Ehe ich mich versehe, sitze ich wieder in der Bibliothek und tippe mir die Finger wund. Neben mir, wie könnte es anders sein, sitzt ein schlecht riechender Mann. Nicht mein Kumpel von letzter Woche, aber die geben sich offensichtlich die Klinke in die Hand, nur, um mir auf den Keks zu gehen.
Ach, hätt' ich doch Hartdegens Zeitmaschine, ich würde die Uhren galant zurückdrehen und mein Wochenende immer wieder und wieder erleben, durch Dublins Straßen hopsen und singen von Molly Malone, vom betrunkenen Schotten und von Whiskey im Krug...
Psychotest! Was seht IHR in diesen Wolken???
Donnerstag, 8. September 2011
Darf ich dich bepeinlichen?
"The itsy bitsy spider..."
Es ist eine Erfolgsgeschichte. Eine kleine Spinne klettert ein Rohr hinauf. Sie hat es fast geschafft, doch dann: Ein Regenfall. Mist. Die Spinne sprudelt es zum Boden zurück. Aber gibt sie auf? Oh, nein. Sie wartet auf den Sonnenschein, lässt sich fein trocknen und dann krabbelt sie wieder hinauf. Der Wahnsinn. Itsy Bitsy - Eine Spinne geht ihren Weg. Demnächst auch in ihrem Kino.
Allem Sarkasmus, der mir innewohnt wo andere ihr Herz haben, zum Trotz singe ich englische Kinderlieder mit den M's und klampfe auf der Gitarre herum. Gemeinsam stellen wir klatschend fest, wie glücklich wir sind. Gemeinsam rudern wir ein Boot. Wir schütteln den linken Fuß, wir greifen nach dem glitzernden Stern, wir kennen unser Alphabet und wir ahnen, welch mühsame Aufgabe die Räder an einem Bus den ganzen Tag bewältigen müssen. Mehr noch, wir werden zu Schafen und lassen uns scheren, damit der gütige Herr und die gnädige Dame, ja sogar der kleine Junge am Ende der Straße noch genügend Wolle bekommt. Gott sei Dank haben wir so viel Wolle produziert!
Langweilig wird es uns nicht. Abgesehen von den zwei Stunden Fernsehzeit, die hier jeden Tag zur Mittagszeit gereicht werden. Sonst sind wir immerdar am Observieren und diskutieren. Was ist los mit Phil, dem deutschen Jungen, der ab und an gewalttätig wird und sich damit selbst erschrickt? Wie lösen die Kinder Streitsituationen? Wann greift man ein? Wie greift man ein? Wann braucht es Strenge? Was geschieht instinktiv? Was steuert man? Traurigerweise reflektieren wir in einer Mittagspause mehr als manche der Betreuer in ihrem ganzen Leben, wie es scheint. Ganz besonders macht uns das Exemplar Danielle zu schaffen, eine Betreuerin, die ohne Diplom und Verstand in der Creche gelandet ist. Der sind wir ein Dorn im Auge, oder besser gesagt, der Dorn hat das Auge schon komplett verdrängt. Schon wenn wir einmal zehn Minuten eher in die Mittagspause gehen, werden wir von ihr vernichtend angesehen. Dazu fällt uns dann auch nichts mehr ein, immerhin sind wir Praktikantinnen, nicht etwa Sklaven. Aber den Unterschied kennen ja viele nicht.
Gott sei Dank kennt ihn Alice und so erlaubt sie mir sofort auf Anfrage hin, die kommende Woche frei zu nehmen, damit ich an meiner Zulassung arbeiten kann. Für die wird es nämlich langsam eng. "Überhaupt keine Frage, wenn du nicht kommen willst, kommst du einfach nicht. Du wirst nicht bezahlt. Da ist das in Ordnung."
Ich wünschte, ich könnte mich über die freie Zeit mehr freuen, doch ich weiß ja, dass ich die Tage von zehn bis acht in der Bibliothek zubringen werde. Und dort ist das Publikum immer so nett. Nachdem mir nun schon zweimal der Chipsesser mit dem Monstermaul um die Ohren geschurpst ist, habe ich jetzt, in Level zwei, einen schlimmeren Endgegner bekommen. Er ist Araber, fragt mich manchmal nach dem Wetter (es gibt keine Fenster nach draußen, da sich die Bibliothek im Herzen des Einkaufszentrums befindet) und er stinkt wie ein frisch geöffnetes Güllerohr. Die Ursache muss in einer übermäßigen Schweißproduktion liegen und so erreicht mich jedes Mal, wenn er die Arme hebt, eine Wolke lieblichen Duftes. Manchmal streckt er sich ordentlich und lockert rudernd die Schultern. Dann atme ich zwei Minuten lang durch den Ärmel meines Pullovers. Leider kann ich nichts sagen, oder wie stellt man das an? "Excuse me please, you smell a bit", da kann ich ihm auch gleich eine runter hauen. Ich setze mich also um, sobald ein anderer Platz frei wird, aber schon am nächsten Tag treffen wir wieder aufeinander und ich möchte heulen, denn nur bei ihm ist ein Platz frei, und ja, er riecht noch genauso wie am Vortag. Da sitze ich also, befasse mich mit der DDR und dem stinkend faulen Kapitalismus.
Ich möchte mich übergeben.
Es ist eine Erfolgsgeschichte. Eine kleine Spinne klettert ein Rohr hinauf. Sie hat es fast geschafft, doch dann: Ein Regenfall. Mist. Die Spinne sprudelt es zum Boden zurück. Aber gibt sie auf? Oh, nein. Sie wartet auf den Sonnenschein, lässt sich fein trocknen und dann krabbelt sie wieder hinauf. Der Wahnsinn. Itsy Bitsy - Eine Spinne geht ihren Weg. Demnächst auch in ihrem Kino.
Allem Sarkasmus, der mir innewohnt wo andere ihr Herz haben, zum Trotz singe ich englische Kinderlieder mit den M's und klampfe auf der Gitarre herum. Gemeinsam stellen wir klatschend fest, wie glücklich wir sind. Gemeinsam rudern wir ein Boot. Wir schütteln den linken Fuß, wir greifen nach dem glitzernden Stern, wir kennen unser Alphabet und wir ahnen, welch mühsame Aufgabe die Räder an einem Bus den ganzen Tag bewältigen müssen. Mehr noch, wir werden zu Schafen und lassen uns scheren, damit der gütige Herr und die gnädige Dame, ja sogar der kleine Junge am Ende der Straße noch genügend Wolle bekommt. Gott sei Dank haben wir so viel Wolle produziert!
Langweilig wird es uns nicht. Abgesehen von den zwei Stunden Fernsehzeit, die hier jeden Tag zur Mittagszeit gereicht werden. Sonst sind wir immerdar am Observieren und diskutieren. Was ist los mit Phil, dem deutschen Jungen, der ab und an gewalttätig wird und sich damit selbst erschrickt? Wie lösen die Kinder Streitsituationen? Wann greift man ein? Wie greift man ein? Wann braucht es Strenge? Was geschieht instinktiv? Was steuert man? Traurigerweise reflektieren wir in einer Mittagspause mehr als manche der Betreuer in ihrem ganzen Leben, wie es scheint. Ganz besonders macht uns das Exemplar Danielle zu schaffen, eine Betreuerin, die ohne Diplom und Verstand in der Creche gelandet ist. Der sind wir ein Dorn im Auge, oder besser gesagt, der Dorn hat das Auge schon komplett verdrängt. Schon wenn wir einmal zehn Minuten eher in die Mittagspause gehen, werden wir von ihr vernichtend angesehen. Dazu fällt uns dann auch nichts mehr ein, immerhin sind wir Praktikantinnen, nicht etwa Sklaven. Aber den Unterschied kennen ja viele nicht.
Gott sei Dank kennt ihn Alice und so erlaubt sie mir sofort auf Anfrage hin, die kommende Woche frei zu nehmen, damit ich an meiner Zulassung arbeiten kann. Für die wird es nämlich langsam eng. "Überhaupt keine Frage, wenn du nicht kommen willst, kommst du einfach nicht. Du wirst nicht bezahlt. Da ist das in Ordnung."
Ich wünschte, ich könnte mich über die freie Zeit mehr freuen, doch ich weiß ja, dass ich die Tage von zehn bis acht in der Bibliothek zubringen werde. Und dort ist das Publikum immer so nett. Nachdem mir nun schon zweimal der Chipsesser mit dem Monstermaul um die Ohren geschurpst ist, habe ich jetzt, in Level zwei, einen schlimmeren Endgegner bekommen. Er ist Araber, fragt mich manchmal nach dem Wetter (es gibt keine Fenster nach draußen, da sich die Bibliothek im Herzen des Einkaufszentrums befindet) und er stinkt wie ein frisch geöffnetes Güllerohr. Die Ursache muss in einer übermäßigen Schweißproduktion liegen und so erreicht mich jedes Mal, wenn er die Arme hebt, eine Wolke lieblichen Duftes. Manchmal streckt er sich ordentlich und lockert rudernd die Schultern. Dann atme ich zwei Minuten lang durch den Ärmel meines Pullovers. Leider kann ich nichts sagen, oder wie stellt man das an? "Excuse me please, you smell a bit", da kann ich ihm auch gleich eine runter hauen. Ich setze mich also um, sobald ein anderer Platz frei wird, aber schon am nächsten Tag treffen wir wieder aufeinander und ich möchte heulen, denn nur bei ihm ist ein Platz frei, und ja, er riecht noch genauso wie am Vortag. Da sitze ich also, befasse mich mit der DDR und dem stinkend faulen Kapitalismus.
Ich möchte mich übergeben.
Montag, 5. September 2011
Sandkastenliebesdreieck
Ihr Name ist Ella, sie ist vier, sie ist blond, sie ist schüchtern, sie ist süß. Und ihr machen jetzt schon zwei Jungen den Hof. "Ella, du kannst mit mir spielen!", ruft es da aus der Lego-Ecke. "Ella, ich les dir was vor!", kommt es dagegen vom Bücherregal, wobei lesen bedeutet, dass beim Umblättern des Buches eine Fantasiegeschichte ersonnen wird, die zumindest ungefähr zu den Bildern passt.
Faye mit ihrem jeden Tag auf's Neue originell verzopft und gestyltem Haar, Lia mit ihren exotischen Augen - sie haben keine Chance. Es muss die Art sein, mit der Ella verschüchtert ihren Daumen anknabbert, die hier die Herren fasziniert. Aber wer macht das Rennen?
Sean-Felipe hat den Prominentenbonus, sein Onkel moderiert die LateLateShow am Freitag Abend auf RTÊ ONE. Außerdem hat er Humor - und den schätzen Frauen ja angeblich so sehr.
Andreas hingegen hat griechisches Blut in den Adern, repräsentiert das ferne, warme Land mit seinen Oliven und dem vielbesungenen Wein. Dazu ist er ein Träumer, ein Phantast, und denen liegen doch die Mädchen angeblich zu Füßen.
Ich male mir aus, wie das weitergeht: Sean-Felipe später selbst als Talkmeister, wohlhabend und eloquent, Andreas als Rockstar, der nach den Sternen greift und mitten drin Ella, wählend zwischen Galanterie und Romantik, zwischen Charme und Verwegenheit. Schlimmer Kitsch.
Ella entscheidet sich aber kein bisschen. "Solange sie jemanden zum Spielen hat, ist alles okay. Ob das jetzt Sean-Felipe oder Andreas ist, kümmert sie da wenig.", sagt Aishling amüsiert. Die beiden Herren interessiert das aber sehr wohl, die reißen sich nämlich um den Platz neben Ella während der Fernsehzeit und schubsen sich in unbeobachteten Momenten schon mal gegenseitig aus dem Sitzkissen. Wenn Andreas Ella "vorliest", bla-bla-blaht Sean - Felipe laut dazwischen. Wenn der aber versucht, mit Legosteinen zu brillieren, blockiert Andreas das Blickfeld. Es ist zum piepen. Meine kleine Elefantin, umstritten wie der Sängerpreis zu Nürnberg. Ich finde es Jammerschade, dass ich nicht die Chance haben werde, ihr einmal davon zu erzählen, wenn sie älter ist.
In solch kleinen Daily Soap Episoden gestaltet sich der Tag im Kindergarten, fasziniert schaue ich dabei zu, wie sich am Nachmittag ein paar Jungs um ein Puppenstubenbett streiten. Die eine Liga möchte es ins Piratenschloss stellen, die andere Fraktion natürlich in die dafür vorgesehene Puppenstube. Da wird sich ordentlich gebalgt und in unbeobachteten Momenten stiehlt man das eben erst verlorene Bett aus dem anderen Lager zurück - ganz so wie bei den Pfadfindern die Fahne. Sarah und Aishling sind im Nebenraum beschäftigt und ich denke gar nicht daran, einzugreifen. Das ewige "Sharing is Caring" hängt mir zum Halse raus und viel lieber möchte ich sehen, wie die Kinder allein klar kommen. Und tatsächlich rufen sie nicht greinend um meine Partei, sondern verfahren mit dieser Fuchs-du-hast-die-Gans-gestohlen Strategie munter weiter. Sollen sie doch selbst mal lernen, wie man sich behauptet.
So beobachte ich weiter passiv das Geschehen, schaue Jack dabei zu, wie er schüchtern auf die Spielgruppen schaut, in die er sich noch nicht einzugliedern wagt, wie Faye und Sean ein Auto hin und her rollen lassen, wie Lia und Andreas zum ersten Mal ein Puppenspiel mit richtiger Handlung wagen und wie Garreth quietschvergnügt von einem zum anderen springt, mal hier und mal da mitspielt, dann wieder alles fallen lässt und etwas Neues ausprobiert.
Ein kleiner Kosmos ganz für sich.
Sonntag, 4. September 2011
Fünf Gänge runterschalten
Die Kinder tanzen mit ihren Schmetterlingen um mich herum, ich schiele auf die Uhr. Bald ist es drei. Dann kann ich gehen. Normalerweise habe ich es damit nicht so eilig, aber heute tut mir alles weh. Ich bin total im Eimer. Sommergrippe. Nach wochenlangem kränkeln bin ich jetzt endgültig hinüber. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr ins Hostel an meiner Zulassung arbeiten, aber das bekomme ich jetzt nicht hin. Ich schlafe leicht fiebrig ein paar Stunden, aber die Kopfschmerzen wollen nicht nachlassen. In einem esoterisch angehauchten Laden hatte ich mir vor ein paar Tagen Tigerbalsam gekauft, von dem ich noch aus Kindertagen weiß, dass er mir lieber nicht ins Auge kommt. Den schmiere ich mir vorsichtig, aber in ordentlichen Mengen auf die Stirn und warte auf das kühle Prickeln. Es funktioniert ganz gut, ich kann zumindest einschlafen. Trotzdem muss ich die ganze Nacht husten und niesen, schniefen und schnauben. Das ist einem vollbelegten 10 - Bettzimmer, man mag sich mein Unbehagen vorstellen. Bisher war das Hostel-Leben ganz erträglich, jetzt aber bin ich krank und hasse sie alle, die anderen Gäste, die durchs Nachtleben sausen und lärmend zurückkehren. Die sich genervt im Bett wälzen, weil sie mein Husten nicht ertragen können. All diese blöden, gesunden Menschen, ich mag sie gar nicht mehr.
Als ich aufwache, sind die Kopfschmerzen weg und das Wochenende ist da. Ich streiche alle Pläne, alle Ausflugsziele, jedes Vorhaben aus dem Kalender. Jetzt wird kuriert - und gearbeitet. Im Herzen Dublins widme ich mich Thomas Brussig und der DDR, wie befremdlich. Matthias Matussek erzählt mir auf Youtube, wie es im Dezember 1989 im Palasthotel Radisson war und um mich herum schwirren die Gäste, die sich auf Sightseeing, Shopping und das Pub Crawling vorbereiten. Während ich mich mit Bodenreform und Enteignung beschäftige, beschäftigen die sich mit den Telefonnummern, die sie im Club letzte Nacht zusammen gesammelt haben. Irgendjemand verfehlt hier das Thema und ich glaube, die anderen sind es nicht. Meine einzigen Ausflüge am Wochenende sind die zum Lidl, der erfreulicherweise nur ein paar Minuten von meiner neuen Bleibe entfernt ist.
Die neue Bleibe hat übrigens ein tolles Frühstück für mich. Gab es in der Camden Hall nur Toast, Cornflakes, Marmelade und Nutella, so ist hier das gleiche Sortiment um Joghurt, Früchte und Eier erweitert. Außerdem gibt es hier einen ulkigen Toaster, durch den fährt das Brot quasi einmal durch wie auf einem Fließband, danach ist er leicht geröstet. Auch abspülen muss ich hier nicht, das Frühstückstablett kommt in einen Wagen. Hier gibt es richtiges Personal, auch richtige Sicherheitsmaßnahmen. Rein kommt nur, wer einen Hotelpass hat, die Türen zum Wohnhaus werden von den Rezeptionisten per Knopfdruck entriegelt. Gäste sind nicht erlaubt. Saubere Sache.
Ich verbringe den Samstag im Bett und am Computer, der Sonntag wird zur Blaupause. Leichte Panik ergreift mich ab und zu. Ob ich das alles schaffe? Am 1. Oktober muss die Arbeit gebunden in der LMU sein.
Zumindest die Gesundheit scheint sich aber schon mal zu rehabilitieren, gesund schlafen konnte ich mich schon immer. In die Verlegenheit zu kommen, einen irischen Arzt aufzusuchen, möchte ich nämlich auch nicht gern. Da hört man so einige Horrorgeschichten - sowohl über die Approbationen als auch die Behandlungsgebühren.
So geht die Zeit recht dröge voran und bald merke ich dann auch, ich will jetzt gern nach hause.
Und wer mich abholt, bekommt einen Lolli.
Als ich aufwache, sind die Kopfschmerzen weg und das Wochenende ist da. Ich streiche alle Pläne, alle Ausflugsziele, jedes Vorhaben aus dem Kalender. Jetzt wird kuriert - und gearbeitet. Im Herzen Dublins widme ich mich Thomas Brussig und der DDR, wie befremdlich. Matthias Matussek erzählt mir auf Youtube, wie es im Dezember 1989 im Palasthotel Radisson war und um mich herum schwirren die Gäste, die sich auf Sightseeing, Shopping und das Pub Crawling vorbereiten. Während ich mich mit Bodenreform und Enteignung beschäftige, beschäftigen die sich mit den Telefonnummern, die sie im Club letzte Nacht zusammen gesammelt haben. Irgendjemand verfehlt hier das Thema und ich glaube, die anderen sind es nicht. Meine einzigen Ausflüge am Wochenende sind die zum Lidl, der erfreulicherweise nur ein paar Minuten von meiner neuen Bleibe entfernt ist.
Die neue Bleibe hat übrigens ein tolles Frühstück für mich. Gab es in der Camden Hall nur Toast, Cornflakes, Marmelade und Nutella, so ist hier das gleiche Sortiment um Joghurt, Früchte und Eier erweitert. Außerdem gibt es hier einen ulkigen Toaster, durch den fährt das Brot quasi einmal durch wie auf einem Fließband, danach ist er leicht geröstet. Auch abspülen muss ich hier nicht, das Frühstückstablett kommt in einen Wagen. Hier gibt es richtiges Personal, auch richtige Sicherheitsmaßnahmen. Rein kommt nur, wer einen Hotelpass hat, die Türen zum Wohnhaus werden von den Rezeptionisten per Knopfdruck entriegelt. Gäste sind nicht erlaubt. Saubere Sache.
Ich verbringe den Samstag im Bett und am Computer, der Sonntag wird zur Blaupause. Leichte Panik ergreift mich ab und zu. Ob ich das alles schaffe? Am 1. Oktober muss die Arbeit gebunden in der LMU sein.
Zumindest die Gesundheit scheint sich aber schon mal zu rehabilitieren, gesund schlafen konnte ich mich schon immer. In die Verlegenheit zu kommen, einen irischen Arzt aufzusuchen, möchte ich nämlich auch nicht gern. Da hört man so einige Horrorgeschichten - sowohl über die Approbationen als auch die Behandlungsgebühren.
So geht die Zeit recht dröge voran und bald merke ich dann auch, ich will jetzt gern nach hause.
Und wer mich abholt, bekommt einen Lolli.
Donnerstag, 1. September 2011
Bergfest
Unsere Kinder verlassen uns. Einer nach dem anderen. Die Rede ist nicht von einem Boykott, nein, die Kleinen sind nicht mehr so klein und viele von ihnen gehen jetzt bald in die Schule. Unser Wirbelwind Abby verabschiedet sich, der goldgelockte Samuel nimmt sein Besserwissertum Huckepack und Aidan zieht los, um die Klassen zu entern. Prinzessinnen und Piraten müssen zu Schülern werden und das ist in Irland schon im Alter von 5 Jahren der Fall. Es regnet Umarmungen und gute Wünsche, wir werden unsere Zwerge vermissen.
Aber ein gesunder Rest bleibt ja noch da und mit dem können wir weiter Unsinn treiben. Die genialste Idee aller Zeiten sind unsere Schmetterlinge. Profane Papierschmetterlinge, die erst von den Kindern bemalt und dann von uns mit Bindfaden versehen werden und schon wird der Raum zur Schmetterlingswiese. Das simple flapp - flapp, dass so ein Falter veranstaltet, löst bei unseren Monstern wahre Begeisterungsstürme aus. Schon bei der Präsentation des Endproduktes gehen die Hände in die Höhe, alle wollen den von uns vorgeführten Schmetterling fangen. Dann hat jeder seinen eigenen und fliegt damit umher. Simpel und schön.
So langsam formiert sich auch die Gruppe neu. Die starken Persönlichkeiten, die Ältesten, sie sind jetzt weg und so entsteht ein Vakuum an der Spitze. Als Anwärter mausern sich Darragh und Sean-Felipe, die beide anfangen, sich in der Clownerie zu üben. Spannend, spannend.
Das Verhältnis zu Sarah hat sich enorm entspannt, wir freuen uns regelrecht auf die Zeit von 13-14 Uhr, wenn wir von unserer Mittagspause zurück kommen und, während die M's noch fernsehen, einen regelrechten Kaffeeklatsch mit Sarah abhalten können.
Dann und wann werden wir noch in den Middle Room verbannt, wenn etwa Frances krank ist, oder sonstwie eine shortstaffed Crew, also zu wenig Angestellte am Start sind. Frances bei der Arbeit zuzuschauen ist eine tolle Angelegenheit, sie hat die schönsten Methoden, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen.
In der Camden Hall sind derweil alle am Husten und Niesen, die schlechte Zimmerbelüftung tut das Ihrige dazu. Da das Internet immer noch nicht geht, bin ich noch lange regelmäßig in der Bibliothek. Aber auch dort möchte ich manchmal einigen Menschen den Kopf abnagen. Setzt sich doch tatsächlich ein dicker Vollidiot neben mich, fährt seinen Computer hoch und frisst dann erst mal gemütlich eine Packung Chips. Einfach so. Quasi als Happen vor der Arbeit am Laptop. Knisper-knusper. Hallo? Trinken und Essen verboten und dann kommt der mir mit Chips? Es tut mir manchmal schon leid, dass ich keine Petze bin. Ich könnte ihn so schön verpfeifen. Stattdessen nehme ich mir Kopfhörer und stelle mir Musik an, um das Gemetzel neben mir nicht hören zu müssen.
Und dann ist es auch endlich so weit: Ich ziehe um. Von der vermaledeiten Camden Hall weg ins Abraham House. Dort sind die Zimmer groß, die Bäder schimmelfrei und das Internet empfange ich sogar im Bett. Ich lerne auch gleich wieder zwei Mädchen kennen, eins aus Kalifornien, das Lehrerin ist oder wird, so genau hab ich das nicht verstanden. Eine andere beantwortet die Frage nach dem woher mit: "Ich studiere in Würzburg, komme aber aus Thüringen.", worauf ich natürlich eine schöne Antwort habe. Ihr Name ist Gerlinde, was hier keiner versteht und ihre Ecke ist das Interkulturell-Politische. Deshalb will sie hier zwei Semester Irish Folk studieren und sucht noch nach einem Zimmer in einer WG.
Nach einem kurzen Gespräch suhle ich mich dann im Internet wie eine Sau im Schlamm, endlich wieder Welt im Laptop. Wie abhängig man doch geworden ist, wie viel Spaß doch das Internet macht.
Nun denn, nun, da ich da nicht mehr wohne, kann ich ja mal Fotos aus meinem ehemaligen Zimmer online stellen. Jetzt muss ich nicht befürchten, dass meine Mama anruft und mir befiehlt, sofort da weg zu gehen...
Und überhaupt: Bergfest!
Aber ein gesunder Rest bleibt ja noch da und mit dem können wir weiter Unsinn treiben. Die genialste Idee aller Zeiten sind unsere Schmetterlinge. Profane Papierschmetterlinge, die erst von den Kindern bemalt und dann von uns mit Bindfaden versehen werden und schon wird der Raum zur Schmetterlingswiese. Das simple flapp - flapp, dass so ein Falter veranstaltet, löst bei unseren Monstern wahre Begeisterungsstürme aus. Schon bei der Präsentation des Endproduktes gehen die Hände in die Höhe, alle wollen den von uns vorgeführten Schmetterling fangen. Dann hat jeder seinen eigenen und fliegt damit umher. Simpel und schön.
So langsam formiert sich auch die Gruppe neu. Die starken Persönlichkeiten, die Ältesten, sie sind jetzt weg und so entsteht ein Vakuum an der Spitze. Als Anwärter mausern sich Darragh und Sean-Felipe, die beide anfangen, sich in der Clownerie zu üben. Spannend, spannend.
Das Verhältnis zu Sarah hat sich enorm entspannt, wir freuen uns regelrecht auf die Zeit von 13-14 Uhr, wenn wir von unserer Mittagspause zurück kommen und, während die M's noch fernsehen, einen regelrechten Kaffeeklatsch mit Sarah abhalten können.
Dann und wann werden wir noch in den Middle Room verbannt, wenn etwa Frances krank ist, oder sonstwie eine shortstaffed Crew, also zu wenig Angestellte am Start sind. Frances bei der Arbeit zuzuschauen ist eine tolle Angelegenheit, sie hat die schönsten Methoden, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen.
In der Camden Hall sind derweil alle am Husten und Niesen, die schlechte Zimmerbelüftung tut das Ihrige dazu. Da das Internet immer noch nicht geht, bin ich noch lange regelmäßig in der Bibliothek. Aber auch dort möchte ich manchmal einigen Menschen den Kopf abnagen. Setzt sich doch tatsächlich ein dicker Vollidiot neben mich, fährt seinen Computer hoch und frisst dann erst mal gemütlich eine Packung Chips. Einfach so. Quasi als Happen vor der Arbeit am Laptop. Knisper-knusper. Hallo? Trinken und Essen verboten und dann kommt der mir mit Chips? Es tut mir manchmal schon leid, dass ich keine Petze bin. Ich könnte ihn so schön verpfeifen. Stattdessen nehme ich mir Kopfhörer und stelle mir Musik an, um das Gemetzel neben mir nicht hören zu müssen.
Und dann ist es auch endlich so weit: Ich ziehe um. Von der vermaledeiten Camden Hall weg ins Abraham House. Dort sind die Zimmer groß, die Bäder schimmelfrei und das Internet empfange ich sogar im Bett. Ich lerne auch gleich wieder zwei Mädchen kennen, eins aus Kalifornien, das Lehrerin ist oder wird, so genau hab ich das nicht verstanden. Eine andere beantwortet die Frage nach dem woher mit: "Ich studiere in Würzburg, komme aber aus Thüringen.", worauf ich natürlich eine schöne Antwort habe. Ihr Name ist Gerlinde, was hier keiner versteht und ihre Ecke ist das Interkulturell-Politische. Deshalb will sie hier zwei Semester Irish Folk studieren und sucht noch nach einem Zimmer in einer WG.
Nach einem kurzen Gespräch suhle ich mich dann im Internet wie eine Sau im Schlamm, endlich wieder Welt im Laptop. Wie abhängig man doch geworden ist, wie viel Spaß doch das Internet macht.
Nun denn, nun, da ich da nicht mehr wohne, kann ich ja mal Fotos aus meinem ehemaligen Zimmer online stellen. Jetzt muss ich nicht befürchten, dass meine Mama anruft und mir befiehlt, sofort da weg zu gehen...
Und überhaupt: Bergfest!
Dienstag, 30. August 2011
Diese Küche kann nicht kochen!
"Wann willst du denn heiraten, Teresa?"
Ich bin total erschrocken. Sarah hat mir eine persönliche Frage gestellt. DAS gab es bisher noch nicht. "Im Juli nächstes Jahr, vielleicht aber doch lieber im Mai, neuerdings ist das Wetter im Juli so schlecht." Sarah nickt und erzählt uns von ihrer Hochzeit: "Das Wetter muss ja eigentlich nur für ein paar Fotos gut genug sein. Ich hatte einen guten Fotografen, der hat nur wenige Gruppenfotos gemacht und dann spontan fotografiert, so mag ich das lieber. Die gestellten Fotos sind nicht so mein Fall." Das sehe ich auch so, berichte aber gleichzeitig von den fotographierwütigen Frauen in meiner Familie, die mich bestimmt nicht so leicht davon kommen lassen: "Da heißt es dann, jetzt noch mal eins nur mit Brautpaar und Geschwistern! Jetzt nur die Frauen! Nur die Männer! Jetzt mit den Kleinkindern! Jetzt mit den Großeltern...", Jessica verdreht die Augen: "Mensch, das ist ja fast schon ein Grund, nicht zu heiraten!" Sarah lacht. Als wir später mit den Kindern Papierflieger basteln, ist sie rege dabei und unseren Wochenplan hat sie auch schon abgesegnet. Wir sind erstaunt und auch ein wenig happy. Das Arbeiten im Kindergarten ist mit einem Mal sehr entspannt geworden. Die Kids lassen ihre mit Blut, Schweiß und Tränen (jeweils Genitive draus machen und Jessica zuordnen) gebastelten Flieger auf eine Zielscheibe fliegen, die kaum 20cm vor ihnen von mir gehalten wird. Applaus für jeden Treffer, Mitleid für jeden Fehlflieger.
Den Nachmittag verbringe ich in der Bibliothek, die erste Hausarbeit ist fertig, für die Zulassung muss ich mich jetzt ordentlich ins Zeug legen - ohne die kann ich schließlich im Frühjahr nicht in die Prüfung gehen...
Eine weibliche Stimme verkündet via Lautsprecher, dass die Bibliothek schließt und ich mache mich auf den Heimweg. Dort treffe ich Libby, die mich zu Pancakes einlädt. Die sitzen vorgefertigt in einer Flasche und müssen noch ihren Weg in die Pfanne finden. Roswitha laden wir zu diesem einmaligen Kocherlebnis gleich mit ein. Die musste ohnehin aus weiblichen Gründen schon das Fasten brechen.
In der Küche der Camden Hall eine gute Pfanne zu finden...sagen wir, die Wahrscheinlichkeit strebt gegen null. Alle Antihaftungen, die dort jemals vorhanden waren, hat es schon lange vor unserer Zeit zersägt und so ist es kein Wunder, dass die Pancakes der Reihe nach ankleben und anbrennen. In der Küche wird es rauchig. Letztendlich sitzen wir vor einer braunschwarzen Masse, die sich mit etwas Zucker noch gerade so essen lässt, aber aufessen sieht anders aus. "Genauso sehen echte amerikanische Pancakes aus.", erzählen wir Roswitha. "Wenn sie dir in einem Diner jemals was anderes servieren, lass es umgehend zurückschicken." Nach und nach wird die Küche von Männern bevölkert, die hämisch schauen: "Woah, Mädels, ihr könnt anscheinend echt nicht kochen!"
"Die KÜCHE kann nicht kochen!", entrüste ich mich, aber gegen Schadenfreude ist natürlich noch kein Kraut gewachsen.
"Es sind jetzt zwei Deutsche da, die dich kennen. Die waren schon mal da.", erzählt mir Libby später. Ich denke schon, die beiden Architektenmädels sind wieder da, aber nein, es sind zwei dumme Nörgeldeutsche, die immer nur das Bad besetzt und sich beschwert haben. Dieses Wiedersehen macht keine Freude. Auch die ins Bett über mir gezogene Chinesin verhält sich nicht so toll, sie hat all ihr Hab und Gut mit sich hinauf ins Bett genommen, wühlt ständig darin herum und kleidet sich auch im Bett aus und an. Das wäre kein Problem, wenn sich nicht jede ihrer Bewegungen auf das ganze Bett übertragen würde. Unten schüttelt es mich im Takt.
Give it to me, baby.
Ich bin total erschrocken. Sarah hat mir eine persönliche Frage gestellt. DAS gab es bisher noch nicht. "Im Juli nächstes Jahr, vielleicht aber doch lieber im Mai, neuerdings ist das Wetter im Juli so schlecht." Sarah nickt und erzählt uns von ihrer Hochzeit: "Das Wetter muss ja eigentlich nur für ein paar Fotos gut genug sein. Ich hatte einen guten Fotografen, der hat nur wenige Gruppenfotos gemacht und dann spontan fotografiert, so mag ich das lieber. Die gestellten Fotos sind nicht so mein Fall." Das sehe ich auch so, berichte aber gleichzeitig von den fotographierwütigen Frauen in meiner Familie, die mich bestimmt nicht so leicht davon kommen lassen: "Da heißt es dann, jetzt noch mal eins nur mit Brautpaar und Geschwistern! Jetzt nur die Frauen! Nur die Männer! Jetzt mit den Kleinkindern! Jetzt mit den Großeltern...", Jessica verdreht die Augen: "Mensch, das ist ja fast schon ein Grund, nicht zu heiraten!" Sarah lacht. Als wir später mit den Kindern Papierflieger basteln, ist sie rege dabei und unseren Wochenplan hat sie auch schon abgesegnet. Wir sind erstaunt und auch ein wenig happy. Das Arbeiten im Kindergarten ist mit einem Mal sehr entspannt geworden. Die Kids lassen ihre mit Blut, Schweiß und Tränen (jeweils Genitive draus machen und Jessica zuordnen) gebastelten Flieger auf eine Zielscheibe fliegen, die kaum 20cm vor ihnen von mir gehalten wird. Applaus für jeden Treffer, Mitleid für jeden Fehlflieger.
Den Nachmittag verbringe ich in der Bibliothek, die erste Hausarbeit ist fertig, für die Zulassung muss ich mich jetzt ordentlich ins Zeug legen - ohne die kann ich schließlich im Frühjahr nicht in die Prüfung gehen...
Eine weibliche Stimme verkündet via Lautsprecher, dass die Bibliothek schließt und ich mache mich auf den Heimweg. Dort treffe ich Libby, die mich zu Pancakes einlädt. Die sitzen vorgefertigt in einer Flasche und müssen noch ihren Weg in die Pfanne finden. Roswitha laden wir zu diesem einmaligen Kocherlebnis gleich mit ein. Die musste ohnehin aus weiblichen Gründen schon das Fasten brechen.
In der Küche der Camden Hall eine gute Pfanne zu finden...sagen wir, die Wahrscheinlichkeit strebt gegen null. Alle Antihaftungen, die dort jemals vorhanden waren, hat es schon lange vor unserer Zeit zersägt und so ist es kein Wunder, dass die Pancakes der Reihe nach ankleben und anbrennen. In der Küche wird es rauchig. Letztendlich sitzen wir vor einer braunschwarzen Masse, die sich mit etwas Zucker noch gerade so essen lässt, aber aufessen sieht anders aus. "Genauso sehen echte amerikanische Pancakes aus.", erzählen wir Roswitha. "Wenn sie dir in einem Diner jemals was anderes servieren, lass es umgehend zurückschicken." Nach und nach wird die Küche von Männern bevölkert, die hämisch schauen: "Woah, Mädels, ihr könnt anscheinend echt nicht kochen!"
"Die KÜCHE kann nicht kochen!", entrüste ich mich, aber gegen Schadenfreude ist natürlich noch kein Kraut gewachsen.
"Es sind jetzt zwei Deutsche da, die dich kennen. Die waren schon mal da.", erzählt mir Libby später. Ich denke schon, die beiden Architektenmädels sind wieder da, aber nein, es sind zwei dumme Nörgeldeutsche, die immer nur das Bad besetzt und sich beschwert haben. Dieses Wiedersehen macht keine Freude. Auch die ins Bett über mir gezogene Chinesin verhält sich nicht so toll, sie hat all ihr Hab und Gut mit sich hinauf ins Bett genommen, wühlt ständig darin herum und kleidet sich auch im Bett aus und an. Das wäre kein Problem, wenn sich nicht jede ihrer Bewegungen auf das ganze Bett übertragen würde. Unten schüttelt es mich im Takt.
Give it to me, baby.
Montag, 29. August 2011
The Very English Caterpillar
"Christy, kannst du mir mein grünes Kleid geben?"
"Welches grüne Kleid?"
"Das grüne. Es ist ein Kleid und es ist grün."
Ihr Name ist Shannon und sie ist eine Diva. Wenn sie mitten in der Nacht aus den Pubs kommt, ist sie laut. Wenn sie schläft, schnarcht sie. Wenn sie redet, platzt einem das Trommelfell. Sie ist vielleicht vierzig, ihr Haar ist wasserstoffblond, manchmal lässt sie einen fahren und schreit: "Excuse me, Ladies." Ihre Begleiterin ist das ganze Gegenteil von ihr und geduldig macht sie alle Eskapaden ihrer Diva-Freundin mit. Sie sind das ganze Wochenende da.
Das grüne Kleid wird gefunden, Shannon wirft es sich über. "Wenn heute Abend auch nur irgendjemand mich eine fette Raupe nennt, gehen wir sofort wieder heim!" Das wird sicher niemand, das Kleid steht ihr gut, besser als der Leopardenanzug, den sie vorher anprobiert hat. In dem sah sie aus wie eine fette Miezekatze. Sie schmeißt sich fünf Liter Schminke ins Gesicht, der Lidstrich könnte auch mit Fettstift aufgetragen werden, so dick malt sie ihn sich auf die Augen. Libby und ich schauen uns an und lachen.
Libby ist Australierin, doch zur Zeit lebt sie in London und arbeitet dort als Kellnerin. Durch sie erhalte ich Einblick in die Englisch-Australischen Unterschiede. Zum Beispiel ist das Shampoo, dass in England als australisches Shampoo verkauft wird, nicht aus Australien. Und obwohl sie Vegetarierin ist, weiß sie von Freunden, dass Känguruh wohl sehr sehr gut schmeckt. Von " I am a Celebrity, get me out of here!" hat sie noch nie etwas gehört und dass das im australischen Dschungel stattfinden soll, glaubt sie auch nicht. "Was für ein Dschungel? Auf welcher Insel? Die eine Insel ist voller Schlangen, die andere ist von Haien umzingelt. Wo wollen die da ein Camp aufschlagen?"
Die Akzente fliegen nur so durch den Raum. Shannon kann ich kaum verstehen, sie kommt aus Kent. Christy spricht ganz klar, aber auch ganz so, wie man es von Briten erwartet. Und Libby ist nochmal ein ganz anderes Kaliber, die Satzmelodie ist viel abgehackter, sie verschluckt ganze Silben, wenn sie spricht. Dabei, so meint sie, spricht sie zur Zeit gemäßigt den australischen Dialekt. Sonst, in Australien, wäre der viel stärker ausgeprägt.
Mit im Raum ist eine Indonesierin mit dem für ihr Land sehr untypischen Namen Roswitha. Den hat ihr Vater von Studienzeiten aus der Schweiz mitgebracht. Sie trägt Kopftuch und geht im allgemeinen Getümmel fast völlig unter, dafür redet sie im Schlaf. "Stimmt es, das man im Ramadan tagsüber nicht einmal Wasser trinken darf?", frage ich sie. Sie nickt und lächelt dabei. Ich hingegen wundere mich gar nicht mehr, dass die im Hostel befindlichen Muslime zur Zeit so eine schlechte Laune haben...
Mein Elan reicht an diesem Wochenende nicht für große Sprünge, den Samstag verbringe ich in der Bibliothek, am Sonntag schaffe ich es gerade mal ins Archäologie Museum. Das finde ich richtig spannend. Vor einem 15 Meter langen Langboot aus einer Ära, deren Namen ich vergessen habe, stehe ich staunend. 15 Meter! Es ist das längste Boot, dass man in Irland aus dieser Zeit gefunden hat. Ein großer, halbierter und ausgehölter Baumstamm. Wenn ich mir vorstelle, dass da vor ewigen Zeiten Menschen drin saßen, mit Waren zum Handeln oder mit Fischernetzen, dann bin ich schon irgendwie ehrfürchtig.
Den Sonntag Abend verbringe ich mit Libby, die sich nicht vorstellen kann, dass Deutsche romantische Filme produzieren können. Weil Deutsch doch so seltsam klingt. Sie lädt mich zu Knoblauchbaguette ein, dann kommen die Engländerinnen zurück von ihrer Tagestour. Man unterhält sich über die Nationen, Libby kennt die Stars aus Australien nicht, Shannon wird wahnsinnig deswegen. Welche Showformate gibt es in den verschiedenen Ländern? Go for Gold? Who wants to be a millionaire? Jeopardy? Für was ist das eigene Land bekannt? Ich überlege kurz: "Volkswagen. BMW. Mercedes." Erst am nächsten Morgen fällt mir ein: "ALDI." Spätestens dafür muss uns Irland dankbar sein, denn nirgendwo bekommen die Iren so günstig Schinken.
Das Gespräch erlahmt, nach und nach schlafen alle ein, Shannon beginnt das Schnarchen.
RUMMS!
Libby ist von ihrem Hochbett gesprungen, sie kramt in ihrer Tasche, dann klettert sie zurück ins Nest.
Sie hat ihren Ipod hochgeholt, denn direkt unter ihr,
da sägt die dicke Raupe.
"Welches grüne Kleid?"
"Das grüne. Es ist ein Kleid und es ist grün."
Ihr Name ist Shannon und sie ist eine Diva. Wenn sie mitten in der Nacht aus den Pubs kommt, ist sie laut. Wenn sie schläft, schnarcht sie. Wenn sie redet, platzt einem das Trommelfell. Sie ist vielleicht vierzig, ihr Haar ist wasserstoffblond, manchmal lässt sie einen fahren und schreit: "Excuse me, Ladies." Ihre Begleiterin ist das ganze Gegenteil von ihr und geduldig macht sie alle Eskapaden ihrer Diva-Freundin mit. Sie sind das ganze Wochenende da.
Das grüne Kleid wird gefunden, Shannon wirft es sich über. "Wenn heute Abend auch nur irgendjemand mich eine fette Raupe nennt, gehen wir sofort wieder heim!" Das wird sicher niemand, das Kleid steht ihr gut, besser als der Leopardenanzug, den sie vorher anprobiert hat. In dem sah sie aus wie eine fette Miezekatze. Sie schmeißt sich fünf Liter Schminke ins Gesicht, der Lidstrich könnte auch mit Fettstift aufgetragen werden, so dick malt sie ihn sich auf die Augen. Libby und ich schauen uns an und lachen.
Libby ist Australierin, doch zur Zeit lebt sie in London und arbeitet dort als Kellnerin. Durch sie erhalte ich Einblick in die Englisch-Australischen Unterschiede. Zum Beispiel ist das Shampoo, dass in England als australisches Shampoo verkauft wird, nicht aus Australien. Und obwohl sie Vegetarierin ist, weiß sie von Freunden, dass Känguruh wohl sehr sehr gut schmeckt. Von " I am a Celebrity, get me out of here!" hat sie noch nie etwas gehört und dass das im australischen Dschungel stattfinden soll, glaubt sie auch nicht. "Was für ein Dschungel? Auf welcher Insel? Die eine Insel ist voller Schlangen, die andere ist von Haien umzingelt. Wo wollen die da ein Camp aufschlagen?"
Die Akzente fliegen nur so durch den Raum. Shannon kann ich kaum verstehen, sie kommt aus Kent. Christy spricht ganz klar, aber auch ganz so, wie man es von Briten erwartet. Und Libby ist nochmal ein ganz anderes Kaliber, die Satzmelodie ist viel abgehackter, sie verschluckt ganze Silben, wenn sie spricht. Dabei, so meint sie, spricht sie zur Zeit gemäßigt den australischen Dialekt. Sonst, in Australien, wäre der viel stärker ausgeprägt.
Mit im Raum ist eine Indonesierin mit dem für ihr Land sehr untypischen Namen Roswitha. Den hat ihr Vater von Studienzeiten aus der Schweiz mitgebracht. Sie trägt Kopftuch und geht im allgemeinen Getümmel fast völlig unter, dafür redet sie im Schlaf. "Stimmt es, das man im Ramadan tagsüber nicht einmal Wasser trinken darf?", frage ich sie. Sie nickt und lächelt dabei. Ich hingegen wundere mich gar nicht mehr, dass die im Hostel befindlichen Muslime zur Zeit so eine schlechte Laune haben...
Mein Elan reicht an diesem Wochenende nicht für große Sprünge, den Samstag verbringe ich in der Bibliothek, am Sonntag schaffe ich es gerade mal ins Archäologie Museum. Das finde ich richtig spannend. Vor einem 15 Meter langen Langboot aus einer Ära, deren Namen ich vergessen habe, stehe ich staunend. 15 Meter! Es ist das längste Boot, dass man in Irland aus dieser Zeit gefunden hat. Ein großer, halbierter und ausgehölter Baumstamm. Wenn ich mir vorstelle, dass da vor ewigen Zeiten Menschen drin saßen, mit Waren zum Handeln oder mit Fischernetzen, dann bin ich schon irgendwie ehrfürchtig.
Den Sonntag Abend verbringe ich mit Libby, die sich nicht vorstellen kann, dass Deutsche romantische Filme produzieren können. Weil Deutsch doch so seltsam klingt. Sie lädt mich zu Knoblauchbaguette ein, dann kommen die Engländerinnen zurück von ihrer Tagestour. Man unterhält sich über die Nationen, Libby kennt die Stars aus Australien nicht, Shannon wird wahnsinnig deswegen. Welche Showformate gibt es in den verschiedenen Ländern? Go for Gold? Who wants to be a millionaire? Jeopardy? Für was ist das eigene Land bekannt? Ich überlege kurz: "Volkswagen. BMW. Mercedes." Erst am nächsten Morgen fällt mir ein: "ALDI." Spätestens dafür muss uns Irland dankbar sein, denn nirgendwo bekommen die Iren so günstig Schinken.
Das Gespräch erlahmt, nach und nach schlafen alle ein, Shannon beginnt das Schnarchen.
RUMMS!
Libby ist von ihrem Hochbett gesprungen, sie kramt in ihrer Tasche, dann klettert sie zurück ins Nest.
Sie hat ihren Ipod hochgeholt, denn direkt unter ihr,
da sägt die dicke Raupe.
Samstag, 27. August 2011
Up the Dubs!
Abby weint, Patricia nörgelt. Wer hat Recht? Nach einem eskalierten Kinderstreit sortieren Jessica und ich die Fakten. Dabei stoßen wir auf grundsätzliche Fragen:
1. Ist es gerecht, von einem etwas älteren Kind gegenüber den Kleineren ein erwachsenes Verhalten zu fordern?
2. Wann spielt ein Kind, wann weint es wirklich?
3. Sollte man ein weinendes Kind immer sofort in den Arm nehmen und trösten? Was ist mit dem Kind, das nicht weint, aber mindestens genauso emotional betroffen ist?
Wir debattieren rege auf Deutsch, Abby wurde bereits aus dem Raum geholt, Patricia schaut uns fragend an, die anderen Kinder schauen fern. Zum Konflikt kam es, weil wir, anders als Sarah, von den Kindern nicht verlangen, starr auf das Fernsehbild zu schauen und keinen Laut zu geben, die Mädchen haben herumgealbert und aus Spaß wurde Ernst. Wir beschließen aber, den Vorfall positiv zu bewerten - sowohl wir als auch die Mädchen haben etwas dazugelernt. Mit den sonst üblichen Vermeidungsstrategien wäre zwar nichts passiert, aber auch kein Bewusstsein geschaffen worden. Blöd gelaufen ist nur, dass es einen Eingriff von außen gab. Abby wurde von den Betreuern im Nebenraum herausgeholt, zum Trost durfte sie Fritten essen. Patricia geht also als Verlierer aus dem Streit hervor, weil sie eben schon etwas älter ist und nicht geweint hat. Weinen als weibliches Druckmittel in seiner frühen Entwicklungsphase?
Der Vorfall ist schnell vergessen, obwohl ich streng zu Abby war, fällt sie mir später wieder um den Hals. Patricia haben wir noch mal ganz ruhig erklärt, wie wir die Situation wahrgenommen haben und das unser Standpunkt ihr gegenüber nicht fair war. Das hat sie erleichtert und verständnisvoll abgenickt. Kommunikation auf Augenhöhe mit Kindern zu führen ist nicht ganz einfach, aber lohnend.
Mit Sarah gibt es dann plötzlich einen magischen Moment. Patricia wählt ein 200 Teile Puzzle und zusammen mit Sarah helfen wir ihr dabei, es zusammen zu setzen. Plötzlich kommt so etwas wie Kommunikation zustande, Sarah lacht über Jessicas Kapitulation vor dem Puzzle, sie redet mit uns, wenig, aber immerhin. Plötzlich fühlen wir uns, und das muss man sich mal geben, EXISTENT. Positiv verstärkend wirkt wohl, dass Jessica und ich ein neues Abkommen haben: In der Creche nur Englisch. Extremsituationen ausgenommen. Außerdem trage ich blau. Blau, um meine Zugehörigkeit zum Fanlager der Dubliners zu signalisieren, die am Sonntag im Semi-Finale gegen Donegal antreten. "Up the Dubs!" , ist der Schlachtruf, der bereits an den Fensterscheiben der Creche geschrieben steht.
Am Nachmittag ist Aidans Abschiedsfeier, er geht jetzt auf eine Schule für große Jungs und hat einen Piraten-Kuchen mitgebracht, zu dem uns Sarah herzlich einlädt: "Nehmt euch was, der ist so reichhaltig, die Kinder werden dass eh nicht alles schaffen." Der Kuchen ist lecker, aber wir nehmen wirklich nur eine winzige Kostprobe. Man will ja nicht gierig wirken.
Auf dem Heimweg sind wir später verwirrt: Wo kommt Sarahs positive Seite her? Hat die urlaubsbedingte Abwesenheit Aishlings etwas damit zu tun? Wie wird es, wenn Aishling nächste Woche wieder da ist? Fast schon wünschen wir uns, dass sie nicht wiederkommt, denn die Situation mit Sarah ist spannend. Vermutlich gehen wir aber zur Ausgangssituation zurück, sobald Aishling wieder da ist. Vom Standpunkt der Forschung aus gesehen ist das irgendwie schade.
Im Hostel haue ich mich gleich auf's Ohr, die Woche hat mich ganz schön fertig gemacht. Den Versuch, ins Internet zu kommen, unternehme ich schon gar nicht mehr. Am Abend treffe ich Rubina, die Italienerin. Es ist ihr letzter Abend in Dublin und sie ist etwas geknickt, denn die Menschen, mit denen sie sich angefreundet hatte, sind nicht da. Jetzt wartet sie in der Küche darauf, dass sich noch jemand von ihnen zeigt. Von Mitleid getränkt schleife ich sie in den Tesco, wir holen uns Cider und setzen uns in den Hinterhof des Hostels zum quatschen. Durch das Fenster sehen wir Quasimodo in der Küche umherlaufen, da schaut sie mich an und meint grinsend: "Ich habe einen Feind im Hostel!" Sie zeigt auf den Glöckner. "Aha.", grinse ich, "Her mit der Story." Ich erwarte das Übliche, die seltsamen Flirtversuche des Quasimodo, doch ihre Geschichte ist ganz anders: "Ich bin eines Morgens in die Küche gekommen, da saß er mit ein paar Leuten, die ich kenne, ich sage also Guten Morgen, einfach so, in die Runde, von ihm kommt gar keine Antwort und ich setze mich hin. Da sagt er plötzlich: 'Warum redest du mit mir? Ich kann dich nicht leiden. Ich möchte nicht, dass du mit mir sprichst!' und ich dachte mir nur, was ist denn jetzt los? Na, auf jeden Fall ignoriert der mich die ganze Zeit...es ist jetzt nicht so, dass ich deswegen nicht schlafen kann, eigentlich lache ich drüber, ich finde es nur merkwürdig." Ich finde es auch merkwürdig, so kenne ich die alte Flörtomate gar nicht. Noch am Vortag hat er sogar meinen Teller und meine Suppenschüssel abgewaschen und abgeräumt - beides hatte ich vergessen, weil mich die Rezeption wegen eines Telefonats aus der Küche heraus rief. Und zu Rubina nun diese Unfreundlichkeiten? Seltsam, seltsam.
Rubinas vermisste Freunde tröpfeln nach und nach ins Hostel, deshalb verabschiede ich mich von ihr: "Der christliche Teil ist jetzt vorbei, Rubina. Ich kann dich nämlich auch nicht leiden." Rubina lacht, wir umarmen uns zum Abschied.
Ich gehe aufs Zimmer, ich bin allein. Die nervigen Spanierinnen sind auf und davon. Selten, so viel Privatsphäre. Ich höre Musik und mache Pläne, Pläne für den 9., 10., 11. September, denn da....
...bekomme ich BESUCH!
1. Ist es gerecht, von einem etwas älteren Kind gegenüber den Kleineren ein erwachsenes Verhalten zu fordern?
2. Wann spielt ein Kind, wann weint es wirklich?
3. Sollte man ein weinendes Kind immer sofort in den Arm nehmen und trösten? Was ist mit dem Kind, das nicht weint, aber mindestens genauso emotional betroffen ist?
Wir debattieren rege auf Deutsch, Abby wurde bereits aus dem Raum geholt, Patricia schaut uns fragend an, die anderen Kinder schauen fern. Zum Konflikt kam es, weil wir, anders als Sarah, von den Kindern nicht verlangen, starr auf das Fernsehbild zu schauen und keinen Laut zu geben, die Mädchen haben herumgealbert und aus Spaß wurde Ernst. Wir beschließen aber, den Vorfall positiv zu bewerten - sowohl wir als auch die Mädchen haben etwas dazugelernt. Mit den sonst üblichen Vermeidungsstrategien wäre zwar nichts passiert, aber auch kein Bewusstsein geschaffen worden. Blöd gelaufen ist nur, dass es einen Eingriff von außen gab. Abby wurde von den Betreuern im Nebenraum herausgeholt, zum Trost durfte sie Fritten essen. Patricia geht also als Verlierer aus dem Streit hervor, weil sie eben schon etwas älter ist und nicht geweint hat. Weinen als weibliches Druckmittel in seiner frühen Entwicklungsphase?
Der Vorfall ist schnell vergessen, obwohl ich streng zu Abby war, fällt sie mir später wieder um den Hals. Patricia haben wir noch mal ganz ruhig erklärt, wie wir die Situation wahrgenommen haben und das unser Standpunkt ihr gegenüber nicht fair war. Das hat sie erleichtert und verständnisvoll abgenickt. Kommunikation auf Augenhöhe mit Kindern zu führen ist nicht ganz einfach, aber lohnend.
Mit Sarah gibt es dann plötzlich einen magischen Moment. Patricia wählt ein 200 Teile Puzzle und zusammen mit Sarah helfen wir ihr dabei, es zusammen zu setzen. Plötzlich kommt so etwas wie Kommunikation zustande, Sarah lacht über Jessicas Kapitulation vor dem Puzzle, sie redet mit uns, wenig, aber immerhin. Plötzlich fühlen wir uns, und das muss man sich mal geben, EXISTENT. Positiv verstärkend wirkt wohl, dass Jessica und ich ein neues Abkommen haben: In der Creche nur Englisch. Extremsituationen ausgenommen. Außerdem trage ich blau. Blau, um meine Zugehörigkeit zum Fanlager der Dubliners zu signalisieren, die am Sonntag im Semi-Finale gegen Donegal antreten. "Up the Dubs!" , ist der Schlachtruf, der bereits an den Fensterscheiben der Creche geschrieben steht.
Am Nachmittag ist Aidans Abschiedsfeier, er geht jetzt auf eine Schule für große Jungs und hat einen Piraten-Kuchen mitgebracht, zu dem uns Sarah herzlich einlädt: "Nehmt euch was, der ist so reichhaltig, die Kinder werden dass eh nicht alles schaffen." Der Kuchen ist lecker, aber wir nehmen wirklich nur eine winzige Kostprobe. Man will ja nicht gierig wirken.
Auf dem Heimweg sind wir später verwirrt: Wo kommt Sarahs positive Seite her? Hat die urlaubsbedingte Abwesenheit Aishlings etwas damit zu tun? Wie wird es, wenn Aishling nächste Woche wieder da ist? Fast schon wünschen wir uns, dass sie nicht wiederkommt, denn die Situation mit Sarah ist spannend. Vermutlich gehen wir aber zur Ausgangssituation zurück, sobald Aishling wieder da ist. Vom Standpunkt der Forschung aus gesehen ist das irgendwie schade.
Im Hostel haue ich mich gleich auf's Ohr, die Woche hat mich ganz schön fertig gemacht. Den Versuch, ins Internet zu kommen, unternehme ich schon gar nicht mehr. Am Abend treffe ich Rubina, die Italienerin. Es ist ihr letzter Abend in Dublin und sie ist etwas geknickt, denn die Menschen, mit denen sie sich angefreundet hatte, sind nicht da. Jetzt wartet sie in der Küche darauf, dass sich noch jemand von ihnen zeigt. Von Mitleid getränkt schleife ich sie in den Tesco, wir holen uns Cider und setzen uns in den Hinterhof des Hostels zum quatschen. Durch das Fenster sehen wir Quasimodo in der Küche umherlaufen, da schaut sie mich an und meint grinsend: "Ich habe einen Feind im Hostel!" Sie zeigt auf den Glöckner. "Aha.", grinse ich, "Her mit der Story." Ich erwarte das Übliche, die seltsamen Flirtversuche des Quasimodo, doch ihre Geschichte ist ganz anders: "Ich bin eines Morgens in die Küche gekommen, da saß er mit ein paar Leuten, die ich kenne, ich sage also Guten Morgen, einfach so, in die Runde, von ihm kommt gar keine Antwort und ich setze mich hin. Da sagt er plötzlich: 'Warum redest du mit mir? Ich kann dich nicht leiden. Ich möchte nicht, dass du mit mir sprichst!' und ich dachte mir nur, was ist denn jetzt los? Na, auf jeden Fall ignoriert der mich die ganze Zeit...es ist jetzt nicht so, dass ich deswegen nicht schlafen kann, eigentlich lache ich drüber, ich finde es nur merkwürdig." Ich finde es auch merkwürdig, so kenne ich die alte Flörtomate gar nicht. Noch am Vortag hat er sogar meinen Teller und meine Suppenschüssel abgewaschen und abgeräumt - beides hatte ich vergessen, weil mich die Rezeption wegen eines Telefonats aus der Küche heraus rief. Und zu Rubina nun diese Unfreundlichkeiten? Seltsam, seltsam.
Rubinas vermisste Freunde tröpfeln nach und nach ins Hostel, deshalb verabschiede ich mich von ihr: "Der christliche Teil ist jetzt vorbei, Rubina. Ich kann dich nämlich auch nicht leiden." Rubina lacht, wir umarmen uns zum Abschied.
Ich gehe aufs Zimmer, ich bin allein. Die nervigen Spanierinnen sind auf und davon. Selten, so viel Privatsphäre. Ich höre Musik und mache Pläne, Pläne für den 9., 10., 11. September, denn da....
...bekomme ich BESUCH!
Donnerstag, 25. August 2011
Zeitlos ohne Weltnetz
Als ich im Hostel ankam, lachten mich folgende Stichpunkte an:
Free Dinner on Tuesday and Thursday
Free BBQ on Saturday
Free Wi Fi
Free Laundry from Monday to Wednesday
Im Klartext also: Hier kannst du ins Internet. Hier gibt's drei Mal die Woche ein Abendessen und hier kann man Wäsche waschen. Man nehme den Imperativ Singular von "Pusten" und addiere ein "Kuchen". Das es kein Abendessen gibt, wurde sehr bald klar und wurde von mir hingenommen. Habe mir eh nicht vorstellen können, wie man sich das leisten konnte. Als dann das Internet klapprig wurde, habe ich zähneknirschend auf die Rückkehr desselben gewartet. Aber jetzt ist gut. Jetzt liegt das Internet im Endzeitkoma und die Wäscherei ist abgesperrt. Jetzt hab ich keine Lust mehr und weil ich zuhause einen Helden habe, darf ich im September umziehen. Ins Abraham House - neues Hostel, neue Chance.
Die Ereignisse der letzten Tage nun in Kürze:
Montag: Sarah und Aishling sind nicht da, was die Lage sehr entspannt. Ohne Sarahs schlechte Laune und Aislings Hektik sind auch die Kinder guter Dinge und trödeln ohne Druck durch den Tag. Beim Wolkenschauen im Park wird es drollig: "Ich sehe einen Berg!", "Ich sehe ein Schaf!", "Ich sehe ein endoplasmatisches Retikulum!" Wer hat wohl was gesehen? Im Hostel geht mir eine Rige spanischer Partymädchen gehörig auf den Senkel und mein Toastbrot schimmelt sich zu Tode - Mist!
Dienstag: Ich sitze mit Jessica in einer Ecke des M Raums und schneide Möbel aus einem Marks & Spencer Katalog aus. Die dürfen die Kinder später in einen vorgezeichneten Raum kleben. Manche bekommen das schon fein hin, in einigen Apartments hat aber die Schwerkraft ausgesetzt : Sofas fliegen auf den Betrachter zu. Es macht den Kleinen Spaß, das ist schön. Maxis Hutschnur hat aber ausgedient, sie verlässt den Kindergarten vorzeitig und reist zu einer Freundin. Ihre Tage in Irland sind ohnehin gezählt, am Ende der Woche will sie fliegen. Morgen ist ihr letzter Tag in der Creche. Mit Jessica gehe ich Charity Shops abklappern, dann treffen wir uns mit Maxi und gehen an der Liffey Cider trinken. Maxi ist fertig und geht bald heim, mit Jessica erfinde ich noch einen fragwürdigen Sommerhit mit "explicit" Stempel.
Mittwoch: Gerade haben wir Sarah schon so etwas wie eine gute Seite zustehen wollen, da zwingt sie zur Mittagszeit die kleine Abby derartig schlimm zum Essen, dass uns schlecht wird. Noch während die weint, gabelt sie ihr Nudeln in den Hals und als sie würgt, ist ihr Kommentar: "Tu jetzt nicht so!" Abby ist total fertig mit den Nerven und wir schalten leider nicht schnell genug. "Das ist Körperverletzung!", sagt Maxi sofort, als wir es ihr erzählen. "Bei so was sofort einschreiten! Alles wegnehmen, das darf auf gar keinen Fall nochmal passieren." Sie hat Recht und wir fühlen uns schlecht, weil wir das nicht gleich erkannt haben. Am Nachmittag werden wir in den Middle Room geschickt um auf die schlafenden Pre-M's aufzupassen. Der kleine Jack will dort nicht schlafen, weil er am Tag zuvor einen Albtraum hatte. Ich lege mich neben ihn und wir unterhalten uns flüsternd. Er und sein Bruder Gavin sind mittlerweile im Kreis unserer heimlichen Lieblinge, weil sie so zuckersüß sind. Dazu ist Jack schon ziemlich schlau. Als wir uns schlafend stellen, durchschaut er das: "Ihr schlaft nicht. Ihr habt kein Bett, ihr habt keinen Teddy und ihr seid nicht müde."
Donnerstag: Die Montessoris mühen sich mit Buntstiften ab, mit denen sie Legosteine umreißen sollen, oder andere Objekte, die wir aus dem Spielzimmer geholt haben. Sie sind total überfordert. Nicht nur ist ihnen der Buntstift fremd (weil sie die Buntstiftminen so oft abbrechen, bekommen sie nur Fettstifte, damit man sich das viele Anspitzen spart), auch braucht es zu viel Konzentration, um die Objekte als Schablone zu benutzen. Ab und zu hole ich ein Kind ins Spielzimmer, ich spiele mit ihnen "Sagen Sie jetzt nichts", sie müssen auf Fragen mit Gesichtsausdrücken antworten. Wie schaust du aus, wenn Mama Pancakes macht? Darragh streckt begeistert die Zunge heraus. Wie sieht ein Pirat aus? Peter beugt den Arm vor der Brust und sagt "Aaaaargh!". Wie bewegt sich eine Prinzessin? Faye streckt die Arme aus und dreht sich im Kreis. Die Fotos werden schön, ich hätte es fast nicht zu hoffen gewagt. Nur Lia knaubelt an ihren Fingern und rührt sich nicht. "Dann eben nicht, ist gut!", sage ich ihr. Auch frage ich jedes Kind, ob es fotografiert werden will. Francis, die normalerweise die Pre-Ms betreut, ist heute mit unten. Sie schaut uns zu und schneidet Früchte für die Snacktime zurecht. Als wir später in der Garderobe stehen, kommt sie vorbei: "Das habt ihr echt toll gemacht.", sagt sie. Wir relativieren: "Das mit dem Zeichnen war zuviel für die Kinder.", aber darum ging es Francis gar nicht: "Wie ihr mit den Kindern gesprochen habt und wie ihr das alles erklärt habt, das war echt gut, ich war beeindruckt." Endlich mal ein Lob. Wir strahlen und gehen in den verdienten Feierabend.
Free Dinner on Tuesday and Thursday
Free BBQ on Saturday
Free Wi Fi
Free Laundry from Monday to Wednesday
Im Klartext also: Hier kannst du ins Internet. Hier gibt's drei Mal die Woche ein Abendessen und hier kann man Wäsche waschen. Man nehme den Imperativ Singular von "Pusten" und addiere ein "Kuchen". Das es kein Abendessen gibt, wurde sehr bald klar und wurde von mir hingenommen. Habe mir eh nicht vorstellen können, wie man sich das leisten konnte. Als dann das Internet klapprig wurde, habe ich zähneknirschend auf die Rückkehr desselben gewartet. Aber jetzt ist gut. Jetzt liegt das Internet im Endzeitkoma und die Wäscherei ist abgesperrt. Jetzt hab ich keine Lust mehr und weil ich zuhause einen Helden habe, darf ich im September umziehen. Ins Abraham House - neues Hostel, neue Chance.
Die Ereignisse der letzten Tage nun in Kürze:
Montag: Sarah und Aishling sind nicht da, was die Lage sehr entspannt. Ohne Sarahs schlechte Laune und Aislings Hektik sind auch die Kinder guter Dinge und trödeln ohne Druck durch den Tag. Beim Wolkenschauen im Park wird es drollig: "Ich sehe einen Berg!", "Ich sehe ein Schaf!", "Ich sehe ein endoplasmatisches Retikulum!" Wer hat wohl was gesehen? Im Hostel geht mir eine Rige spanischer Partymädchen gehörig auf den Senkel und mein Toastbrot schimmelt sich zu Tode - Mist!
Dienstag: Ich sitze mit Jessica in einer Ecke des M Raums und schneide Möbel aus einem Marks & Spencer Katalog aus. Die dürfen die Kinder später in einen vorgezeichneten Raum kleben. Manche bekommen das schon fein hin, in einigen Apartments hat aber die Schwerkraft ausgesetzt : Sofas fliegen auf den Betrachter zu. Es macht den Kleinen Spaß, das ist schön. Maxis Hutschnur hat aber ausgedient, sie verlässt den Kindergarten vorzeitig und reist zu einer Freundin. Ihre Tage in Irland sind ohnehin gezählt, am Ende der Woche will sie fliegen. Morgen ist ihr letzter Tag in der Creche. Mit Jessica gehe ich Charity Shops abklappern, dann treffen wir uns mit Maxi und gehen an der Liffey Cider trinken. Maxi ist fertig und geht bald heim, mit Jessica erfinde ich noch einen fragwürdigen Sommerhit mit "explicit" Stempel.
Mittwoch: Gerade haben wir Sarah schon so etwas wie eine gute Seite zustehen wollen, da zwingt sie zur Mittagszeit die kleine Abby derartig schlimm zum Essen, dass uns schlecht wird. Noch während die weint, gabelt sie ihr Nudeln in den Hals und als sie würgt, ist ihr Kommentar: "Tu jetzt nicht so!" Abby ist total fertig mit den Nerven und wir schalten leider nicht schnell genug. "Das ist Körperverletzung!", sagt Maxi sofort, als wir es ihr erzählen. "Bei so was sofort einschreiten! Alles wegnehmen, das darf auf gar keinen Fall nochmal passieren." Sie hat Recht und wir fühlen uns schlecht, weil wir das nicht gleich erkannt haben. Am Nachmittag werden wir in den Middle Room geschickt um auf die schlafenden Pre-M's aufzupassen. Der kleine Jack will dort nicht schlafen, weil er am Tag zuvor einen Albtraum hatte. Ich lege mich neben ihn und wir unterhalten uns flüsternd. Er und sein Bruder Gavin sind mittlerweile im Kreis unserer heimlichen Lieblinge, weil sie so zuckersüß sind. Dazu ist Jack schon ziemlich schlau. Als wir uns schlafend stellen, durchschaut er das: "Ihr schlaft nicht. Ihr habt kein Bett, ihr habt keinen Teddy und ihr seid nicht müde."
Donnerstag: Die Montessoris mühen sich mit Buntstiften ab, mit denen sie Legosteine umreißen sollen, oder andere Objekte, die wir aus dem Spielzimmer geholt haben. Sie sind total überfordert. Nicht nur ist ihnen der Buntstift fremd (weil sie die Buntstiftminen so oft abbrechen, bekommen sie nur Fettstifte, damit man sich das viele Anspitzen spart), auch braucht es zu viel Konzentration, um die Objekte als Schablone zu benutzen. Ab und zu hole ich ein Kind ins Spielzimmer, ich spiele mit ihnen "Sagen Sie jetzt nichts", sie müssen auf Fragen mit Gesichtsausdrücken antworten. Wie schaust du aus, wenn Mama Pancakes macht? Darragh streckt begeistert die Zunge heraus. Wie sieht ein Pirat aus? Peter beugt den Arm vor der Brust und sagt "Aaaaargh!". Wie bewegt sich eine Prinzessin? Faye streckt die Arme aus und dreht sich im Kreis. Die Fotos werden schön, ich hätte es fast nicht zu hoffen gewagt. Nur Lia knaubelt an ihren Fingern und rührt sich nicht. "Dann eben nicht, ist gut!", sage ich ihr. Auch frage ich jedes Kind, ob es fotografiert werden will. Francis, die normalerweise die Pre-Ms betreut, ist heute mit unten. Sie schaut uns zu und schneidet Früchte für die Snacktime zurecht. Als wir später in der Garderobe stehen, kommt sie vorbei: "Das habt ihr echt toll gemacht.", sagt sie. Wir relativieren: "Das mit dem Zeichnen war zuviel für die Kinder.", aber darum ging es Francis gar nicht: "Wie ihr mit den Kindern gesprochen habt und wie ihr das alles erklärt habt, das war echt gut, ich war beeindruckt." Endlich mal ein Lob. Wir strahlen und gehen in den verdienten Feierabend.
Lovely Zoovenirs
"Zoovenirs!" steht auf dem Schild. Haha! Blöder Kalauer. Ich bin im Zoo. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Als ich das Haus verließ, wollte ich in die Charity Shops. Als die geschlossen waren, wollte ich ins Marks & Spencers. Als das auch nicht auf war, wollte ich nur in den Phoenixpark und dort angekommen dachte ich mir: Jetzt biste hier, jetzt kannste auch in den Zoo gehen. Und so kam es dann - trotz horrender Eintrittspreise.
Besser hätte ich es in meinem leicht angeschlagenen Zustand gar nicht treffen können, denn hier ist es schön, hier kann man die Seel etwas baumeln lassen und es wird nicht langweilig dabei, denn Tiere sind zum piepen. Ich schaue einem Tiger dabei zu, wie er einen kleinen Teich umkreist, in den ein Stück Fleisch bei der Fütterung gefallen ist. Wie kommt man jetzt da ran, ohne sich nass zu machen? Aus der Umkreisung wird Tuchfühlung, aus der Tuchfühlung ein nasser Tiger. Und immer noch kein Fleisch, denn dafür müsste der arme Kerl tauchen. Aber das Vieh ist hartnäckig. Bewundernswert hartnäckig. Der bleibt da dran und wir schauen zu.
Auf einer Insel hocken Lemuren im Baum und wenn denen mal danach ist, dann fangen die an, überlautstark zu gurren - wenn man nicht drauf vorbereitet ist, erschrickt man sich da ganz schön. Ebenso gut könnte ein Schwarm böser Krähen über einem in den Zweigen sitzen, die Stimmung erinnert an McBeth und zahlreich schauen Eltern besorgt nach oben. Ob da jetzt eine Attacke kommt? Wohl eher nicht.
Ich schlendere von Gehege zu Gehege, der Zoo ist riesig groß und hat sogar eine künstliche Savannengegend für all die afrikanischen Tiere. Ich sehe zum ersten Mal eine Giraffe leibhaftig vor mir stehen und bin verzückt von so viel Schönheit und Eleganz. Wie die läuft! Bezaubernd.
Es geht weiter zu Elefanten, Flamingos, zu Nashörnern und Pinguinen, Leoparden, Schlangen, Nilpferden... die längste Zeit stehe ich am Becken der Seelöwen, die sich einfach nur ganz und gar albern benehmen. In mir reift die Ahnung, der Dixieland Jazz in seiner Urform müsse von den Seelöwen erfunden worden sein, denn jazzig und trompetig quirlen die durch das Wasser, dabei nach menschlichen Maßstäben grinsend.
Drei Stunden lang spaziere ich umher, zu meinem Glück war ich ein früher Gast, am Nachmittag brechen Großfamilien und Japaner mit Japanern in den Zoo ein, da wird es mir zu dumm. Gelohnt hat es sich aber doch und das der Fußmarsch in den Phoenixpark selbst schon eineinhalb Stunden dauert, kann ich deshalb verschmerzen.
Auf dem Weg kaufe ich mir für 2 Euro eine Tasse - Präventivschlag gegen den Kindergarten...
Besser hätte ich es in meinem leicht angeschlagenen Zustand gar nicht treffen können, denn hier ist es schön, hier kann man die Seel etwas baumeln lassen und es wird nicht langweilig dabei, denn Tiere sind zum piepen. Ich schaue einem Tiger dabei zu, wie er einen kleinen Teich umkreist, in den ein Stück Fleisch bei der Fütterung gefallen ist. Wie kommt man jetzt da ran, ohne sich nass zu machen? Aus der Umkreisung wird Tuchfühlung, aus der Tuchfühlung ein nasser Tiger. Und immer noch kein Fleisch, denn dafür müsste der arme Kerl tauchen. Aber das Vieh ist hartnäckig. Bewundernswert hartnäckig. Der bleibt da dran und wir schauen zu.
Auf einer Insel hocken Lemuren im Baum und wenn denen mal danach ist, dann fangen die an, überlautstark zu gurren - wenn man nicht drauf vorbereitet ist, erschrickt man sich da ganz schön. Ebenso gut könnte ein Schwarm böser Krähen über einem in den Zweigen sitzen, die Stimmung erinnert an McBeth und zahlreich schauen Eltern besorgt nach oben. Ob da jetzt eine Attacke kommt? Wohl eher nicht.
Ich schlendere von Gehege zu Gehege, der Zoo ist riesig groß und hat sogar eine künstliche Savannengegend für all die afrikanischen Tiere. Ich sehe zum ersten Mal eine Giraffe leibhaftig vor mir stehen und bin verzückt von so viel Schönheit und Eleganz. Wie die läuft! Bezaubernd.
Es geht weiter zu Elefanten, Flamingos, zu Nashörnern und Pinguinen, Leoparden, Schlangen, Nilpferden... die längste Zeit stehe ich am Becken der Seelöwen, die sich einfach nur ganz und gar albern benehmen. In mir reift die Ahnung, der Dixieland Jazz in seiner Urform müsse von den Seelöwen erfunden worden sein, denn jazzig und trompetig quirlen die durch das Wasser, dabei nach menschlichen Maßstäben grinsend.
Drei Stunden lang spaziere ich umher, zu meinem Glück war ich ein früher Gast, am Nachmittag brechen Großfamilien und Japaner mit Japanern in den Zoo ein, da wird es mir zu dumm. Gelohnt hat es sich aber doch und das der Fußmarsch in den Phoenixpark selbst schon eineinhalb Stunden dauert, kann ich deshalb verschmerzen.
Auf dem Weg kaufe ich mir für 2 Euro eine Tasse - Präventivschlag gegen den Kindergarten...
Samstag, 20. August 2011
Von Tassen und Schränken
"Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort", das fällt mir ein, wenn ich mich mit Maxi unterhalte, aber erklären kann ich es nicht wirklich. Wir sind uns sehr ähnlich, aber irgendwie spiegelverkehrt zueinander.
Der Tag war etwas nervtötend, zuerst waren wir mit den Kindern im Natural History Museum, welches mehr oder weniger eine zweistöckige Zurschaustellung toter, ausgestopfter Tiere ist. "Ich werde Albträume haben..." sage ich, als ich einem großen, toten Elefanten in die Augen schaue. Der Lernwert für die Kinder ist auch gleich null, denn die sausen nur durchs Museum, rufen sich kurz zu, ob sie gerade ein tolles Tier gefunden haben und versuchen sich dem Gebot des Nichtanfassens zu widersetzen. Innerhalb einer halben Stunde ist das alles abgefrühstückt und wir gehen wieder. In Anbetracht der Tatsache, dass wir sehr lange brauchen, um mit den Lütten durch die Stadt hierherzukommen, lässt sich ganz klar sagen, das hier das Kosten-Nutzen Verhältnis nicht im Mindesten stimmt.
Sarah ist eigentlich nicht da, nur kurz vor der Mittagszeit schneit sie mit ihrer Mutter herein um sich von den Kindern feiern zu lassen. Mit lieben Worten fischt sie sich die ran und präsentiert sich, als wären hier alle ihre Fans. Jessica lächelt mich an: "Ich kotz gleich!"
Es gibt ein Tassenproblem. Das könnte alberner nicht sein. Als Alice uns den Kindergarten zeigte, wies sie in der Küche auf einen Schrank voller Tassen - daraus könnten wir welche nehmen, für Kaffee, Tee oder was auch immer. So einfach ist das aber gar nicht, denn jede Tasse wurde mitgebracht. Als also einmal in Sultanas Tasse (Sultana ist eine Betreuerin mit, wie wir raten, indischen Wurzeln) mit Maxis Kaffee gefüllt ist, kippt sie diesen weg. Die Tasse muss für den nachmittäglichen Tee freigehalten werden. Maxi ist sauer. Das war am Donnerstag. Nun ist es Freitag und Sultana will mit Maxi reden. Sie erklärt ihr, dass es nur nett von ihr gemeint war, dass sie so direkt die Tassenproblematik anspricht. Andere ärgern sich ja hinter Maxis Rücken über die Tassenokkupation und das wär doch blöd. Wer? Sarah, zum Beispiel. Aha.
Die Leute sind heute auffällig nett zu uns, machen aber auch auffällig Stimmung gegen Sarah. So sehr wir auch selbst gegen diese Dame aufgebracht sind, dieses hinterhältige Tauziehen will uns auch nicht gefallen. Jetzt wo Sarah mal nicht da ist, trauen sich diese Duckmäuser plötzlich, ihren Namen abfällig in den Mund zu nehmen. Das kann es ja jetzt auch nicht sein. Also fällt der Beschluss: Raushalten. Zu allen nett sein. Bloß nicht mit reinziehen lassen.
Nach der Schlafenszeit ist Georges Abschiedsfeier, denn der verlässt mit Schwester Natalie den Kindergarten. Er tut uns leid, denn wirklich traurig ist über den Abschied niemand. George ist schlau, phantasievoll, und ein Quatschfass. Durch letzteres hat er sich unbeliebt gemacht und Aishling verhehlt nicht, wie froh sie ist,dass er geht. Das finden wir gemein und auch wenn ich Aishling sonst gern habe, ist das das Letzte. Ich umarme George zum Abschied und sage ihm, wie sehr ich mich freue, dass ich ihn kennenlernen durfte. Er grinst verlegen.
Am Nachmittag schlendere ich die Camden Street hoch, ich will die Mädels bei ihren Gasteltern besuchen. Jessica, Maxi und auch Hauke wohnen nämlich alle im selben Haus. Wobei jetzt Hauke natürlich keines von den Mädels ist...
Wie dem auch sei, Jessica holt mich beim TESCO Markt ab, wir kaufen noch Cider für alle und dann stehe ich in einem edel, wenn auch steril eingerichteten Haus und schüttle einer blonden, leicht abgekämpft drei schauenden Irin die Hand. Die will die Komplimente zur Einrichtung gar nicht so recht hören und ist, auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt, auch von meiner Ankunft gar nicht recht begeistert, denn Jessica hatte es versäumt, mich rechtzeitig anzukündigen - Ups.
Wir essen Pizza und verkrümeln uns dann in Jessicas Zimmer, wo wir stundenlang über Gott und die Welt quatschen. Es wird Abend, es wird dunkel, es wird Nacht, es wird sehr, sehr spät. In mystische, weltanschauliche, aber auch alltägliche Themen sind wir verstrickt, als plötzlich, kurz vor zwölf, die Gastmutter im Zimmer steht und mich bittet, jetzt zu gehen, es schlafen schon alle. Ich entschuldige mich fix und entfleuche, das abrupte Ende des Abends macht mir aber gar nichts aus. Auf dem Rückweg fotografiere ich noch das umnachtete Dublin und summe vor mich hin.
Zurück im Hostel belagern neue Gäste das Zimmer, sie räumen gerade ihre Taschen aus und sind aus Deutschland. Dortmund, um genau zu sein. Viel rede ich nicht mehr mit ihnen, nur kurz bevor ich ins Bad gehe, gibt es noch einen lustigen Moment.
Ich schalte gerade das Licht an, da schaut mich eines der Mädchen verzweifelt an und fragt:
"Gibt es hier Schränke, die ich übersehe?"
Ich lache auf: "Willkommen im Hostel Camden Hall!"
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Rätselauflösung "Überraschungsfotografen..."
1) Schaltjahrkind! Der zehnjährige hatte erst zehn offizielle Geburtstage, ist aber schon so an die vierzig
2) zwei Beine, weil alle Säugetiere zwee Beene und zwee Arme haben (doof, I know)
3)Geburtshaus (wenn keene Väter mitkommen)
4)Drei
Der Tag war etwas nervtötend, zuerst waren wir mit den Kindern im Natural History Museum, welches mehr oder weniger eine zweistöckige Zurschaustellung toter, ausgestopfter Tiere ist. "Ich werde Albträume haben..." sage ich, als ich einem großen, toten Elefanten in die Augen schaue. Der Lernwert für die Kinder ist auch gleich null, denn die sausen nur durchs Museum, rufen sich kurz zu, ob sie gerade ein tolles Tier gefunden haben und versuchen sich dem Gebot des Nichtanfassens zu widersetzen. Innerhalb einer halben Stunde ist das alles abgefrühstückt und wir gehen wieder. In Anbetracht der Tatsache, dass wir sehr lange brauchen, um mit den Lütten durch die Stadt hierherzukommen, lässt sich ganz klar sagen, das hier das Kosten-Nutzen Verhältnis nicht im Mindesten stimmt.
Sarah ist eigentlich nicht da, nur kurz vor der Mittagszeit schneit sie mit ihrer Mutter herein um sich von den Kindern feiern zu lassen. Mit lieben Worten fischt sie sich die ran und präsentiert sich, als wären hier alle ihre Fans. Jessica lächelt mich an: "Ich kotz gleich!"
Es gibt ein Tassenproblem. Das könnte alberner nicht sein. Als Alice uns den Kindergarten zeigte, wies sie in der Küche auf einen Schrank voller Tassen - daraus könnten wir welche nehmen, für Kaffee, Tee oder was auch immer. So einfach ist das aber gar nicht, denn jede Tasse wurde mitgebracht. Als also einmal in Sultanas Tasse (Sultana ist eine Betreuerin mit, wie wir raten, indischen Wurzeln) mit Maxis Kaffee gefüllt ist, kippt sie diesen weg. Die Tasse muss für den nachmittäglichen Tee freigehalten werden. Maxi ist sauer. Das war am Donnerstag. Nun ist es Freitag und Sultana will mit Maxi reden. Sie erklärt ihr, dass es nur nett von ihr gemeint war, dass sie so direkt die Tassenproblematik anspricht. Andere ärgern sich ja hinter Maxis Rücken über die Tassenokkupation und das wär doch blöd. Wer? Sarah, zum Beispiel. Aha.
Die Leute sind heute auffällig nett zu uns, machen aber auch auffällig Stimmung gegen Sarah. So sehr wir auch selbst gegen diese Dame aufgebracht sind, dieses hinterhältige Tauziehen will uns auch nicht gefallen. Jetzt wo Sarah mal nicht da ist, trauen sich diese Duckmäuser plötzlich, ihren Namen abfällig in den Mund zu nehmen. Das kann es ja jetzt auch nicht sein. Also fällt der Beschluss: Raushalten. Zu allen nett sein. Bloß nicht mit reinziehen lassen.
Nach der Schlafenszeit ist Georges Abschiedsfeier, denn der verlässt mit Schwester Natalie den Kindergarten. Er tut uns leid, denn wirklich traurig ist über den Abschied niemand. George ist schlau, phantasievoll, und ein Quatschfass. Durch letzteres hat er sich unbeliebt gemacht und Aishling verhehlt nicht, wie froh sie ist,dass er geht. Das finden wir gemein und auch wenn ich Aishling sonst gern habe, ist das das Letzte. Ich umarme George zum Abschied und sage ihm, wie sehr ich mich freue, dass ich ihn kennenlernen durfte. Er grinst verlegen.
Am Nachmittag schlendere ich die Camden Street hoch, ich will die Mädels bei ihren Gasteltern besuchen. Jessica, Maxi und auch Hauke wohnen nämlich alle im selben Haus. Wobei jetzt Hauke natürlich keines von den Mädels ist...
Wie dem auch sei, Jessica holt mich beim TESCO Markt ab, wir kaufen noch Cider für alle und dann stehe ich in einem edel, wenn auch steril eingerichteten Haus und schüttle einer blonden, leicht abgekämpft drei schauenden Irin die Hand. Die will die Komplimente zur Einrichtung gar nicht so recht hören und ist, auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt, auch von meiner Ankunft gar nicht recht begeistert, denn Jessica hatte es versäumt, mich rechtzeitig anzukündigen - Ups.
Wir essen Pizza und verkrümeln uns dann in Jessicas Zimmer, wo wir stundenlang über Gott und die Welt quatschen. Es wird Abend, es wird dunkel, es wird Nacht, es wird sehr, sehr spät. In mystische, weltanschauliche, aber auch alltägliche Themen sind wir verstrickt, als plötzlich, kurz vor zwölf, die Gastmutter im Zimmer steht und mich bittet, jetzt zu gehen, es schlafen schon alle. Ich entschuldige mich fix und entfleuche, das abrupte Ende des Abends macht mir aber gar nichts aus. Auf dem Rückweg fotografiere ich noch das umnachtete Dublin und summe vor mich hin.
Zurück im Hostel belagern neue Gäste das Zimmer, sie räumen gerade ihre Taschen aus und sind aus Deutschland. Dortmund, um genau zu sein. Viel rede ich nicht mehr mit ihnen, nur kurz bevor ich ins Bad gehe, gibt es noch einen lustigen Moment.
Ich schalte gerade das Licht an, da schaut mich eines der Mädchen verzweifelt an und fragt:
"Gibt es hier Schränke, die ich übersehe?"
Ich lache auf: "Willkommen im Hostel Camden Hall!"
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Rätselauflösung "Überraschungsfotografen..."
1) Schaltjahrkind! Der zehnjährige hatte erst zehn offizielle Geburtstage, ist aber schon so an die vierzig
2) zwei Beine, weil alle Säugetiere zwee Beene und zwee Arme haben (doof, I know)
3)Geburtshaus (wenn keene Väter mitkommen)
4)Drei
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