Dienstag, 16. August 2011

Manic Mondays

Langsam kommt Routine in die Wochentage und es ist nicht unbedingt eine gute. Außer Aishling besteht wenig Motivation, uns in den Alltag zu integrieren. Aber wir bekommen Verstärkung: Maxi.

Die dritte Deutsche im Bunde ist ausgebildete Erzieherin und war schon eine Weile da, bevor wir kamen. Dann hat sie Urlaub gemacht und jetzt ist sie zurück um uns wach zu schütteln - der Kindergarten ist unmöglich, erklärt sie uns und berichtet uns in schillernden Farben von ihrer Erfahrung mit Kindertagesstätten. Ohne Drill und böse Worte geht das wohl auch, das ist der Kernpunkt ihrer Erzählungen.

Warum dürfen die Kinder sich kein Buch nehmen, wann sie wollen? Warum müssen sie zur Mittagszeit zwei Stunden vor dem Fernseher sitzen? Die Themen, an denen wir bereits zu kratzen wagten, reißt sie für uns komplett auseinander. Und Sarah? Die ignoriert uns alle.

Es ist ganz schön was im Busch in der glücklichen Kindergarten Community, das wird jetzt auch der letzten Gehirnzelle klar. Aber was soll man da machen? Richtig, eine German Force installieren. Wir beschließen, uns in Zukun´ft einfach nicht mehr aus dem Konzept bringen zu lassen. Wenn uns demnächst wer in den Rücken fällt, dann wird sich mal gewehrt - Immerhin sind wir jetzt auch schon zu dritt.

Das irritiert die irische Belegschaft zum Teil auch sehr, so langsam wird hinter unseren Rücken etwas Stimmung gemacht, sei es wegen fünf Minuten, die es eher in die Mittagspause geht, oder weil wir uns dann und wann auf Deutsch unterhalten. Könnte ja sein, dass wir da über sie alle reden. Das tun wir auch, und zwar ausgiebig in der Mittagspause, die wir im Iveagh Garden verbringen. Wir machen uns gegenseitig Mut.

Zurück im Hostel ist mir etwas elend, meine Beine fühlen sich weich an und Kopfschmerzen beginnen, an meinem Seelenzustand zu nagen. Ich wandere erst mal in den ALDI, um einen 10 Tagesvorrat Instant Noodles zu besorgen. Die sind billig und low fat, die perfekte Ernährung für ein Hostelkind. Am Abend treffe ich ein deutsches Mädchen, dass hin uns wieder hier eincheckt, dann wieder verschwindet um wenige Tage später wieder aufzutauchen. Was sie hier macht? Sie hat ihr Diplom fertig und drei Monate nichts zu tun. Reisen, mal hierhin, mal dorthin, jetzt bald wieder heim, dann gleich wieder los. Sie empfiehlt mir das "Abrahams" ein weitaus angenehmeres Hostel für den September. Früchte und Joghurt zum Frühstück, nicht immer nur Toast und Marmelade. Mehr Ruhe. Größere Räume. Sauber. Und das zum selben Preis. Ich schreibe mir sofort den Namen auf.

Dann versinke ich wieder im Internet und beobachte nur schmunzelnd aus den Augenwinkeln, wie Quasimodo  dem other German Girl seine Visitenkarte überreicht. So was aber auch. Sie bedankt sich ganz lieb.

Im Zimmer sind zwei Kroatinnen, die in Irland Freiwilligendienst geleistet haben - dafür waren Kost und Unterkunft frei. Wir unterhalten uns über Cultural Shocks und die schönsten Städte Europas - was ich für die schönste halte? "Munich!", antworte ich prompt. "Nicht Berlin?", fragen sie. "Auf gar keinen Fall." Wir reden auch über die Iren und unsere Feststellung, dass die zwar alle nett sind, aber einem auch nie jemand sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Probleme werden nicht thematisiert, das ist hier nicht so üblich. Und das Kinderlied "Wenn du glücklich bist, dann klatsche in die Hand" gibt es hier auch, doch während in der deutschen Version alle möglichen Emotionen durchgegangen werden, ist es in der irischen Variante nur das happy sein, das man zum Ausdruck bringt. Den Kroatinnen ist es auch schon aufgefallen: "Man sieht denen oft an, das etwas nicht stimmt, aber wenn man nachfragt heißt es, nein, alles in Ordnung, alles kein Problem. Das ist verwirrend."

Sie fragen mich, ob ich am nächsten Tag gegen acht Uhr da bin, sie müssen elf Uhr auschecken, würden aber gerne ihr Gepäck noch eine Weile da lassen. Ja, klar, warum nicht.

Ich verbringe den Abend damit, mein Zweithandy zu konfigurieren, das erste hat seinen Geist aufgegeben.
Dann kann ich endlich schlafen gehen.

1 Kommentar:

  1. If you're happy and you know it slap your friends...
    Anyway - lasst euch nicht unterkriegen von den irren Iren in der Creche! German Force ftw.
    "Abrahams"? Ich werd mal recherchieren!
    So long.

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