Mittwoch, 3. August 2011

I choose you to be my partner

Vier Scheiben Multigrain bread schiebe ich mir zum Frühstück hinein, den das ist inclusive und der Deutsche mag inclusive. Dazu löslichen Kaffee mit Wasser aus einem Wasserkocher, der dem Weltkrieg entsprungen ist. Dem ersten. Ich bin gespannt auf meinen ersten Arbeitstag. Um neun schlurfe ich der Harcourt Creche entgegen, gerade gibt eine Mutter ihr Kind in die Betreuung. Ich klingle.

„Hi, this is Teresa, I’m starting my work experience today?“ Die Tür schnappt auf, ich werde begrüßt, gefragt, ob ich die großen oder die kleinen Kinder betreuen möchte, Montessori oder Toddler? Ich will die Großen, weil ich keinen Bock auf Windelwechselei habe. Diese Entscheidung bereue ich schon mal nicht, denn die Toddler sind ein schreigewaltiger kleiner Haufen. Die Montessori Kids sind allerdings auch nicht ohne. Mich trifft erst mal der Schlag. Ein Bündel Kinder rennt durch den Gruppenraum, die zwei Betreuerinnen Sarah und Ashley haben wenig bis gar nicht Zeit, sich um mich zu kümmern. Learning by doing ist die Devise. Ich unterhalte mich mit den Kindern und als wäre ich seit ihrer Geburt zugegen, quatschen sie mich voll. Langsam kommt Struktur in den Laden. Phase eins ist das independent play, jeder sucht sich ein Spielzeug, mit dem er sich beschäftigen möchte und hat dann ruhig damit zu leben. Zwei Jungs bauen sich ein Batmobil mit Legosteinen, ein anderer lässt Schafe auf einer Dinosaurier Landschaft grasen, die Mädchen sind am Puppenhaus zugegen und Ella und Sean Philippe haben ein Ballspiel gewählt. Sean Philippe wird immer mit seinem vollen Namen angesprochen und er mag Ella, verrät er mir. Nach der Spielzeit räumt jeder seinen Kram ordentlich auf, es werden Jacken angezogen und jedes Kind bekommt eine nummerierte Weste in neongelb mit Reflektoren übergestülpt. Man muss sich einen Partner suchen, mit dem man in den Park gehen möchte. „I choose you to be my partner“, sagt die kleine Abby und greift nach meiner Hand. „Me, too!“ ruft George und nimmt die andere. Wir gehen in den benachbarten Park , wo die Kinder durch ein Labyrinth aus Büschen sausen, Fange spielen und sich auch in die Hosen machen. Sarah muss Garreth samt seinem „accident“ wieder in die Creche zurück bringen.  Während die Lütten im Kreis herum sausen, hat Ashley etwas Zeit, sich mit mir zu unterhalten.  Normalerweise sind es mehr Kinder, erzählt sie mir, nur sind gerade einige in den Ferien mit den Eltern. Es sind eigentlich doppelt so viele. Oh, je.

Ich lerne schnell die Namen auswendig: Abby, die Hyperaktive. George, der Alphamann. Garreth, der Kleine. Ella, the Elephant. Sean Philippe, der Charmeur.  Darrough, die Zuckerschnute. Andreas, der SloMo. Lia, die Exotin. Max, der Verbissene.  Acht kleine Schubladen. „Are you minding us?“ Ich denke, schon.

Nach dem Labyrinth gibt es Essen, nach dem Essen geht es schlafen. Die etwas Jüngeren schlafen in einem Extra Raum, die Älteren dürfen auf Bean Bags vor dem Fernseher ruhen, es läuft Shark Tale für die, die partout nicht einschlafen wollen. Vier von ihnen semmelt es trotzdem in den Schlaf und beeindruckenderweise sind sie von allem Lärm nicht zu wecken. Ich darf Pause machen und hole mir Cheese Fries in Tonis Diner an der Ecke. Die sind zu heiß und ich beschließe, jetzt keine Fries mehr zu essen und überhaupt den Fastfood Pegel zurück zuschrauben. Das fällt schwer, denn Dublin riecht durchgängig nach Fish&Chips.

Die Kinder schlafen noch, als ich zurückkomme und Ashley erklärt mir die Bank Holidays und das, als die Besitzerin Alice einmal so naiv war, am Christmas Eve die Creche zu öffnen, sie bis sieben Uhr am Abend noch Kinder zu hüten hatte. „If we’d open on Saturday or Sunday, belive me, we’d be busy.” Wollen die Eltern den nicht mal Zeit mit ihren Kindern verbringen? „Dooooo they?“ , fragt Ashley zurück und will wohl damit sagen, nein, das wollen sie anscheinend nicht.   

Nach dem Erwachen geht es in den Garten, was einen kleinen, mit grünem Teppich ausgelegten Hinterhof meint. Hier fahren sich die Kleinen mit diversen Fahrgeräten teilweise über den Haufen oder rutschen auf Plastikrutschen herum.  Mit wachsender Teilnehmerzahl spiele ich ein simples Ballspiel, dann ist es drei und ich darf gehen. Ich verabschiede mich und gehe ins Hostel. Komisch ist das alles. Aber nicht weiter schlimm. Da werde ich problemlos zwei Monate sein können und das ist alles, was mich interessiert.

Ich entdecke das Stephens Green Shopping Centre und schau mir die Läden an. Der Summer Sale ist aktuell und es gibt Hosen für zehn Euro. Das werde ich wohl bald mal in Anspruch nehmen und mich eindecken müssen. Vorerst kaufe ich aber nur einen Laptop Rucksack, weil mir der Rücken von der Umhängetasche weh tut.  Ich beginne im Park auch schon, Postkarten zu schreiben, komme aber nicht weit, weil es kühler wird.

Im Hostel haben amerikanische Mädchen das Zimmer bevölkert. Sie trinken Wodka mit Sprite aus Plastikbechern und unterhalten sich wahlweise auf Englisch oder Spanisch, bevor sie auf eine Party gehen. Über Nacht fluten sie  merklich betrunken das Badezimmer, während sie duschen. Ich schreibe meine Postkarten fertig und lösche das Licht.

2 Kommentare:

  1. So so...
    Ella ist also ein Elefant, muss ich da neidisch werden?
    Schön das dein erster Tag in der Arbeit so gut verlaufen ist, ich drück dir die Daumen, dass das so bleibt.
    Außerdem freue ich mich auf eine Postkarte!
    Schlaf gut in deinem Doppelstockbett, oder Stöckebett? Na ja egal...

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  2. Das kommt daher: "Who is she, Lue? Ella the Elephant..." Also kein Grund zum Neid, nur eine Assoziation. Aber ich hab sie tatsächlich gern

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