„Höher. Höher. Viel höher.“ Abby liegt gelangweilt in einer großen Schaukelschüssel und verlangt mehr Schwung. Zusammengekringelt neben ihr liegt Ella, the Elephant und lässt sich von der Sonne bescheinen.
Wir sind auf dem Spielplatz im Stephen’s Green Park und sowohl unsere Montis als auch die Toddler rennen in gelben Warnwesten über das Gelände. Ich bin sehr beliebt hier, ständig muss ich helfen, jemandem zusehen, Bewunderung zeigen, was zur Kettenreaktion wird.
Ich : Good job, George!
Aiden: Did I do a good job, too?
Ich: Yes you did.
Aiden: I did a better job than you, George.
George: No, you didn’t. I did.
Ich: No you didn’t. You both did a good job. No one did it better.
Genderwise könnte man gut eine Studie mit den kleinen durchführen. Rosa Prinzessinnen und wetteifernde Feuerwehrmänner. Es sind Bilderbuchrollenverteilungen. Auf dem Rückweg besuchen wir Chrissy und das ist ein Pferd. Ein Kutschpferd, dass die Kinder wohl schon kennen und nun streicheln dürfen. Der arme Gaul tut mir leid, denn die Kinder sind zwar wohlwollend, aber so unglaublich laut und ruppig. Liz, eine Toddlerbetreuerin, macht ein Foto für die Pinnwand in der Creche. Dann geht es zurück. An meiner Hand geht George, der ein unglaubliches Geltungsbedürfnis hat und ständig irgendetwas brabbelt, es zur Not auch so oft wiederholt, bis man etwas dazu gesagt hat. Mein zweiter Fan ist Lia, ich habe also im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Leider darf ich die Kinder ohne Einverständnis der Eltern nicht fotografieren, was mich um einige hinreißende Motive bringt.
Der Nachmittag hält eine weitere Überraschung bereit. Im Park nebenan findet ein großes, interkulturelles Picknick statt und alle sind eingeladen. Diesmal greift Darrough nach meiner Hand und ich will ihn aufessen dafür. Ich bin nämlich heimlich Fan von Darrough, weil er so ruhig und süß vor sich hin troddelt, sich Zeit lässt und weil er zum Anbeißen ausschaut, wenn er gerade aus dem Mittagsschlaf erwacht. Diesen Mops werde ich wohl leider Ende September in meinen Koffer packen müssen.
Furchtbar Interkulturell schaut das Picknick nicht aus, aber ich bin ja nun auch schon seit einer Woche in einem Hostel, in dem die Welt ein und ausgeht. Wo soll das so ein Picknick noch toppen können? Zumindest ein guter Kinderzauberer -Schrägstrich- Kinderclown ist zugegen. Der leistet gute Arbeit, die Kinder lachen sich tot. Unsere Warnwesten-Clique bekommt Käse, Chips und Schokolade und schaut fröhlich schmatzend diesem Chaoten zu.
Gegen drei verabschiede ich mich und fahre ins Nutgrove Shopping Centre, um doch nochmal den Summer Sale auszunutzen und auch Lebensmittel einzukaufen. Bei Penneys erwerbe ich drei Shirts, zwei Strandhandtücher und eine bedruckte Stofftasche für insgesamt 20 Euro. Nicht schlecht. Dann geht es natürlich wieder zu ALDI. Dort hält sich ein Kassierer für besonders toll – die Dose Thunfisch, die ich aufs Band gelegt habe, will er wie ein DJ am Plattenteller über den Scanner ziehen, mit einem Finger dreht er heiße Scheibe und prompt kullert El Tuna vom Scanner, dem Kassiere in den Schoß auf dem Boden. „Nice Performance“ ist mein Kommentar und der arme Kerl wird ganz rot.
Im Hostel hagelt es jetzt wieder neue Gäste. Zwei Amerikanerinnen stolpern ins Zimmer, eine Mutter mit ihrer Tochter, Anne und Claire aus Phoenix, Arizona. Das „Phoenix, Arizona“ ist der Tochter ein Greuel, sie meint, das wisse doch eh keiner, wo das ist. Aber sowohl ich als auch die hinzukommenden Tschechischen Mädchen bestätigen ihr, dass das schon eine bekannte Größe in Europa ist. „Echt?“, meint sie verwundert. Da frage ich mich, wieviel über die Bundesländer Deutschlands außerhalb unserer Grenzen bekannt ist. Bavaria zumindest hat bisher noch jedem was gesagt, Munich erst recht. Aber mit Thüringen, Gera oder Sachsen, Oberfrohna hat man da sicher auch nicht den Trumpf im internationalen Skat gezogen. Ich suche mir für den nächsten Tag ein paar der Podcasts von der Seite visitdublin.com herunter und überlege mir, die Croke Park Tour zu machen.
Claire hat ihr Bett gemacht und segelt bei dem Versuch, aus dem Doppelstock nach unten zu kommen, etwas ungalant auf den Boden.
„Nice Performance“ ist der Spruch des Tages.

Darrough?
AntwortenLöschenDu bringst mir aber kein Kind mit heim, gell!