"Wann willst du denn heiraten, Teresa?"
Ich bin total erschrocken. Sarah hat mir eine persönliche Frage gestellt. DAS gab es bisher noch nicht. "Im Juli nächstes Jahr, vielleicht aber doch lieber im Mai, neuerdings ist das Wetter im Juli so schlecht." Sarah nickt und erzählt uns von ihrer Hochzeit: "Das Wetter muss ja eigentlich nur für ein paar Fotos gut genug sein. Ich hatte einen guten Fotografen, der hat nur wenige Gruppenfotos gemacht und dann spontan fotografiert, so mag ich das lieber. Die gestellten Fotos sind nicht so mein Fall." Das sehe ich auch so, berichte aber gleichzeitig von den fotographierwütigen Frauen in meiner Familie, die mich bestimmt nicht so leicht davon kommen lassen: "Da heißt es dann, jetzt noch mal eins nur mit Brautpaar und Geschwistern! Jetzt nur die Frauen! Nur die Männer! Jetzt mit den Kleinkindern! Jetzt mit den Großeltern...", Jessica verdreht die Augen: "Mensch, das ist ja fast schon ein Grund, nicht zu heiraten!" Sarah lacht. Als wir später mit den Kindern Papierflieger basteln, ist sie rege dabei und unseren Wochenplan hat sie auch schon abgesegnet. Wir sind erstaunt und auch ein wenig happy. Das Arbeiten im Kindergarten ist mit einem Mal sehr entspannt geworden. Die Kids lassen ihre mit Blut, Schweiß und Tränen (jeweils Genitive draus machen und Jessica zuordnen) gebastelten Flieger auf eine Zielscheibe fliegen, die kaum 20cm vor ihnen von mir gehalten wird. Applaus für jeden Treffer, Mitleid für jeden Fehlflieger.
Den Nachmittag verbringe ich in der Bibliothek, die erste Hausarbeit ist fertig, für die Zulassung muss ich mich jetzt ordentlich ins Zeug legen - ohne die kann ich schließlich im Frühjahr nicht in die Prüfung gehen...
Eine weibliche Stimme verkündet via Lautsprecher, dass die Bibliothek schließt und ich mache mich auf den Heimweg. Dort treffe ich Libby, die mich zu Pancakes einlädt. Die sitzen vorgefertigt in einer Flasche und müssen noch ihren Weg in die Pfanne finden. Roswitha laden wir zu diesem einmaligen Kocherlebnis gleich mit ein. Die musste ohnehin aus weiblichen Gründen schon das Fasten brechen.
In der Küche der Camden Hall eine gute Pfanne zu finden...sagen wir, die Wahrscheinlichkeit strebt gegen null. Alle Antihaftungen, die dort jemals vorhanden waren, hat es schon lange vor unserer Zeit zersägt und so ist es kein Wunder, dass die Pancakes der Reihe nach ankleben und anbrennen. In der Küche wird es rauchig. Letztendlich sitzen wir vor einer braunschwarzen Masse, die sich mit etwas Zucker noch gerade so essen lässt, aber aufessen sieht anders aus. "Genauso sehen echte amerikanische Pancakes aus.", erzählen wir Roswitha. "Wenn sie dir in einem Diner jemals was anderes servieren, lass es umgehend zurückschicken." Nach und nach wird die Küche von Männern bevölkert, die hämisch schauen: "Woah, Mädels, ihr könnt anscheinend echt nicht kochen!"
"Die KÜCHE kann nicht kochen!", entrüste ich mich, aber gegen Schadenfreude ist natürlich noch kein Kraut gewachsen.
"Es sind jetzt zwei Deutsche da, die dich kennen. Die waren schon mal da.", erzählt mir Libby später. Ich denke schon, die beiden Architektenmädels sind wieder da, aber nein, es sind zwei dumme Nörgeldeutsche, die immer nur das Bad besetzt und sich beschwert haben. Dieses Wiedersehen macht keine Freude. Auch die ins Bett über mir gezogene Chinesin verhält sich nicht so toll, sie hat all ihr Hab und Gut mit sich hinauf ins Bett genommen, wühlt ständig darin herum und kleidet sich auch im Bett aus und an. Das wäre kein Problem, wenn sich nicht jede ihrer Bewegungen auf das ganze Bett übertragen würde. Unten schüttelt es mich im Takt.
Give it to me, baby.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen