"Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort", das fällt mir ein, wenn ich mich mit Maxi unterhalte, aber erklären kann ich es nicht wirklich. Wir sind uns sehr ähnlich, aber irgendwie spiegelverkehrt zueinander.
Der Tag war etwas nervtötend, zuerst waren wir mit den Kindern im Natural History Museum, welches mehr oder weniger eine zweistöckige Zurschaustellung toter, ausgestopfter Tiere ist. "Ich werde Albträume haben..." sage ich, als ich einem großen, toten Elefanten in die Augen schaue. Der Lernwert für die Kinder ist auch gleich null, denn die sausen nur durchs Museum, rufen sich kurz zu, ob sie gerade ein tolles Tier gefunden haben und versuchen sich dem Gebot des Nichtanfassens zu widersetzen. Innerhalb einer halben Stunde ist das alles abgefrühstückt und wir gehen wieder. In Anbetracht der Tatsache, dass wir sehr lange brauchen, um mit den Lütten durch die Stadt hierherzukommen, lässt sich ganz klar sagen, das hier das Kosten-Nutzen Verhältnis nicht im Mindesten stimmt.
Sarah ist eigentlich nicht da, nur kurz vor der Mittagszeit schneit sie mit ihrer Mutter herein um sich von den Kindern feiern zu lassen. Mit lieben Worten fischt sie sich die ran und präsentiert sich, als wären hier alle ihre Fans. Jessica lächelt mich an: "Ich kotz gleich!"
Es gibt ein Tassenproblem. Das könnte alberner nicht sein. Als Alice uns den Kindergarten zeigte, wies sie in der Küche auf einen Schrank voller Tassen - daraus könnten wir welche nehmen, für Kaffee, Tee oder was auch immer. So einfach ist das aber gar nicht, denn jede Tasse wurde mitgebracht. Als also einmal in Sultanas Tasse (Sultana ist eine Betreuerin mit, wie wir raten, indischen Wurzeln) mit Maxis Kaffee gefüllt ist, kippt sie diesen weg. Die Tasse muss für den nachmittäglichen Tee freigehalten werden. Maxi ist sauer. Das war am Donnerstag. Nun ist es Freitag und Sultana will mit Maxi reden. Sie erklärt ihr, dass es nur nett von ihr gemeint war, dass sie so direkt die Tassenproblematik anspricht. Andere ärgern sich ja hinter Maxis Rücken über die Tassenokkupation und das wär doch blöd. Wer? Sarah, zum Beispiel. Aha.
Die Leute sind heute auffällig nett zu uns, machen aber auch auffällig Stimmung gegen Sarah. So sehr wir auch selbst gegen diese Dame aufgebracht sind, dieses hinterhältige Tauziehen will uns auch nicht gefallen. Jetzt wo Sarah mal nicht da ist, trauen sich diese Duckmäuser plötzlich, ihren Namen abfällig in den Mund zu nehmen. Das kann es ja jetzt auch nicht sein. Also fällt der Beschluss: Raushalten. Zu allen nett sein. Bloß nicht mit reinziehen lassen.
Nach der Schlafenszeit ist Georges Abschiedsfeier, denn der verlässt mit Schwester Natalie den Kindergarten. Er tut uns leid, denn wirklich traurig ist über den Abschied niemand. George ist schlau, phantasievoll, und ein Quatschfass. Durch letzteres hat er sich unbeliebt gemacht und Aishling verhehlt nicht, wie froh sie ist,dass er geht. Das finden wir gemein und auch wenn ich Aishling sonst gern habe, ist das das Letzte. Ich umarme George zum Abschied und sage ihm, wie sehr ich mich freue, dass ich ihn kennenlernen durfte. Er grinst verlegen.
Am Nachmittag schlendere ich die Camden Street hoch, ich will die Mädels bei ihren Gasteltern besuchen. Jessica, Maxi und auch Hauke wohnen nämlich alle im selben Haus. Wobei jetzt Hauke natürlich keines von den Mädels ist...
Wie dem auch sei, Jessica holt mich beim TESCO Markt ab, wir kaufen noch Cider für alle und dann stehe ich in einem edel, wenn auch steril eingerichteten Haus und schüttle einer blonden, leicht abgekämpft drei schauenden Irin die Hand. Die will die Komplimente zur Einrichtung gar nicht so recht hören und ist, auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt, auch von meiner Ankunft gar nicht recht begeistert, denn Jessica hatte es versäumt, mich rechtzeitig anzukündigen - Ups.
Wir essen Pizza und verkrümeln uns dann in Jessicas Zimmer, wo wir stundenlang über Gott und die Welt quatschen. Es wird Abend, es wird dunkel, es wird Nacht, es wird sehr, sehr spät. In mystische, weltanschauliche, aber auch alltägliche Themen sind wir verstrickt, als plötzlich, kurz vor zwölf, die Gastmutter im Zimmer steht und mich bittet, jetzt zu gehen, es schlafen schon alle. Ich entschuldige mich fix und entfleuche, das abrupte Ende des Abends macht mir aber gar nichts aus. Auf dem Rückweg fotografiere ich noch das umnachtete Dublin und summe vor mich hin.
Zurück im Hostel belagern neue Gäste das Zimmer, sie räumen gerade ihre Taschen aus und sind aus Deutschland. Dortmund, um genau zu sein. Viel rede ich nicht mehr mit ihnen, nur kurz bevor ich ins Bad gehe, gibt es noch einen lustigen Moment.
Ich schalte gerade das Licht an, da schaut mich eines der Mädchen verzweifelt an und fragt:
"Gibt es hier Schränke, die ich übersehe?"
Ich lache auf: "Willkommen im Hostel Camden Hall!"
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Rätselauflösung "Überraschungsfotografen..."
1) Schaltjahrkind! Der zehnjährige hatte erst zehn offizielle Geburtstage, ist aber schon so an die vierzig
2) zwei Beine, weil alle Säugetiere zwee Beene und zwee Arme haben (doof, I know)
3)Geburtshaus (wenn keene Väter mitkommen)
4)Drei

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