Sonntag, 4. September 2011

Fünf Gänge runterschalten

Die Kinder tanzen mit ihren Schmetterlingen um mich herum, ich schiele auf die Uhr. Bald ist es drei. Dann kann ich gehen. Normalerweise habe ich es damit nicht so eilig, aber heute tut mir alles weh. Ich bin total im Eimer. Sommergrippe. Nach wochenlangem kränkeln bin ich jetzt endgültig hinüber. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr ins Hostel an meiner Zulassung arbeiten, aber das bekomme ich jetzt nicht hin. Ich schlafe leicht fiebrig ein paar Stunden, aber die Kopfschmerzen wollen nicht nachlassen. In einem esoterisch angehauchten Laden hatte ich mir vor ein paar Tagen Tigerbalsam gekauft, von dem ich noch aus Kindertagen weiß, dass er mir lieber nicht ins Auge kommt. Den schmiere ich mir vorsichtig, aber in ordentlichen Mengen auf die Stirn und warte auf das kühle Prickeln. Es funktioniert ganz gut, ich kann zumindest einschlafen. Trotzdem muss ich die ganze Nacht husten und niesen, schniefen und schnauben. Das ist einem vollbelegten 10 - Bettzimmer, man mag sich mein Unbehagen vorstellen. Bisher war das Hostel-Leben ganz erträglich, jetzt aber bin ich krank und hasse sie alle, die anderen Gäste, die durchs Nachtleben sausen und lärmend zurückkehren. Die sich genervt im Bett wälzen, weil sie mein Husten nicht ertragen können. All diese blöden, gesunden Menschen, ich mag sie gar nicht mehr.

Als ich aufwache, sind die Kopfschmerzen weg und das Wochenende ist da. Ich streiche alle Pläne, alle Ausflugsziele, jedes Vorhaben aus dem Kalender. Jetzt wird kuriert - und gearbeitet. Im Herzen Dublins widme ich mich Thomas Brussig und der DDR, wie befremdlich. Matthias Matussek erzählt mir auf Youtube, wie es im Dezember 1989 im Palasthotel Radisson war und um mich herum schwirren die Gäste, die sich auf Sightseeing, Shopping und das Pub Crawling vorbereiten. Während ich mich mit Bodenreform und Enteignung beschäftige, beschäftigen die sich mit den Telefonnummern, die sie im Club letzte Nacht zusammen gesammelt haben. Irgendjemand verfehlt hier das Thema und ich glaube, die anderen sind es nicht. Meine einzigen Ausflüge am Wochenende sind die zum Lidl, der erfreulicherweise nur ein paar Minuten von meiner neuen Bleibe entfernt ist.

Die neue Bleibe hat übrigens ein tolles Frühstück für mich. Gab es in der Camden Hall nur Toast, Cornflakes, Marmelade und Nutella, so ist hier das gleiche Sortiment um Joghurt, Früchte und Eier erweitert. Außerdem gibt es hier einen ulkigen Toaster, durch den fährt das Brot quasi einmal durch wie auf einem Fließband, danach ist er leicht geröstet. Auch abspülen muss ich hier nicht, das Frühstückstablett kommt in einen Wagen. Hier gibt es richtiges Personal, auch richtige Sicherheitsmaßnahmen. Rein kommt nur, wer einen Hotelpass hat, die Türen zum Wohnhaus werden von den Rezeptionisten per Knopfdruck entriegelt. Gäste sind nicht erlaubt. Saubere Sache.

Ich verbringe den Samstag im Bett und am Computer, der Sonntag wird zur Blaupause. Leichte Panik ergreift mich ab und zu. Ob ich das alles schaffe? Am 1. Oktober muss die Arbeit gebunden in der LMU sein.

Zumindest die Gesundheit scheint sich aber schon mal zu rehabilitieren, gesund schlafen konnte ich mich schon immer. In die Verlegenheit zu kommen, einen irischen Arzt aufzusuchen, möchte ich nämlich auch nicht gern. Da hört man so einige Horrorgeschichten - sowohl über die Approbationen als auch die Behandlungsgebühren.

So geht die Zeit recht dröge voran und bald merke ich dann auch, ich will jetzt gern nach hause.
Und wer mich abholt, bekommt einen Lolli.

3 Kommentare:

  1. schön, dass es dir gesundheitlich besser geht.
    Bist du wirklich sicher, dass du heim willst - bei dem tollen Frühstück ???

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  2. Ich kenn da jemanden, der dieses Frühstück toppen kann...

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