Donnerstag, 18. August 2011

Bloody Fucking Bastard

Mein Zimmer ist fast leer. Die Östereicherinnen haben sich über Nacht verabschiedet, die Kroatinnen sind am Vorabend geflogen, die deutschen Mädels waren sowieso nur eine Nacht da. Nur die "Cheerleederin" ist noch , ein deutsches Mädchen, das immer mal wieder im Hotel eincheckt. Ich habe sie schon an meinem ersten Abend hier gesehen, aber noch nie viel mit ihr gesprochen. Sie ist die "Cheerleaderin", weil sie eines von diesen Mädchen ist, die überall wo sie hinkommen sofort einen hohen Beliebtheitsgrad haben und so kennt sie schnell alle Hostelgäste, geht mit Franzosen und Brasilianern feiern, wechselt sogar mit Quasimodo dann und wann nette Worte. Klassisches Cheerleader Schema. Lange konnte ich mich diesem Trend verweigern, aber jetzt ist sie die Einzige, die außer mir das Zimmer bewohnt.

Ich liege auf meinem Bett und lese, da kommt sie herein, hält mir eine Postkarte vor die Nase, "Warten auf einen Bus in Irland":


Da hat sie mich, ich lache mich halbtot. Wir unterhalten uns über die chaotischen Busfahrpläne, überlegen, ob es hier vielleicht ein Angebot namens "Busfahrer sein für einen Tag" gibt, dass in Dublin gerne genutzt wird und das beinhaltet, dass man sich in einen Bus schwingt und irgendeine Route abfährt, wie es einem gefällt. Wie können die Busse immer zu spät sein, wenn die nicht mal an jeder Haltestelle halten müssen? Wann fahren die los? Wo fahren die los?

Die Cheerleaderin heißt Kati und sie hat schon einiges durch in Irland. Sie weiß auch, warum die Brasilianer, Portugiesen, warum alle diese Langzeitgäste hier sind. Die suchen nach Arbeit und Irlands Visum bekommt man leicht und für weniger Geld als in anderen Ländern Europas. Aber da es hier keine Jobs gibt und das Essen so teuer ist, macht das trotzdem nicht viel Sinn. Die verfolgen aber generell eine andere Logik, meint Kati. Ein Brasilianer den sie kennt, will einen Kellnerjob nicht annehmen, weil er der Meinung ist, da könne er nicht viel Englisch reden üben. Den ganzen Abend hat sie das mit ihm diskutiert, aber nein, Kellner reden nicht. Sie ist aus Berlin, hat schon im Adlon gekellnert und teilt meine Meinung: Hotel? Nie wieder. "Das ist auch überall das gleiche. Ich hab mal in England in einem Hotel gejobbt, da musste jeder am Abend seinen Besteckkasten tiptop haben und eine bestimmte Passage des Saals saugen, bevor es heim gehen konnte. Und statt ihr Besteck zu polieren, klauen sie sich gegenseitig das polierte Besteck aus dem Kasten und verstecken den Staubsauger, damit sie ihren Teil als erstes saugen und eher heimgehen können. Die lassen auch gleich an der Grenze ihres Eckchens den Staubsauger fallen und gehen. Da geht's um fünf Minuten. Wo ist denn das noch ein Team?"

Auch an Hostels hat sie schon einiges gesehen, sie rät ab vom "Shining", da wären die Duschen auf einem anderen Stockwerk als das Zimmer und auch noch so knapp bemessen, dass man echt keinen Keks zuviel gegessen haben sollte, um noch reinzupassen. Abgesehen davon: Drei Duschen für den ganzen Flur.

Was ich denn so mache? Wie das so ist? Hm.

Der Kindergarten im Kindergarten ist mittlerweile meine Beschreibung der Tätigkeit, der ich nachgehe. Wir haben am Morgen versucht, mit den Kindern Schwamm - und Stahlwollmalereien anzufertigen. Das ist uns auch gelungen, wurde aber von den anderen Betreuern als verschwenderisches Gematsche wahrgenommen.

Zugegebenermaßen waren die Bilder nachdem die Kinder entdeckt hatten, dass sie alle Farben miteinander verrühren können, zunehmend zu einer Interpretationsreihe zum Thema "Wider shades of black" geworden, aber die Kinder hatten Spaß und auch mal so was wie eine individuelle Idee hinter ihrem Bild.
Tja, da treffen dann eben die prozessorientierten Deutschen auf die produktorientierten Iren.

Am Abend wird mir klar, wie schön zuhause alle mitlesen. Meine Lieblingsnachbarin schreibt mir: "Sarah, bloody fucking bastard!" Ich freu mich. Auch während der Skypekonferenz mit Alex und Beka bekomme ich schöne Aufheiterungen zugesandt:


'nuff said.

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