Ms. Alice Walsh, die Gründerin der Harcourt Creche ist heute da. Sie spricht unglaublich schnell und pädagogisch wertvoll, will viele Dinge von mir wissen, überlässt mich dann aber wieder der Obhut von Sarah und Ashley, die sich Aishling schreibt. Die Iren! Nach der Spielzeit sitzen die Kinder heute im Kreis, sagen Wochentage, Jahreszeiten und Monate auf, bevor sie im sogenannten Garten spielen dürfen. Ich führe das Limbotanzen ein und lasse die Kleinen unter einem gespannten Springseil durchspazieren, Sarah fasziniert die Meute mit Seifenblasen. Sofort springen sie wie wild den Gebilden hinterher, rufen : „Bubbles, bubbles, bubbles“ und ich muss an Nemo denken.
Die Kinder sind heute missmutiger, Garreth wehrt sich vehement gegen das Wechseln der Windel und die Schlafenszeit, George ist zornig, weil, und das muss man sich mal geben, er nicht genügend aufräumen durfte. Andere haben ihm die Arbeit weggeschnappt und so bockt er eine halbe Stunde lang herum, obwohl es Reispudding zur Snacktime gibt. Ich mache mich nützlich wo es nur geht, füttere die langsamen Esser, spüle das Geschirr und baue geduldig Firetrucks aus LEGO. Aiden, der immer sehr deutlich und spuckend in Nähe meines Gesichtes artikuliert, referiert über das Zähneputzen und ich frage, ganz die Lehrerin, ab, was man zum Zähneputzen so braucht. „Toothpaste. And a tootbrush. I’ve got an e…an eee… an eeclectic toothbrush.“ Manchmal könnte ich so feiern…
Ich will den Nachmittag nutzen, um mich näher an das Zentrum Dublins zu wagen, doch schon am Trinity College bereue ich mein Vorhaben. Menschenmassen und Horden gelber Linienbusse. Ich passiere die Liffey, von der ich keine Ahnung habe, wie sie gesprochen wird und schaue mir die legendäre O’Connell Street an. Tausend Läden, sehr viel Fast Food, Bars, Theater, alle diese Dinge. Die Stadt strengt an und ich beschließe, nicht mehr ohne konkreten Plan herzukommen. Auf dem Rückweg erkenne ich einen Plastikwürfel, den ich schon in meinem Hostelzimmer gesehen habe. Darauf steht eine lebende Statue. Ich erkenne im Vorbeilaufen das Venezuela Mädchen aus meinem Zimmer, drehe mich nach ein paar Schritten noch einmal um und wirklich, sie ist es. Als sie später am Abend zurück kommt, frage ich sie vorsichtig, was es damit auf sich hat. Sie lacht. Das hat sie wohl schon oft gemacht, schon vor acht Jahren in Rom, um sich ihr Auslandsstudium zu finanzieren. Alle Versuche, sie zum Zwinkern zu bringen, scheitern mittlerweile. Sie sagt, zuhause hätte sie Geld auf der Bank, aber die Politik…sie macht es jetzt auch nur, um das Zimmer zu bezahlen. An guten Tagen kommen so 30 Euro rein. Ich bin fasziniert.
Den Abend verbringe ich mit einem Sachbuch über Rock in der DDR, Recherche für die Zulassungsarbeit. Auch seltsam, hier so etwas zu lesen. Das Internet arbeitet mal wieder nicht, am Abend scheint es überlastet zu sein und ich beginne, mich zu ärgern. Es ist ohnehin schon frustrierend, das es nur im Common Room Verbindung gibt, wenn die dann auch noch wegfällt, wird es langsam ungemütlich.
Mit im Zimmer sind zwei Brasilianerinnen, Mutter und Tochter. Die Partymädchen aus den USA sind schon wieder abgereist und mit der Mama unterhalte ich mich noch darüber, wie nervig die waren. Die Tochter fragt mich plötzlich, ob ich aus Deutschland bin, weil ich doch eine Tüte von der Müller Drogerie dabei habe. Sie war ein Jahr in Deutschland, erst in Schwäbisch Hall, dann in Kassel. Spaß!
Wir wünschen uns auf Deutsch eine Gute Nacht.
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