Dienstag, 20. September 2011

Westlich vom Mond, östlich der Sonne

Die letzte Milk & Cookies Geschichte - und nur dabei, weil es meine Lieblingsgeschichte ist.

Westlich vom Mond, östlich der Sonne 

Eine junge Dame ist nun am Mikrofon, sie gehört zum Organisationsteam der Milk&Cookies Events und sie hat uns ein Märchen mitgebracht: 

„Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten viele Kinder, darunter schöne Töchter und tüchtige Söhne, doch sie waren sehr arm. Jeden Tag fragten sie sich, wie sie den Tag überstehen sollten, denn sie hatten wenig Geld und kaum etwas zu essen. Eines schönen Tages klopfte es an der Tür, und als der Vater ging, um sie zu öffnen, da fand er einen Eisbär davor stehen. Und er dachte sich: „Was zur Hölle will jetzt der Eisbär von mir?“ Da begann der Eisbär zu sprechen und er sagte: „Ich bin verliebt in deine älteste Tochter und wenn du sie mir gibst, dann werde ich dich reich beschenken und du sollst nie wieder Geldsorgen haben.“ Das beeindruckte den Vater und so rief er nach seiner ältesten Tochter und fragte sie, ob sie den Eisbären zum Manne haben wolle. Sie antwortete ihm: „Nee, also bei aller Liebe nicht. Papa, ich hab dich ja echt gern und so, aber das ist n‘ Eisbär, ich bitte dich.“ Der Vater sprach daher zum Eisbären: „Komm in ein paar Tagen wieder, ich regel das schon.“

Der Eisbär ging und der Vater sprach mit seiner Tochter: „Kind, ich weiß ja, das ist jetzt nicht so der Bringer, aber denk doch mal an deine Familie und so schlimm ist es ja jetzt auch nicht und der ist ja auch reich, da hast du schöne Klamotten im Schrank und immer gutes Essen, denk doch mal nach...“ Schließlich lies sich die Tochter überreden und als der Eisbär wiederkehrte, da ging sie mit ihm von dannen. Auf seinem Rücken ritt sie viele Tage lang, bis sie zu einem Schloss kamen. Und es war, wie ihr der Vater gesagt hatte, sie hatte die schönsten Kleider und Schmuck und konnte essen, was immer sie wünschte. Der Eisbär hatte ihr eine Glocke gegeben und sobald sie damit läutete, erhielt sie alles, was sie sich wünschte. Der Eisbär selbst ließ sie tun, was auch immer sie wollte. Nur des Nachts, als sie schlief, da war es ihr im Traume, als ob ein Mann neben ihr liege. So verging nun die Zeit und bald wurde es ihr langweilig, da fragte sie der Eisbär eines Tages, ob es ihr wohl erginge und sie zufrieden war. Sie sagte: „Ja schon, ist alles toll, nur eine Sache: Ich hab meine Familie jetzt schon ewig und drei Tage nicht gesehen, können wir sie nicht einmal besuchen?“ Der Eisbär antwortete ihr: „Das können wir wohl tun, aber du musst mir eines Versprechen: Hör auf nichts, was dir deine Mutter rät. Das ist übrigens ein guter Tipp für alle von euch!“

Die Wissenden kichern.

Das Mädchen versprach es also und zusammen reisten sie zu ihrer Familie, der es mittlerweile gut erging und die sich sehr freute, die älteste Tochter wieder zu sehen. Sie feierten und aßen und tranken, doch als alle sich schlafen legten, da nahm die Mutter ihre Tochter beiseite und fragte: „Jetzt mal Butter bei de Fische – die Sache mit dem Eisbär, was ist da los?“ Und die Tochter antwortete: „Es ist alles bestens und der Eisbär behelligt mich nicht, nur manchmal in der Nacht, da ist mir so, als ob ein Mann neben mir läge.“ Daraufhin gibt ihr die Mutter eine Kerze in die Hand. „Nimm diese Kerze mit, mein Kind, und in der Nacht, entzünde sie und wirf einen Blick auf den, der da neben dir liegt.“ Die Tochter, welche die Warnungen des Bären vergessen hatte, nahm also jene Kerze an sich und verließ am nächsten Tage mit dem Eisbären ihre Familie, um zum Schloß zurückzukehren. Und als es Nacht wurde und sie spürte, das jemand neben ihr lag, da entzündete sie die Kerze und schaute, wer es wohl sei. Da sah sie neben sich den schönsten Prinzen liegen, den sie jemals gesehen hatte und augenblicklich war sie in ihn verliebt – wie das halt immer so ist. 

Sie konnte sich nicht von ihm abwenden, sondern beugte sich über ihn um ihn zu küssen, als ein Tropfen des heißen Kerzenwachses herunter tropfte und den Prinzen weckte. Dieser war sehr erschrocken: „Verdammt, was hast du angerichtet? Hättest du bis zum Ende des Jahres gewartet, dann wäre der Bann gebrochen gewesen und wir hätten für immer zusammen leben können!“ Es stellte sich heraus, dass seine Mutter, eine furchtbare Frau, ihn verhext hatte. „Jetzt war alles umsonst und ich muss diese hässliche Oger Prinzessin heiraten!“ Das Mädchen war sehr erschrocken. „Wo wird man dich hinbringen?“, fragte sie. „In das Schloss westlich vom Mond und östlich der Sonne.“ „Aber ich liebe dich!“, rief das Mädchen, „Ich werde dir folgen!“ „Ja, das ist ja ganz nett gemeint“, antwortete ihr der Prinz, „aber westlich vom Mond, östlich der Sonne, da weiß doch keine Sau, wo das ist, wie willst du das finden?“

Als am nächsten Tag die Sonne aufging, da war der Prinz nicht mehr da. Aber das Mädchen wollte nicht aufgeben. Sie lief querfeldein durchs Land und fragte jeden, den sie traf, nach dem Schloss westlich des Mondes und östlich der Sonne. Eines Tages traf sie einen Raben der in einem Baum saß und als sie ihn nach dem Wege fragte, da sagte er: „Das weiß ich leider nicht, aber geh doch diesen Weg entlang, da triffst du einen anderen Raben, vielleicht kann er dir helfen. Nimm dieses goldene Armband mit, du kannst es wohl gebrauchen.“ Sie ging also und traf den zweiten Raben. Der riet ihr dasselbe: „Weiß nicht, aber geh da lang, da gibt’s noch einen Raben und nimm doch den goldenen Kamm, kannste bestimmt brauchen.“ Und sie ging und traf den dritten Raben: „Ja, nee, aber hier is’n goldener Apfel und überhaupt, frag doch den Ostwind, der war doch schon überall!“ 

Sie ging also und fand den Ostwind: „Hey, Kleine, wie gehts, alles klar? Westlich vom Mond, östlich der Sonne, hab ich noch nie gehört, aber ich bring dich zu meinem Bruder Westwind, der hat schon mehr gesehen als ich.“ Und der Ostwind trug sie zum Westwind hinüber, welcher ein wenig bereister und auch wilder war: „Waaaaaas geht? Westlich vom Mond, Östlich der Sonne? Keinen Plan, Kleine, aber komm, wir gehen zum Südwind.“ Sie reisten also weiter zum Südwind: „Hey, jo, howz it hanging, wo solls hingehen? Westlich vom Mond, östlich der Sonne, hab ich noch nie gehört, aber wenn das einer weiß, dann ist es der Nordwind!“ Und alle drei Brüder sahen sich an und nickten: „Der Nordwind, der alte Weltenbummler, der war schon überall, der weiß es sicher!“ Und tatsächlich, als sie den Nordwind erreichten, da sagte er: „Westlich vom Mond und östlich der Sonne? EINMAL war ich dort, da habe ich ein Blatt hinüber geweht und musste mich dann drei Tage lang ausruhen. Wenn’s unbedingt sein muß, bring ich dich da hin.“ Und weil es unbedingt sein mußte, reiste das Mädchen viele Tage auf dem Rücken des Nordwindes, bis sie schließlich ein großes Schloss erreichten. „Bitteschön“, keuchte der Nordwind erschöpft, „da ist es und jetzt lass mich bloß in Ruhe.“

Da war das Mädchen also, doch das Schloss war bewohnt von der furchtbaren Oger Prinzessin, die ein hässliches Ungetüm war. Sie hatte grüne,schleimige Beulen am ganzen Körper und eine Nase, die drei Armlängen maß und die sie um ihren rechten Arm gewickelt trug. Sie hielt den Prinzen, der sie heiraten sollte, in ihrem Schloss gefangen. Was also tun? Das Mädchen setzte sich in den Garten und begann, mit ihrem goldenen Armreif zu spielen. Da wurde die Prinzessin neidisch: „Gib mir diesen Armreif.“, verlangte sie. „Das werde ich nicht tun, doch ich biete dir einen Tausch an. Wenn du den Armreif bekommst, darf ich eine Nacht lang zu dem Prinzen, den du gefangen hältst.“ Die Prinzessin willigte ein, doch sie gab dem Prinzen einen Schlaftrunk, so dass alles Flehen und Rütteln des Mädchens nichts nutzte, er wachte nicht auf. Am nächsten Tag dasselbe Spiel, diesmal mit dem goldenen Kamm. Der Prinz bekommt einen Schlaftrunk, die Nacht ist verschenkt. Am nächsten Tag spielt das Mädchen mit dem Apfel und tauscht ihn wieder ein, doch diesmal ist der Prinz schlau und überlegt sich: Wie kann das sein, dass ich die letzten Nächte so unglaublich tief geschlafen habe? Das muss an dem Wein liegen, den die Schlampe mir immer gibt! Deshalb spuckt er den Trunk heimlich aus und ist wach, als das Mädchen zu ihm kommt. Große Freude! 

„Aber was machen wir jetzt?“, fragt das Mädchen. „Ich weiß eine List“, sagt der Prinz. Er besitzt ein Hemd, welches nur, wenn es von einem Mädchen mit reinem Herzen gewaschen wird, auch sauber wird. Der Wahnsinn!
 Am nächsten Morgen geht er also damit zur Prinzessin und sagt: „Hier, pass mal auf, die willst ja unbedingt heiraten. Hier ist der Deal: Ich heirate keine Frau, die meine Wäsche nicht sauber bekommt. Wenn du also dieses Hemd rein waschen kannst, is hier Hochzeit.“ Die Prinzessin denkt sich, ha, is ja’n Witz, das bekomm ich hin und beginnt, das Hemd in einem Zuber zu waschen. Doch wo sie es auch berührt, da wird das Hemd schwarz und schwärzer, bis es schließlich ganz und gar dunkelschwarz ist. Die Prinzessin schrubbt und schrubbt, aber es hilft alles nichts. Da lacht der Prinz und sagt: „Das gibt es ja nicht, du bist so unfähig! Ich wette, diese einfache Magd da drüben bekommt das ohne Probleme hin!“ Dabei deutet er auf das Mädchen im Garten. Man lässt sie also rufen und sie taucht das Hemd nur einmal ins Wasser, da wird es blitzeblank und strahlend weiß. „Schau, so muss das aussehen, die kann ich heiraten!“, sagt der Prinz und die abscheuliche Oger Prinzessin ist darüber so wütend, dass sie verpufft.

In Märchen geht so was.“

Wir spenden lachend Applaus, dankbar auch dafür, mal wieder an die wahren Aufgaben der Frau erinnert zu werden... 


9 Kommentare:

  1. .. and now in English please... ;-)
    na gut, gilt auch so.
    die wahren Aufgaben einer Frau - Traumprinz suchen und reisen ???

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  2. Neee, Mutter. Gut aussehen, Wäsche sauber halten und auf den Mann hören (statt auf die Mutter).
    Schöne Geschichte. Vor allem sehr geil erzählt!

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  3. das hättest du wohl gerne... ;-)
    Teresa, pass auf !

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  4. Weil es deine Lieblingsgeschichte ist? Ich erinnere mich, dass ich die ohnehin hören wollte...:-P

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  5. Wenn sich jeder Kommentator EINE Geschichte aussuchen darf, kann Isa nicht ZWEI bekommen. Deshalb hab ich sie nur gepostet, weil ich sie so gern habe, aber das hat sich dann eben gut getroffen ;-)

    Was die Aufgaben der Frau angeht: Wäsche waschen sollen sie nur, wenn sie reinen Herzens sind. Und da mein Herz die Farbe von Köstritzer Schwarzbier hat, macht Alex ab sofort den Haushalt.

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  6. Jaha... Wetten das halte ich länger durch als du ;)

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  7. Wenn du nicht spurst, zieh ich zum Siggi.

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  8. nur noch 8 Tag....

    Alex, träum weiter... ;-)

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