Als ich im Hostel ankam, lachten mich folgende Stichpunkte an:
Free Dinner on Tuesday and Thursday
Free BBQ on Saturday
Free Wi Fi
Free Laundry from Monday to Wednesday
Im Klartext also: Hier kannst du ins Internet. Hier gibt's drei Mal die Woche ein Abendessen und hier kann man Wäsche waschen. Man nehme den Imperativ Singular von "Pusten" und addiere ein "Kuchen". Das es kein Abendessen gibt, wurde sehr bald klar und wurde von mir hingenommen. Habe mir eh nicht vorstellen können, wie man sich das leisten konnte. Als dann das Internet klapprig wurde, habe ich zähneknirschend auf die Rückkehr desselben gewartet. Aber jetzt ist gut. Jetzt liegt das Internet im Endzeitkoma und die Wäscherei ist abgesperrt. Jetzt hab ich keine Lust mehr und weil ich zuhause einen Helden habe, darf ich im September umziehen. Ins Abraham House - neues Hostel, neue Chance.
Die Ereignisse der letzten Tage nun in Kürze:
Montag: Sarah und Aishling sind nicht da, was die Lage sehr entspannt. Ohne Sarahs schlechte Laune und Aislings Hektik sind auch die Kinder guter Dinge und trödeln ohne Druck durch den Tag. Beim Wolkenschauen im Park wird es drollig: "Ich sehe einen Berg!", "Ich sehe ein Schaf!", "Ich sehe ein endoplasmatisches Retikulum!" Wer hat wohl was gesehen? Im Hostel geht mir eine Rige spanischer Partymädchen gehörig auf den Senkel und mein Toastbrot schimmelt sich zu Tode - Mist!
Dienstag: Ich sitze mit Jessica in einer Ecke des M Raums und schneide Möbel aus einem Marks & Spencer Katalog aus. Die dürfen die Kinder später in einen vorgezeichneten Raum kleben. Manche bekommen das schon fein hin, in einigen Apartments hat aber die Schwerkraft ausgesetzt : Sofas fliegen auf den Betrachter zu. Es macht den Kleinen Spaß, das ist schön. Maxis Hutschnur hat aber ausgedient, sie verlässt den Kindergarten vorzeitig und reist zu einer Freundin. Ihre Tage in Irland sind ohnehin gezählt, am Ende der Woche will sie fliegen. Morgen ist ihr letzter Tag in der Creche. Mit Jessica gehe ich Charity Shops abklappern, dann treffen wir uns mit Maxi und gehen an der Liffey Cider trinken. Maxi ist fertig und geht bald heim, mit Jessica erfinde ich noch einen fragwürdigen Sommerhit mit "explicit" Stempel.
Mittwoch: Gerade haben wir Sarah schon so etwas wie eine gute Seite zustehen wollen, da zwingt sie zur Mittagszeit die kleine Abby derartig schlimm zum Essen, dass uns schlecht wird. Noch während die weint, gabelt sie ihr Nudeln in den Hals und als sie würgt, ist ihr Kommentar: "Tu jetzt nicht so!" Abby ist total fertig mit den Nerven und wir schalten leider nicht schnell genug. "Das ist Körperverletzung!", sagt Maxi sofort, als wir es ihr erzählen. "Bei so was sofort einschreiten! Alles wegnehmen, das darf auf gar keinen Fall nochmal passieren." Sie hat Recht und wir fühlen uns schlecht, weil wir das nicht gleich erkannt haben. Am Nachmittag werden wir in den Middle Room geschickt um auf die schlafenden Pre-M's aufzupassen. Der kleine Jack will dort nicht schlafen, weil er am Tag zuvor einen Albtraum hatte. Ich lege mich neben ihn und wir unterhalten uns flüsternd. Er und sein Bruder Gavin sind mittlerweile im Kreis unserer heimlichen Lieblinge, weil sie so zuckersüß sind. Dazu ist Jack schon ziemlich schlau. Als wir uns schlafend stellen, durchschaut er das: "Ihr schlaft nicht. Ihr habt kein Bett, ihr habt keinen Teddy und ihr seid nicht müde."
Donnerstag: Die Montessoris mühen sich mit Buntstiften ab, mit denen sie Legosteine umreißen sollen, oder andere Objekte, die wir aus dem Spielzimmer geholt haben. Sie sind total überfordert. Nicht nur ist ihnen der Buntstift fremd (weil sie die Buntstiftminen so oft abbrechen, bekommen sie nur Fettstifte, damit man sich das viele Anspitzen spart), auch braucht es zu viel Konzentration, um die Objekte als Schablone zu benutzen. Ab und zu hole ich ein Kind ins Spielzimmer, ich spiele mit ihnen "Sagen Sie jetzt nichts", sie müssen auf Fragen mit Gesichtsausdrücken antworten. Wie schaust du aus, wenn Mama Pancakes macht? Darragh streckt begeistert die Zunge heraus. Wie sieht ein Pirat aus? Peter beugt den Arm vor der Brust und sagt "Aaaaargh!". Wie bewegt sich eine Prinzessin? Faye streckt die Arme aus und dreht sich im Kreis. Die Fotos werden schön, ich hätte es fast nicht zu hoffen gewagt. Nur Lia knaubelt an ihren Fingern und rührt sich nicht. "Dann eben nicht, ist gut!", sage ich ihr. Auch frage ich jedes Kind, ob es fotografiert werden will. Francis, die normalerweise die Pre-Ms betreut, ist heute mit unten. Sie schaut uns zu und schneidet Früchte für die Snacktime zurecht. Als wir später in der Garderobe stehen, kommt sie vorbei: "Das habt ihr echt toll gemacht.", sagt sie. Wir relativieren: "Das mit dem Zeichnen war zuviel für die Kinder.", aber darum ging es Francis gar nicht: "Wie ihr mit den Kindern gesprochen habt und wie ihr das alles erklärt habt, das war echt gut, ich war beeindruckt." Endlich mal ein Lob. Wir strahlen und gehen in den verdienten Feierabend.
Lob. Lob. Lob.
AntwortenLöschenHabt ihr nämlich voll verdient. Ich komm gleich vorbei und setz ich zwischen die Kinder, will mitspielen!