Donnerstag, 11. August 2011

Umrühren ist die neue Spielkonsole


Sarah ordnet an, dass ich heute im Middle Room bei den Pre-Montessoris helfe. Ich mag Sarah nicht. Sie ignoriert meine Anwesenheit und die von Jessica gleich mit, ihren Erziehungsstil finde ich merkwürdig und das sie eine unteilbare Alleinherrschaft über die Montessori Lerninhalte pflegt, finde ich auch frustrierend. Mit allen anderen Betreuern komme ich gut klar, Sarah jedoch ist mir ein Rätsel. Und nun bin ich verbannt, denn Francis ist krank und es braucht wohl zwei deutsche Mädchen, um ihre Abwesenheit auszugleichen. Ärgern lohnt sich nicht und mit Jessica zu arbeiten macht Spaß, also was soll‘s.

Meine neuen Schützlinge sind jetzt also Georges kleine Schwester Natalie, Zac, Jack, Gavin und Jake. Letzterer scheint, so merken wir bald, in Richtung Autismus zu tendieren und er verhält sich dementsprechend schwierig, trotzdem wächst er uns durch kleine Niedlichkeiten schnell ans Herz. Die Kleinen kann man teilweise einfach begeistern, ewig sind sie damit beschäftigt, Jessicas Tee und meinen Kaffee umzurühren – es braucht also doch nicht immer gleich die neue Nintendo DS um ein Kind zu unterhalten. Wir betreuen auch den Mittagsschlaf der Lütten und beobachten, wie sie verträumt verknuddelt zurück in die Wirklichkeit finden, als sie aufwachen.  Herrlich.

Nach der Arbeit kann ich gerade noch genügend Energie aufbringen, um die Grundstruktur der Hausarbeit zu „Nichts als Gespenster“ anzufertigen, dann muss ich schlafen.

Ich wache auf, als Isaidi in den Raum kommt, wir haben ein Wäschedate. Sie schnuppert an ihren Kleidungsstücken und entscheidet, was noch gut ist und was in die Trommel muss. Der Waschraum ist eine Klasse für sich, zwei Waschmaschinen und ein Trockner gammeln vor sich hin, kein Fenster lässt sich öffnen, deshalb ist die Decke auch schon lebendig und schimmert mich in allen Farben des tiefen Ozeans an. Die Maschinerie ist aber doch modern und bis 23:00 schaffen wir es auch, unsere Sachen sauber und trocken zu bekommen. Die Zeit überbrücken wir mit dem Essen von Bagels und mit einer Episode von „Big Bang“, auf Spanisch mit englischen Untertiteln.

Bazinga.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen